Slam-Poetin im Talk

24. Juli 2018 06:00; Akt: 24.07.2018 16:47 Print

Engelmann: "Poesie ist meine Weltanschauung"

von M. Dorner - Julia Engelmann will es schön machen. Für sich und für andere. Das tut sie – und laut, leise, berührend, belustigend und irgendwie anders. Am 25.10. slammt sie in Wien.

Sie kann auch wild: Engelmann singt, tanzt, slammt und dichtet im Wiener

Sie kann auch wild: Engelmann singt, tanzt, slammt und dichtet im Wiener "Supersense". (Bild: Helmut Graf)

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"Du musst nicht in den Abgrund springen, um Tiefgang zu haben“, weiß Julia Engelmann (26) – und nimmt beim Presse-Stelldichein im Wiener Lokal "Supersense" mit Gesang, Rap, Poesie, Schmäh, viel Gelächter, Kazoo und ein paar wenigen Plattitüden vollen Anlauf. Zum Glück aber nur für die "Poesiealbum"-Tour ab 25.10. in Wien. Wir haben genau hingehört und mit Deutschlands erfolgreichster Poetry-Slammerin gesprochen.

„Heute“: Slam-Poetin, Poetry- Slammerin, Dichterin. Was sind Sie? Oder ist Ihnen das Mascherl, das Ihre Kunst ziert, scheißegal?

Julia Engelmann: Viel denke ich nicht darüber nach. Aber wenn ich gefragt werde, sage ich, dass ich Dichterin bin. Und wenn ich mehr Zeit zum Antworten habe, sage ich auch, dass ich meine Gedichte illustriere, Musik mache und mit alldem auf Tour gehe.

"Heute": Was ist Poesie für Sie?

Engelmann: Poesie ist meine Weltanschauung. Die Liebe zum Leben, der wohlwollende Blick auf Dinge. Der Wunsch, Schönes festzuhalten. Der Versuch, den inneren Kosmos für andere zugänglich zu machen.


(Video: Vera Gasber)

"Heute": Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte, sagt ein Sprichwort. Ein Schlag ins Gesicht der Poetin?

Engelmann: Das liegt im Auge des Betrachters und im Moment an sich. Sprache ist für mich ja auch wie ein Bild, das auf so viele Arten gemalt werden kann. Ich gehe gerne ins Museum und bin froh, dass so viel mögliche Ausdrucksformen koexistieren.

"Heute": Beantworten Sie Fragen zu Ihren Texten – oder sollte man da lieber nicht reinstochern?

Engelmann: Es wird viel gefragt. Via Social Media, vor der Show, danach und dazwischen. Ich antworte natürlich und bin offen für jeglichen Diskurs. Einmal haben sich der Deutschleistungskurs und der Deutschlehrer darüber gestritten, was ich mit "Geschichten schreiben“ meine. Meine ich "Geschichte schreiben" oder "eine Geschichte erfinden"…

"Heute“: Ist Ihre Kunst immer das Ergebnis harter Arbeit? Sitzen, denken, Themen suchen, Worte finden, formulieren. Oder küsst Sie manchmal auch einfach die Muse und Sie legen los …

Engelmann: Es ist immer ein Mix aus beidem. Wenn ich einen Einfall hab, aus dem ich nichts mache, dann verpufft er in mir. Aber alles, was ich tue, fängt mit etwas Spontanem an. Einem Gedanken, einem Wort, etwas ganz Kleinem.

"Heute": Gehen Sie mit mit Notizblock durch die Welt?

Engelmann: Ja, absolut. Oder ich simse mir Ideen, das ist die unromantischere Variante. Ich hab viele Worddokumente im Umlauf, die ich nicht mehr wiederfinde. Ich schreibe andauernd und überall, zeichne dazu, mache meine Gedankenwelt für mich sichtbar.

"Heute": Sehnsucht, Schmerz, Emotionen. Das sind Themen, die immer tiefer gehen, als andere. Wie bewahren Sie sich selbst davor, in Ihren Texten einseitig zu werden?

Engelmann: Es ist etwas zutiefst Menschliches, sich immer wieder mit dem Gleichen zu beschäftigen. Warum sonst würde ich mich so mit Hesse identifizieren? Gefühle und Fragen kommen immer wieder. Wie Jahreszeiten. Nur mit anderen Symptomen.

"Heute": Wir reden hier im "Supersense". Was ist denn Ihr Super-Sinn?

Engelmann: Ich denke, meine Empathiefähigkeit.

"Heute": Am 17.9. erscheint Ihr Buch „Keine Ahnung, ob das Liebe ist“, Sie spielen ab 30.8. im Kinofilm "Asphaltgorillas“ und geben ab 25.10. drei Shows in Österreich. Können Sie so viel oder wollen Sie so viel?

Engelmann: Ich habe unglaubliche Freude an allem. Mit den Jahren werden die Ideen mehr statt weniger. Gerade habe ich ein Gedicht mit Freuden von mir verfilmt, das wir mit einem Beatboxer und einem Täner veröffentlichen werden. Ich bin sehr dankbar, gesund und kreativ sein zu dürfen.

"Heute": "Julia Engelmann ist von jetzt auf gleich ein Lebensgefühl geworden“, konstatierte die Huffington Post. Fürchten Sie nie, dass Menschen draufkommen, dass Sie vielleicht doch keines sind?

Engelmann: Nein. Das, was man von mir liest, sieht und hört, ist alles, was ich bin. Diesbezüglich bin ich sehr im Reinen mit mir. Ich selber bin nicht mein Lebensgefühl. Aber ich bin glücklich, es für andere sein zu dürfen. Ich bekomme so viele liebevolle, bewegende und wertschätzende Nachrichten, und das ist mehr, als ich mir je erträumt habe.

"Heute": Was ist denn Ihr Lebensgefühl?

Engelmann: Lebensfreude und Poesie. Ich weiß, dass alles endlich ist. Es gibt Dinge, auf die ich keinen Einfluss habe. Aber wenn ich Einfluss habe, dann möchte ich es gerne schön machen. Für mich und andere.

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