Kunst-Profi Gerald Matt schreibt jetzt in "Heute"

26. September 2016 03:03; Akt: 25.09.2016 19:21 Print

Hände weg vom Hochhaus am Karlsplatz

Die von Architekt Fischer von Erlach erbaute und denkmalgeschützte Wiener Karlskirche ist einer der wichtigsten Barockbauten Mittel- und Nordeuropas und der architektonische Star am Karlsplatz. Sie ist mit ihrer Kuppel und den Reliefsäulen der strahlende Höhepunkt eines von Musikverein und Technischer Uni umrahmten Ensembles.

 (Bild: Helmut Graf)

(Bild: Helmut Graf)

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Nun soll das daneben liegende Versicherungsgebäude um zehn Meter aufgestockt werden. Bürger laufen zu Recht Sturm dagegen. Die Plattform "Rettet die Karlskirche" hat in kurzer Zeit 1.600 Unterschriften gesammelt. Der Aufbau würde das architektonische Gleichgewicht und Erscheinungsbild der Barockkirche empfindlich stören und für nachfolgende Generationen wäre ein Juwel beschädigt.

Mir geht es hier nicht um die Ablehnung neuer und moderner Architektur. Eine Stadt, die lebendig bleiben und auch in der Zukunft eine architektonische Vergangenheit haben will, muss immer wieder Neues ermöglichen. Daher bin ich an dieser Stelle für das Interconti-Hochhaus der 60er- Jahre und das Hochhausprojekt des brasilianischen Architekten Weinfeld eingetreten.

Aber der Karlsplatz und die Karlskirche müssen von einem banalen Aufbau eines jetzt schon hässlichen Durchschnittsbaus verschont bleiben. Dass dabei mit einem "Beitrag für die Umsetzung einer frischen Optik" argumentiert wird, ist zynisch, aber aus wirtschaftlichen Interessen verständlich. Inakzeptabel ist aber, mit welcher Selbstherrlichkeit die Wiener grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou hier leichtfertig einen der wichtigsten Wiener Kulturbauten einem schnöden, kommerziellen Interesse einer Versicherungsgesellschaft opfern will.

Aussagen, dass die breite Zustimmung zum Projekt unverändert sei, spiegeln wieder einmal die Abgehobenheit und Bürgerferne von Politik wider. Dass besorgte Bürger nun mobil machen, ist begrüßenswert. Ihrem Anliegen kann man im Interesse der Schönheit der Stadt Wien nur Erfolg wünschen. Hoch lebe die Kunst.

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