Auftrag des Ex-Ministers

30. März 2018 15:41; Akt: 30.03.2018 16:08 Print

Theaterstück mit "bösem Flüchtling" an Schulen

Mit einem Theaterstück über einen "guten" und einen "bösen Flüchtling" wollte Ex-Innenminister Sobotka (ÖVP) Schüler über das Thema Flucht informieren.

Wie jetzt bekannt wurde ließ Ex-Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) ein Auftragstheaterstück anfertigen, mit dem Schüler über die Themen Asyl und Migration informiert werden sollen. (Bild: Sabine Hertel)

Wie jetzt bekannt wurde ließ Ex-Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) ein Auftragstheaterstück anfertigen, mit dem Schüler über die Themen Asyl und Migration informiert werden sollen. (Bild: Sabine Hertel)

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Wahrlich ungewöhnliche Wege ging Wolfgang Sobotka, als er während seiner Zeit als Innenminister ein Theaterstück für 11- bis 17-jährige in Auftrag geben ließ, mit dem er Schüler über das Thema Flucht informieren wollte. Das Stück war, wie jetzt durch die Recherchen der Radiosender FM4 und Ö1 bekannt wurde, auch tatsächlich 70 Mal an Schulen in Niederösterreich zu sehen gewesen und spaltet momentan die Gesellschaft. Während die einen in dem Stück ein realistisches Abbild der momentan herrschenden Zustände sehen, kritisieren andere die stereotypische Darstellung von Flüchtlingen und auch Österreichern in dem Stück.

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Grundlage des Theaterstücks: Ein guter und ein böser Asylant

Das fertige Stück nennt sich "Welt in Bewegung" und es handelt von zwei Asylwerbern, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Der politische Flüchtling, der in seiner Heimat verfolgt wurde, wird in dem Theaterstück zum gebildeten, höflichen und integrationswilligen Migranten hochstilisiert, während der andere Flüchtling als Wirtschaftsflüchtling charakterisiert wird, der lediglich aus Geldgier die Reise nach Europa antrat.

Als sich die Hoffnungen des Wirtschaftflüchtlings aber nicht erfüllen, gerät er in die Fänge des IS und landet schließlich im Gefängnis. Dieses Ende war aber dann doch anscheinend einigen Personen "zu heiß", weshalb auch ein alternatives Ende geschrieben wurde, in dem der Wirtschaftsflüchtling schließlich nach Afrika zurückkehrt. Der Regisseur, Edmund Emge, sprach mit Ö1 auch über die Intentionen Sobotkas, "der mittels eines Theaterstückes, Kinder und Jugendliche mit dem Thema Migration und Flüchtlingspolitik konfrontieren" wollte.

Kritiker sehen extreme Vereinfachung komplexer Sachverhalte

Die Intention des Stückes mag eine hehre gewesen sein, jedoch fehlt bei vielen das Verständnis für die sehr einseitige und simplifizierende Art, in der im Theaterstück komplexe Sachverhalte auf simple Schemen heruntergebrochen werden. Dies betreffe aber nicht nur die beiden Hauptfiguren des Stückes, die beiden Flüchtlinge, sondern auch Nebenfiguren wie zwei äußerst fremdenfeindliche alten Tanten, eine gutgläubige Jogalehrerin, die von den Flüchtlingen ausgebeutet wird oder der klischeehaften Darstellung eines quotengeilen Journalisten, die allesamt als plumpe Stereotypen dargestellt werden.

Innenministerium verteidigt klischeebehaftete Darstellung

Alexander Markovits wies diesen Klischeevorwurf mit einer interessanten Argumentationslinie zurück: "Wir müssen die Dinge schon vereinfachen, weil die Integration ist ein sehr komplexes Thema. Sie müssen die Botschaft einfach herunterbrechen. Das wurde auch gemacht, unter professioneller Begleitung." Außerdem seien bei den Aufführungen des Stückes auch immer Mitarbeiter des Ministerium vor Ort um auch eventuelle Fragen aus dem Publikum beantworten zu können. Markovits gestand aber gegenüber Ö1 ein, dass es sich hierbei um eine "relativ neue" Art der Politikvermittlung handle.

