Kunst-Profi Gerald Matt schreibt jetzt in "Heute"

26. Februar 2016 03:45; Akt: 25.02.2016 22:31 Print

Peymann und Wien - eine Hassliebe

Theaterwien fiebert der Uraufführung des Peter-Handke- Stücks Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rande der Landstraße morgen am Burgtheater entgegen. Regie: Claus Peymann. Da treffen sich nicht nur Größen des Kulturbetriebes, sondern auch zwei langjährige Freunde. Inszenierte doch Claus Peymann bereits 1966 Handkes Publikumsbeschimpfung.

 (Bild: Helmut Graf)

(Bild: Helmut Graf)

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Theaterwien fiebert der Uraufführung des Peter-Handke- Stücks „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rande der Landstraße“ morgen am Burgtheater entgegen. Regie: Claus Peymann. Da treffen sich nicht nur Größen des Kulturbetriebes, sondern auch zwei langjährige Freunde. Inszenierte doch Claus Peymann bereits 1966 Handkes „Publikumsbeschimpfung“.

 


Das begründete seinen Ruf mit, ein kompromissloser und kontroversieller Regisseur, aber auch ein Entdecker und Förderer großer Schriftsteller zu sein. 1986 kam Peymann von Bochum an die Burg und sorgte 13 Jahre lang für frischen Wind im altehrwürdigen Haus. Der kämpferische Direktor brachte österreichische Autoren und Talente wie Thomas Bernhard, Peter Turrini, die spätere Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und natürlich Peter Handke auf die Bühne – und er holte auch grandiose Regisseure wie Peter Zadek, Giorgio Strehler und George Tabori. Gleichzeitig provozierte er wie kein anderer vor ihm durch die Öffnung der Burg für gesellschaftspolitische Anliegen das bürgerlich-konservative Wien. „Heldenplatz“ war der Theaterskandal der Zweiten Republik.

Thomas Bernhard hielt Österreich und seiner nationalsozialistischen Vergangenheit den Spiegel vor. Peymann sah sich jedoch nicht nur massiven medialen und politischen Angriffen ausgesetzt: Schauspieler wie Fritz Muliar oder Erika Pluhar weigerten sich, unter seiner Regie aufzutreten, und der Ensemblevertreter und spätere Staatssekretär Morak probte erfolglos den Aufstand. Doch die Zeit heilt alle Wunden, und so wurde Claus Peymann 2012 zum Ehrenmitglied der Burg ernannt. Dass er weder altersmilde noch kompromissbereit geworden ist, beweist er auch in den langen Jahren als Intendant des Berliner Ensembles. Den neuen Kultursenator Berlins beschimpfte er als „Fehlbesetzung des Jahrzehnts“. Mit Spannung darf Peter Handkes neuestes Stück, ein Lesedrama, in Wien erwartet werden. Ich werde Ihnen von der Aufführung berichten. Hoch lebe die Kunst.

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