Anekdoten vom Ururenkel

23. März 2019 13:21; Akt: 23.03.2019 13:38 Print

Für dieses Buch reisten die Habsburger nach Wien

von Marianne Lampl - Leopold Altenburg, Ururenkel von Kaiser Franz Joseph liest aus seinem neuen Buch. Diese Insider-Geschichten will auch der eigene Clan hören.

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"Sisi - Marie Valerie - Clemens - Peter - und ich", so erklärte der kleine Leopold Altenburg seinem Papa Peter das Verwandtschaftsverhältnis zwischen Österreichs berühmten Kaiser und sich. All die Titel wie Prinzen, Erzherzöge und natürlich Kaiser ließ er einfach weg.

Lesung wurde Habsburger-Familientreffen
Am Donnerstag hielt der inzwischen erwachsene Leopold die erste Lesung seines Anekdoten-Buchs "Der Kaiser und sein Sonnenschein" mit Geschichten seiner Familie in kleinem, aber extrem feinem Rahmen. Im edlen Palais Ferstel, im Innenhof des Café Central, versammelte sich die Verwandtschaft. Angereist aus der Schweiz und Portugal, aus Deutschland und natürlich aus Österreich, war die Habsburger-Dichte so hoch wie man sie selten zu Gesicht bekommt.

"Ich hab heute Krawatte an", eröffnete der Autor die Lesung, "damit si kana beschwert". Gelächter aus dem Publikum. So viel dürfte sich nicht verändert haben, seit der kleine Leopold alle Titel unter den Tisch fallen ließ.

Prinz und CliniClown
Ein Streichquartett zur Untermalung gab es trotzdem. Leopold Altenburg würde, gäbe es in Österreich noch Titel, einen "Prinzen" im Namen führen. Entgegen dem Klischee lebt der Schauspieler in Berlin, arbeitet als CliniClown und ist mit einer protestantischen Schauspielerin aus Norddeutschland verheiratet. Unter all dem Adel saßen also auch Clowns in Zivil, Schauspieler und einige, sehr wenige, Journalisten im Publikum.

Vom Schreibtisch des Kaisers bis zum Musical Elisabeth
Am Rednerpult hatte Leopold Altenburg einen silbernen Hirschkäfer liegen. Im Buch kommt das Tierchen, inzwischen wieder im Familienbesitz, gleich in zwei verschiedenen Kapiteln vor. "Clemens reckte sich in die Höhe und versuchte heimlich, das Tier mit seinen kleinen Händen zu erreichen. Der Kaiser nahm das Insekt und reichte es dem Buben: 'Du darfst damit spielen, Clemens. Aber sei vorsichtig mit dem Panzer.'" Der kleine Clemens war Kaiser Franz Josephs Lieblingsenkel, auch "Sonnenschein" genannt. Sein Enkel, Leopold Altenburg wiederum entschied sich ein Jahrhundert später in Deutschland, ein Buch über seine Vorfahren zu schreiben. Und das ausgerechnet, nachdem ihn seine Frau überredet hatte, das Musical "Elisabeth" anzuschauen.

Familien-Anekdoten statt historischer Abhandlung
Altenburg schrieb sein teils amüsantes, teils rührendes Buch nicht als Historiker, denn "das wäre vermessen", wie er im Café Central meinte. Stattdessen sind es liebevolle Anekdoten, zwar historisch recherchiert, aber vielleicht nicht immer ganz wahr, denn Leopold verließ sich auf die Quellen, die ihm zur Verfügung standen. Tanten, Onkel, Mutter und eben all jene, die dabei gewesen waren, davon gehört hatten und nach der langen Zeit ihre eigene Version der Erinnerung hatten.

Habsburger reagierten mit Lachen und der einen oder anderen Träne
Bei der Lesung sah man, gerade bei der älteren Generation, amüsierte Grinser, wenn Altenburg einen, vielleicht ein wenig schrulligen, Verwandten auf den Punkt gebracht hatte. An anderen Stellen gab's dafür auch das eine oder andere Kopfschütteln. Da erinnerte sich wohl die eine Seite der Familie ein bisschen anders als die andere. Doch was macht das schon, denn schon in der nächsten Szene traten einem Herren des Hochadels beim Wiederauflebenlassen der Erinnerung die Tränen der Rührung in die Augen. Es wäre ihm wohl nicht recht gewesen zu wissen, dass er dabei beobachtet wurde.

Leopold Altenburg gewährt in "Der Kaiser und sein Sonnenschein" Einblicke in die Geschichte seiner Familie, von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart, die man sonst nur verklärt von "Sissi"-Kitsch oder durch die Augen von Historikern sieht. Dass Prinzen auch auf der Baustelle anpacken mussten oder beim Walzertanzen versagen, bekommt man woanders nicht zu hören.

Sisi sagt man nicht
"Sisi" (wie man sie richtig schreiben würde), sagt man übrigens nicht. "Sag stets Kaiserin Elisabeth. Das gebietet der Respekt", erklärte Papa Peter seinem Leopold als Kind über die kaiserliche Ururgroßoma.

"Der Kaiser und sein Sonnenschein. Geschichten meines Großvaters Erzherzog Clemens und meines Vaters Prinz Peter" ist seit März im Handel. (Goldegg Verlag, ISBN 978-3-99060-110-5, 22 Euro, E-Book 9,99)

Leopold Altenburg liest am Montag, 25.3.2019 um 19 Uhr bis 20.30 Uhr aus seinem Buch. Thalia Wien - Mitte, Eintritt frei!

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