Kunst-Profi Gerald Matt schreibt jetzt in "Heute"

19. Dezember 2016 03:19; Akt: 18.12.2016 21:18 Print

"Komm ans Fenster, mein Schatz"

Berühmt die Arie, in der Don Giovanni im ersten Akt der Oper schmachtend sein Liebeswerben kundtut: "Dort reichen wir uns die Hände, dort gibst Du mir dein Jawort" - hinreißend von Nathan Gunn gesungen in der neuen Aufführung des Theater an der Wien (Erwin Schrott übernimmt am 28. und 31.12.).

 (Bild: Helmut Graf)

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Berühmt die Arie, in der Don Giovanni im ersten Akt der Oper schmachtend sein Liebeswerben kundtut: "Dort reichen wir uns die Hände, dort gibst Du mir dein Jawort" – hinreißend von Nathan Gunn gesungen in der neuen Aufführung des Theater an der Wien (Erwin Schrott übernimmt am 28. und 31.12.).

Mozarts "Don Giovanni" wurde von E.T.A. Hofmann als "Oper aller Opern" bezeichnet. Der Philosoph Kierke gaard lobte ihre "sinnlich-erotische Genialität". Und nun ist "Don Giovanni" im Theater an der Wien zu sehen und zu hören, das mit einer fulminanten Aufführung wieder einmal bewies, dass es Wiens innovativstes und spannendstes Opernhaus ist. Verführung, Verrat, Liebe, Leidenschaft, Betrug und Eifersucht, Rache und Tod sind die Ingredienzien, die "Don Giovanni" beim Publikum so populär machen. Sein einschmeichelnder Charme, seine erotische Kraft sind unwiderstehlich. "Komm ans Fenster, mein Schatz, komm und stille meine Tränen." Don Juan alias Don Giovanni ist wandlungsfähig, einmal der skrupellose Frauenheld, dessen Verführungskünsten Hunderte Frauen erliegen, ein andermal ein schwacher und unbeherrschter Mann voller Verzweiflung und Zweifel.

Auf der Flucht vor den von ihm verlassenen Frauen und sich selbst holen ihn auch im Theater an der Wien schließlich Gerechtigkeit und Tod ein, und anstelle des von ihm getöteten Komturs schickt ihn ein Herzinfarkt zur Hölle. Der Don-Juan-Mythos faszinierte Autoren von Molière bis Handke (auch Oscarpreisträger Michael Haneke inszenierte Mozarts berühmte Oper). Wie zeitgemäß Don Juan und sein Lebensstil sind, ruft die aktuelle Inszenierung eindrücklich in Erinnerung, wo ein unbezähmbarer Don Juan als feiner Hotelgast die Frauen umschwärmt, auf die Konsequenzen seines Handelns pfeift, weder Tod noch Teufel. Bravo. Apropos: Aktuell gilt es, die Direktion der Wiener Staatsoper neu zu besetzen. Auch da sollte Fantasie nicht schaden. Nicht immer ist das Altbewährte das Beste. Hoch lebe die Kunst.

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