Wolfsblog von Kurt Kotrschal

08. Mai 2019 09:23; Akt: 21.05.2019 13:47 Print

Der Wolf ist zurück – sechs Wolfsfakten

Über 100 Jahre war der Wolf in Österreich ausgerottet, nun kehrt er zurück. Sind Wölfe gefährlich? Wie kann ein Miteinander funktionieren?

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Es gibt zurzeit drei Rudel in Österreich. Seit 2016 eines im Truppenübungsplatz Allentsteig (NÖ). Seit 2018 zwei weitere im Grenzgebiet zu Tschechien. Das macht samt Durchzüglern etwa : Ein Rudel besteht aus vier bis sechs Tieren. Wölfe bekämpfen rudelfremde Wölfe und regulieren sich so selber sehr effizient. Hat sich erstmal ein Rudel gebildet, verteidigt es sein Revier vor anderen Wölfen. Die Wolfsdichten bleiben daher gering, weil ein Rudel (4-6 Tiere) etwa 250 Quadratkilometer beansprucht. (Circa 35 Fußballfelder). Wolfsfreie Zonen sind weder gesetzlich möglich, noch biologisch sinnvoll oder praktikabel. Zwei repräsentative Umfragen von Herbst 2017 belegen, dass mehr als 70 % der Österreicher die Wiederkehr der Wölfe begrüßen, auch am Land. Wölfe sind durch die (FHH) Fauna-Flora-Habitat Richtlinie der EU geschützt. In Österreich sind sie als jagdbares Wild ganzjährig geschont. Seit 2012 gibt es übrigens einen Wolfsmanagementplan. Für Angst und Panik besteht daher kein Grund. Natürlich besteht auch weiterhin keine Gefahr beim Schwammerlsuchen oder beim Spazierengehen mit Hund, selbst in Wolfsterritorien. Auch die Kinder können weiterhin gefahrlos im Freien spielen. Dass heute von Wölfen eine sehr geringe Gefahr ausgeht, zeigt das Beispiel Deutschland mit der am schnellsten wachsenden Wolfspopulation der Welt, hunderten Wölfen und bislang keinen kritischen Vorfällen mit Menschen. Wölfe wurden nirgends in Europa ausgesetzt, auch nicht in Österreich; sie breiten sich selbständig und rasch aus, weil sie eine gute Nahrungsbasis vorfinden und weil die Vermehrungsrate hoch ist. Wölfe breiten sich generell rasch in die Fläche aus.

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(Text von Kurt Kotrschal; Wolfsexperte, Verhaltensforscher und Biologe.)

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Wölfe sind also wichtig genug für einen wöchentlichen Beitrag. Sollen wir uns über Wölfe freuen oder sie fürchten? Mehr als 70% der Österreicher begrüßen ihn als Bereicherung der heimischen Natur.

Bauern und Jäger sind allerdings nicht begeistert, teils zu Recht, teils aber auch, weil man wegen des „bösen Wolfs“ das eigene Wirtschaften nicht anpassen will.

Wir wollen möglichst objektiv informieren und freuen uns auf konstruktive Diskussionen. Den Anfang macht eine Vorstellung der wichtigsten Fakten. Kommende Woche möchte ich dann die am häufigsten gestellten Fragen beantworten: Sind Wölfe gefährlich? Was tue ich, wenn ich einem Wolf begegne?

Sechs Fakten zum Wolf finden Sie oben in der Bildergalerie – klicken Sie sich durch.

Schicken Sie Ihre Fragen zum Wolf an tiere@heute.at.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • lupo am 03.05.2019 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vom Wolf können wir noch viel lernen

    Der Wolf reguliert das komplette Ökosystem, lässt der Mensch ihm seinen Platz in der Natur, kommt der Wald das Wild und der Biber alle wieder back

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  • Elisabeth Ertl am 04.05.2019 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Dr.

    Ich möchte diesen Fakten an einigen Punkten widersprechen: Wolfsfakt 2: 1 km² = 100 große Fußballfelder; 250 km² wären 25.000 Fußballfelder; 32 Fußballfelder wären nur 0,32 km². Wie groß ist ein Rudelterritorium wirklich? Wären wolfsfreie Territorien nicht praktikabel, so hätte die Ausrottung des Wolfes bei uns nie gelingen können. Territorien von der Größe der gesamten Alpen könnten sehr wohl wolfsfrei gehalten werden, kleine Territorien nicht. Wolfsfakt 4: Die FFH - Richtlinie der EU erlaubt sehr wohl wolfsfreie Zonen. Ganz Lappland darf wolfsfrei gehalten werden, um die Rentierhaltung der indigenen Samen nicht zu gefährden. Die Alpen dürften laut EU-Gesetz zum Schutz der Almwirtschaft ebenfalls wolfsfrei gehalten werden, wenn die Regierungen der betroffenen Länder sich darin einig wären. Die Regierungen befürworten aber die Rückkehr des Wolfes in die Alpen, weil die Bevölkerungsmehrheiten dieser Länder das so wünschen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Elisabeth Ertl am 04.05.2019 23:16 Report Diesen Beitrag melden

    Dr.

    Ich möchte diesen Fakten an einigen Punkten widersprechen: Wolfsfakt 2: 1 km² = 100 große Fußballfelder; 250 km² wären 25.000 Fußballfelder; 32 Fußballfelder wären nur 0,32 km². Wie groß ist ein Rudelterritorium wirklich? Wären wolfsfreie Territorien nicht praktikabel, so hätte die Ausrottung des Wolfes bei uns nie gelingen können. Territorien von der Größe der gesamten Alpen könnten sehr wohl wolfsfrei gehalten werden, kleine Territorien nicht. Wolfsfakt 4: Die FFH - Richtlinie der EU erlaubt sehr wohl wolfsfreie Zonen. Ganz Lappland darf wolfsfrei gehalten werden, um die Rentierhaltung der indigenen Samen nicht zu gefährden. Die Alpen dürften laut EU-Gesetz zum Schutz der Almwirtschaft ebenfalls wolfsfrei gehalten werden, wenn die Regierungen der betroffenen Länder sich darin einig wären. Die Regierungen befürworten aber die Rückkehr des Wolfes in die Alpen, weil die Bevölkerungsmehrheiten dieser Länder das so wünschen.

  • lupo am 03.05.2019 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vom Wolf können wir noch viel lernen

    Der Wolf reguliert das komplette Ökosystem, lässt der Mensch ihm seinen Platz in der Natur, kommt der Wald das Wild und der Biber alle wieder back

    • Preibisch am 08.05.2019 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @lupo

      Und wir ziehen wider in den wald

    • Mm am 14.05.2019 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      @lupo Wölfe

      Es gibt ein Sprichwort : wo der Wolf jagt , wächst der Wald. Das will besagen, dass der Wolf das Rotwild jagt, welches die Bäume (Wald) durch Verbisse zerstört. Wenn sie das Wesen des Wolfes kennenlernen und verstehen wollen, dann lesen sie unbedingt das Buch von Elli H. Radinger Die Weisheit der Wölfe. Eine anerkannte Wolfsexpertin, die auch viele Jahre im Yellowstone Nationalpark verbrachte, die dortige Wiederansiedlung der Wölfe beobachtete. Wölfe sind Teil der Natur, sie sind sozial weil sie füreinander sorgen, intelligent, besitzen Fähigkeiten wovon ein Mensch nur träumen kann. Lesen Sie

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