Kunst-Profi Gerald Matt schreibt jetzt in "Heute"

15. März 2016 03:02; Akt: 14.03.2016 19:23 Print

Begegnung mit New Yorks Flugsaurier

Es gibt Bahnhöfe, um in Züge ein- und auszusteigen - und es gibt Bahnhöfe, die man bestaunt, weil sie architektonische Wunder sind. Dazu gehört die Grand Central Station in New York und jetzt auch der neue, mit vier Milliarden Dollar teuerste U-Bahnhof der Welt, "Oculus" beim One World Trade Center.

 (Bild: Helmut Graf)

(Bild: Helmut Graf)

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Es gibt Bahnhöfe, um in Züge ein- und auszusteigen – und es gibt Bahnhöfe, die man bestaunt, weil sie architektonische Wunder sind. Dazu gehört die Grand Central Station in New York und jetzt auch der neue, mit vier Milliarden Dollar teuerste U-Bahnhof der Welt, "Oculus" beim One World Trade Center.

Das vom spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava geplante Gebäude erhebt sich wie ein Phoenix aus der Asche des Terroranschlages vom 11. September 2001. Der Bahnhof, verbindet die New Yorker UBahn mit den Zügen aus New Jersey. Täglich landen hier 200.000 Pendler. Calatrava inszeniert den Bahnhof als Panzer eines modernen Flugsauriers im Herzen des New Yorker Financial Districts.

Entstanden ist ein architektonisches Wahrzeichen, das mit dem "One World Trade Center"-Wolkenkratzer von Daniel Libeskind, der Terror- Gedenkstätte und dem unterirdischen 9/11-Museum ein weiteres Zeichen der Wiedergeburt des Big Apple setzt. Noch wird gebaut, piepsende Lkw, das Stakkato der Presslufthämmer und das Ächzen der Kräne lassen eher an eine riesige Baustelle als an ein vollendetes Gebäude denken.

2008 hielt Bürgermeister Bloomberg das ambitionierte Projekt mit seinen teuren und schwierigen Sicherheitsauflagen gegen Terror und Überflutung für zu kompliziert. Mit 12 Jahren Bauzeit überzog das Projekt seine Fertigstellung um sieben Jahre, 12.500 Tonnen Stahl und Tausende Tonnen weißen Marmors aus Europa wurden verbaut. Die Kosten explodierten auf das Doppelte.

Kritiker verglichen den Oculus mit einem Truthahn, dessen Appetit nach Steuergeld unersättlich sei. Das Ergebnis jedoch ist überzeugend. New York investiert in sein zukünftiges historisches und architektonisches Erbe, Wien begnügt sich mit biederen Dachausbauten für das Wien Museum. Hoch lebe die Kunst.

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