Kunst-Profi Gerald Matt schreibt jetzt in "Heute"

22. Februar 2016 05:09; Akt: 21.02.2016 19:03 Print

Balthus: Sogar David Bowie war Fan

2001 starb der französischpolnische Malerfürst Balthus. Ab Mittwoch sind seine Werke erstmals in Wien zu sehen. Mit der Balthus-Show ist dem Bank Austria Kunstforum eine Sensation gelungen, denn die Gemälde des Malers sind in den Spitzenmuseen dieser Welt vom Moma in NY bis zur Tate in London vertreten.

 (Bild: Helmut Graf)

(Bild: Helmut Graf)

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Balthus zählt zu den herausragenden Malern des 20. Jahrhunderts. So großartig sein Werk ist, so geheimnisvoll ist sein Leben. Das exzentrische und öffentlichkeitsscheue Genie benutzte den Grafentitel Klossowski de Rola und lebte seit den 70er-Jahren mit Ehefrau Setsuko, einer Samurai- Tochter und Künstlerin, unweit des Genfersees in Rossinière in Zurückgezogenheit. Sein 1754 erbautes Architekturjuwel (mit 15 Metern Länge und 115 Fenstern das größte Holzchalet der Schweiz) wurde ein Wallfahrtsort, Richard Gere, der Dalai Lama, Bono sowie David Bowie waren da.

Der 1908 in Paris geborene Balthus lebte als Kind mit seiner Mutter und Bruder Pierre, ebenfalls ein herausragender Zeichner, in der Schweiz. Der große Dichter Rainer Maria Rilke, Geliebter seiner Mutter, unterstützte früh sein Talent. Als junger Künstler zog Balthus nach Italien, dann nach Paris, wo seine Liebe zur figurativen Malerei erwachte. Befreundet mit Picasso, Miro und Dalí, ging Balthus beharrlich seinen eigenen Weg einer "anderen Moderne". Er hinterließ nur 350 Meisterwerke, von denen die Wiener Ausstellung eine erlesene Auswahl zeigt.

Zu sehen sind neben seinen Stadt- und Straßenszenen und den von ihm bewunderten Katzen auch seine kontroversiellen, erotisch aufgeladenen Mädchenbilder. Für diese wunderbare Ausstellung gilt ein Riesenlob dem Kunstforum und seiner tüchtigen Leiterin Ingried Brugger. Beispielhaft wird hier seit Jahren von einer privaten Institution die Arbeit geleistet, die man von manch staatlichem Museum schmerzhaft vermisst. Ein Pflichttermin für Kunstfreunde. Hoch lebe die Kunst.

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