Zwischen 7.000 und 10.000 Schüler haben das Stück bereits gesehen

Inzwischen hat bereits eine große Anzahl an Schülerinnen und Schülern das Stück gesehen, konkret geht es um 7.000 bis 10.000 Kinder in Wien, der Steiermark, Niederösterreich und Salzburg, die zu Gratisbesuchen des Theaterstücks eingeladen worden seien. Die Reaktionen der Eltern seien dabei durchwegs positiv gewesen, erzählt Autor Edmund Enge, widerspricht damit aber gleichzeitig einer Lehrerin die gegenüber FM4 angab, dass dieses Theaterstück ihre jahrelange Integrationsarbeit zunichte machen würde.

Erste öffentliche Vorstellung abgesagt

Eigentlich hätte das Stück am Freitag Vormittag im Weltmuseum aufgeführt werden sollen. Unterdessen wurde die erste geplante öffentliche Vorstellung des Theaterstückes aber abgesagt. Das Museum möchte die Stückfassung und den Hintergrund noch einmal prüfen, bevor es das Theaterstück auch tatsächlich aufführt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alfred Gorbach am 30.03.2018 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welche Kritiker sind das

    Ah ja die Kritiker, wahrscheinlich sind das solche die 3 Frauen 10 Kinder und von 6.000 Euro Mindestsicherung leben müssen

  • Heimatland am 30.03.2018 17:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das Weltmuseum weltfremd?

    Das böse, böse Theaterstück, das die ach so netten Flüchtlinge in gut und böse teilt, wollte man im Weltmuseum aufführen? Einfach undenkbar, wo wir doch angeblich in EINER WELT mit nur GUTEN MENSCHEN leben! Und wenn es nach manchen ginge, in EINER WELT OHNE GRENZEN!

  • zimbo am 30.03.2018 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Warum kein realistisches Ende ?

    Vorlagen gibts genug.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Robert am 31.03.2018 22:54 Report Diesen Beitrag melden

    Das Stück ist untertrieben!

    Ich finde das Stück hat noch untertrieben... es verschleiert die drogen verkaufenden Schwarzafrikaner!

  • Heidemarie am 31.03.2018 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitige Darstellung

    Also wir haben dieses Theaterstück gesehen und waren begeistert. Allerdings gab es eine Vorbesprechung und eine Nachbesprechung mit anschließender Diskussion. Die SchülerInnen und LehrerInnen waren begeistert. Ohne Besprechungen wäre dieses Stück für die Kinder zu einseitig. Das sollte auch berücksichtigt werden.

  • Poidinger am 31.03.2018 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix neues

    Hatschi Bratschis Luftballon haben wir in den 70er bereits gekannt. Da gabs auch schon bärtige Männer aus dem Morgenland, mit diesen langen Säbeln zum Kopfabschneiden. Also nix Neues was der Minister da bringt. Obs gut ist - möge jeder selber beurteilen.

    • Der kleine Peter aus der Katzenstadt am 31.03.2018 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Poidinger

      :-) :-) stimm! ..bei mir gabs noch die 4 Daltons oder die 3 Stanisläuse mit Kulturauftrag!

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  • fine am 31.03.2018 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    schwarza/blau/blau/schwarz

    SOBOTKA in Aktion da muß man Erwartungen zurückschrauben.

  • Demokrit am 31.03.2018 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem ist ein anderes

    Echte Flüchtlinge suchen Schutz in einem sicheren Nachbarland. So wie wir 1956 fast 200000 Ungarn Flüchtlinge hilfsbereit und gerne aufgenommen haben. Die Menschen, die heute zu uns aus fernen, fremden Kulturen kommen sind alles keine echten Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention. Daher sollten wir sie sofort in ihre Heimatländer zurück verweisen. Wo wir doch sehen, dass der Grossteil gewalttätig ist und unsere Regeln und Gesetze ablehnt!