"Little Joe"

18. Mai 2019 14:22; Akt: 18.05.2019 14:56 Print

Viel Beifall für Hausners Sci-Fi-Thriller in Cannes

von Gunther Baumann, Cannes - Die Wiener Regisseurin Jessica Hausner kämpft bei den Filmfestspielen in Cannes um die Goldene Palme.

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Viel Beifall und gute Kritiker-Noten für "Little Joe": Die Wiener Regisseurin Jessica Hausner feierte am 17. Mai eine gelungene Premiere im Wettbewerb um die Goldene Palme. Ihr Film ist eine Mischung aus Science Fiction, Psycho-Thriller und leichten Grusel-Sequenzen.

Obendrein ist "Little Joe" mit seiner klaren und strahlenden Optik ein ungemein schöner Film geworden. Gäbe es in Cannes eine Palme für die beste Bildsprache, so wäre sie "Little Joe"-Kameramann Martin Gschlacht kaum zu nehmen.

Sci-Fi-Thriller über Pflanze "Little Joe"

In dieser kühlen und eleganten Pracht lässt Jessica Hausner eine unheimliche Geschichte entstehen. In einem Labor in England arbeitet die Gentechnikerin Alice (Emily Beecham) an einer neuen Pflanze, der sie den Namen ihres Sohnes gibt: Little Joe. Die Blume mit ihrer feuerroten Blüte schaut nicht nur prächtig aus, sie hat auch einen besonderen Zweck.

Wer ihren Blütenstaub einatmet, soll glücklich werden. Den Wissenschaftlern im Labor (unter ihnen Ben Wishaw, der Q aus den Bond-Thrillern, als Botaniker) schwebt vor, die blühenden Glückserzeuger flächendeckend unters Volk zu bringen.

"Little Joe" ist gefährlich ...

Allerdings stellt sich bald heraus, dass bei der Konstruktion der Gen-Pflanze wohl etwas schiefgegangen ist. Alle, die mit "Little Joe" in Berührung kommen, verändern sich. Aber nicht zu ihrem Besseren. Sie verlieren jedes Interesse an ihren Mitmenschen und wenden ihre ganze Zuneigung der Blume zu. Die Little-Joe-Jünger wirken wie ferngesteuert, als wären sie einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Widerspruch wird nicht geduldet.

Jessica Hausner erzählt in ihrem auf Englisch gedrehten Film von den Verführungen und den Gefahren, die entstehen, wenn der Mensch seine technischen Möglichkeiten immer weiter ausreizt. Die Entwickler der Glücks-Blume gehen voll positiver Absichten an die Arbeit, können die Wirkung von "Little Joe" aber nicht mehr bremsen, wenn das Experiment aus dem Ruder läuft.

Arthaus-Fans werden den Film lieben

Zur klaren Bildsprache gesellt sich bei diesem Drama ein cooler, präziser Inszenierungsstil. Jessica Hausner hat ihrem Film eine sehr persönliche Handschrift gegeben. Bei Freunden des Arthaus-Kinos dürfte "Little Joe" gut ankommen.

In den Kritiker-Charts des Wettbewerbs von Cannes belegt "Little Joe" einen guten Mittelfeldplatz.

Trailer zu "Dolor y Gloria"

Autobiografisches Drama von Almódovar

Die Führung übernahm hier am Freitag der spanische Regie-Star Pedro Almódovar, der in "Dolor y Gloria" ("Schmerz und Ruhm") aus seinem eigenen Leben erzählt.

In der Rolle eines alternden Filmregisseurs glänzt Antonio Banderas, dessen Weltkarriere einst bei Almódovar begann. Die Hauptfigur, Salvador, blickt auf eine Existenz zurück, die als Kind armer Leute in der Provinz begann und ihn bis in die Höhen des Ruhms führte. Mittlerweile ist aus Salvador ein melancholischer Leidender geworden, den gesundheitliche Probleme plagen und der in einer Schaffenskrise steckt.

"Dolor y Gloria" bringt in anekdotischer Form viele kleine Geschichten auf die Leinwand, von der Kindheit (mit Penélope Cruz als Mutter des kleinen Salvador!) über die Entdeckung seiner Homosexualität bis hin zu Begegnungen, die zu tiefen Freund- oder Feindschaften führten.

Gelungener Film

Almódovar hat keinen sonderlich dramatischen Film gedreht, doch er zieht das Publikum mit seinem erzählerischen Talent und seinem unvergleichlichen Talent für hypersensible Figurengestaltung geradezu magisch in seinen Bann. Almódover-Fans werden an "Dolor y Gloria" viel Freude haben.

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