Von Mundl bis Quasi

29. November 2018 09:09; Akt: 29.11.2018 09:21 Print

Wiener fluchen genauso schön wie "Mama Balkan"

Unser Blogger berichtete in seiner Kolumne von der Fluchkultur am Balkan. Aber Moment: Wer sagt denn, dass wir Wiener da nicht mithalten können?

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Mundl Sackbauer (Karl Merkatz) ist ein Urquell an garstigen Sagern. Ein Dorn im Auge sind dem "echten Wiener" unter anderem sein eigener Sohn ("Sog, bist du so deppat, oder stöst di nur so?!") ... ... die deutschen Nachbarn ("Wer Kai-Uwe haßt, bleibt ewig a Piefke") oder beleibte Intimfeinde ("Kauf da a Nodl und stich da in Bauch, dass da di Luft ausgeht, du Blada!"). Auch im Kultfilm "Muttertag" finden sich zahlreiche Schmankerl aus den Niederungen des Wiener Sprachgebrauchs. Die genervte Pauschal-Antwort des Teenagers Mischa (Alfred Dorfer, re.) auf den Unbill des Lebens gehört noch zu den netteren Sagern: "Jaaaaa." Unvergessen bleibt der Spruch des Vokuhila-Kunden (Roland Düringer, vorne Mitte) zum Kaufhausdetektiv (re.): "Pudel di ned auf, Hustinettenbär." Zum Thema Menstruation tragen die jungen Burschen in "Muttertag" nichts wirklich Freundliches bei: "Geh bitte, de hot si sicha wieda auf a Glosscherbn gsetzt, de Gspritze." In "Freispiel" macht sich Promi-Sänger Pokorny (Lukas Resetarits) einen Spaß daraus, ein Pärchen beim Geschlechtsakt zu stören. Durch die aufgerissene Schlafzimmertür dröhnt er: "Präservativ-Kontrolle!" Die Antwort aus dem Bett: "Oaschloch!" Im urigen Wiener Thriller "Blutrausch" hat Kriminalkommissarin Sedlacek (Silvia Fenz) einen der besten Sager. Sie mockiert sich über einen Kollegen im Krankenstand: "Liegt daham im Bett und schaut fern oder schnackselt mit seiner Tuscheneja, jetzt kommts Wochenende und am Monstag wenn er wieder frisch is, ist jede Spur so koid wia der Oasch von ana Gürtelhur, so schaut's aus Herr Doktor." Helmut Qualtinger nahm sich auch in seinen Filmen kein Blatt vor den Mund. In "Kurzer Prozeß" (1967) regt er sich etwa als Krimineser über infrastrukturelle Mängel auf: "Schön ists da, nicht? Man möcht sich gleich selbst aufhängen. Ein Haus wies andere. Und die Menschen die drin wohnen, wie die Häuser, kein Gesicht. Der Architekt ghört verhaftet und die Gemeinde erschlagen, die sowas baut - Zukunftsplanung." Und noch ein österreichischer Polizist mit entwaffnender Wiener Mundart: Major Adolf Kottan (hier von Franz Buchrieser verkörpert, li.) reagiert vor allem allergisch auf das Wort "Inspektor"; wird er als solcher angesprochen, gibt's von ihm ein angezipftes "Inspektor gibt's kaan!" zu hören. Der Urlaub bewahrt einen aufbrausenden Wiener nicht vorm Ausrasten. Roland Düringer beweist als frustrierter Tourist Gerry Schartl in "Poppitz" seine cholerische Seite. Was er da brüllt, war mit Sicherheit schon in so manchem echten Ressort zu hören - von "Wos woit der von dir, der Scheiß Piefke" bis zum "Wüst du mi veroaschen?!" an der Hotelrezeption.

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Mit einem Augenzwinkern berichtete der Autor unseres Balkan-Blogs von der Verwendung von Kraftausdrücken in seiner Familie. Während man sich in Österreich davor hüte, vor kleinen Kindern zu fluchen, gehöre eine derbe Sprache am Balkan fast schon zum guten Ton.

Bei der Lektüre werden sich viele Wiener gedacht haben: Granteln, das können wir auch! Der beste Beleg dafür: Die hiesigen Kino- und Fernsehproduktionen.

In der Bildstrecke haben wir die kultigsten Wiener Ungustl-Sager aus Film und TV zusammengefasst. So ruppig charmant und kreativ kann Schimpfen sein ...

>>>> Dazu passt auch: 5 Songs, die den Wiener Grant perfekt beschreiben.

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