Vater von Julen

03. Februar 2019 10:01; Akt: 03.02.2019 10:09 Print

"Ich verfluche mich selbst, ich verfluche diesen Tag"

Eine Woche ist seit Julens Bergung aus dem Brunnenschacht vergangen. Die Eltern versuchen nach vorne zu blicken, doch der Schmerz überschattet alles.

Bildstrecke im Grossformat »
Musste sein zweites Kind zu Grabe tragen: José Rosellò an der Beerdigung seines zweijährigen Sohnes Julen. Victoria Garcia (l.), die Mutter von Julen, umringt von Polizei und Rettungskräften am frühen Samstagmorgen - kurz nach Bekanntwerden von Julens Tod. Familienangehörige von Julen in Totalán. Viele Menschen haben sich in der Nähe des Hauses eingefunden, nachdem der kleine Junge am frühen Samstagmorgen tot gefunden worden war. Ein Helikopter umkreist die Unglücksstelle. Am Abend wurde eine Mahnwache für den Buben abgehalten. Yulens Eltern beten, dass ihr Kind noch lebend gerettet werden kann. Mit diesen gewaltigen Bohrköpfen versuchen die Einsatzkräfte einen weiteren Schacht zu graben, um den kleinen Julen (2) zu retten. Nur rund drei Meter pro Stunde kommen die Bohrer im Erdreich vorwärts. Ein großer Felsbrocken verzögert die Grabungsarbeiten. Der neue Schacht muss zudem befestigt werden. Von seinem Boden sollen sich Bergarbeiter vorsichtig per Hand zur vermuteten Position des verschütteten Kindes vorgraben. Die maschinellen Grabungsarbeiten sollen bis Sonntagnachmittag (20. Jänner) fertiggestellt werden. Der staatlich beauftragte Ziviltechniker Angel Garcia erklärt Journalisten die Lage. Das ist das Loch in dem der kleine Julen (2) seit Sonntag gefangen ist. Seit Sonntag, 13. Jänner 2019, kämpfen mehr als einhundert Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettung in der südspanischen Provinz Malaga um das Leben des kleinen Julen. Der zweijährige Bub war beim Herumtollen in einen 110 Meter tiefen Brunnenschacht gefallen, als er mit seiner Familie im Gemeindegebiet von Tortala unterwegs war. Bei seinem Sturz stieß Julen noch einen gellenden Schrei aus, doch seitdem hat man nichts mehr von dem Buben gehört, denn der Schacht ... ... ist in einer Tiefe von rund 78 Metern durch nachgerutschten Sand blockiert. Dort wurden auch ein Häferl und ein Sackerl voller Süßigkeiten gefunden, die der Bub bei sich hatte. Die Rettung gestaltet sich als extrem schwierig: Das Bohrloch ... ... ist zu eng um einen Erwachsenen hinabzulassen und die Wände sind nicht befestigt. Jederzeit könnten weitere Erdmassen nachrutschen. Jetzt soll parallel ein weiterer Schacht gegraben werden, wie Polizeisprecher Bernardo Molto (im Bild) erklärt. Gleichzeitig versucht die Feuerwehr Erdreich rund um den Unglückschacht abzugraben. Minenarbeiter aus Asturien sind an der Suche beteiligt. Über 100 Retter sind im Dauereinsatz. Der Vater José in Tränen. Die Eltern sind verzweifelt: Bereits 2017 verloren sie einen drei Jahre alten Sohn. Auch Menschen, die die Familie nicht kennen, brechen in Tränen aus. Die ganze Region fiebert mit - und hofft auf Rettung. Dazu wurden Fachleute aus Nordspanien eingeflogen. Die Einsatzkräfte bohren seit Tagen an einem Tunnel quer zum Brunnen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Tragödie um den zweijährigen Julen, der im spanischen Malaga in einen Brunnen fiel, hat die Welt in Atem gehalten. Nun spricht sein Vater José Rosellò in der spanischen Zeitung "Diario Sur" über die schmerzhafte Zeit, die er und seine Frau durchleben.

"Im Moment bewegen wir uns zwischen den Häusern von Freunden hin und her und kehren möglichst spät in unser Heim zurück. Wir versuchen uns abzulenken, doch jedes Mal wenn ich die Augen schließe, sehe ich den Brunnen", so Rosellò. Zuhause liegen Spielsachen herum, die ihn schmerzlich an seinen Sohn erinnern. "Ich verfluche mich selbst, ich verfluche diesen Tag. Ich kann nicht mehr aufs Land fahren, ich kann keinen Teller Paella mehr genießen."

Trotz allem sind Julens Eltern "unendlich dankbar" für den unermüdlichen Einsatz, den Polizei, Bergarbeiter, Feuerwehrleute, Freunde und Anwohner geleistet haben.

Vier Jahre Haft drohen

Der Brunnenschacht, der Julen zum Verhängnis wurde, ist nach aktuellem Kenntnisstand illegal errichtet worden. Die laufenden Ermittlungen richten sich gegen den Farm Besitzer David sowie den Brunnenbauer Antonio Sánchez, wie die Zeitung "El Mundo" schreibt.

Laut Bericht könnte das Vergehen der beiden Männer mit einer Strafe von vier Jahren Gefängnis geahndet werden. Erste Aussagen wurden bereits entgegengenommen. Gegenüber der Zeitung "Efe" wehrte sich Antonio Sanchez gegen die Vorwürfe, er habe den Schacht nicht verschlossen. "Jemand anderes muss ihn nachträglich wieder geöffnet haben", so Sanchez.

Neben Bruder beerdigt

Julen ist am 13. Jänner in den Brunnen gefallen und wurde 13 Tage später tot geborgen. Nach ersten Erkenntnissen ist das Kind 71 Meter im freien Fall in das enge Bohrloch gestürzt, bis sein Körper auf eine Erdschicht getroffen ist. Demnach ist er bereits am Unglückstag an einem schweren Schädel-Hirntrauma gestorben.

Am 28. Jänner wurde Julen nach Angaben aus Familienkreisen in Malaga neben seinem Bruder, der im Jahr 2017 an einem Herzfehler starb, beerdigt.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:


Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(kat)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PeterKarl am 03.02.2019 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe nur..

    Spanien sichert nach diesem traurigen Unfall die restlichen 999.999 illegale Löcher ausreichend ab.

  • katja am 03.02.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    ein großes ?

    was mich von anfang an sehr irritiert hat, war den eltern nicht bekannt, dass es dort brunnenbohrungen gegeben hat?

  • angelina am 03.02.2019 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    sicherheit

    ich hoffe, man hat etwas daraus gelernt... sind alle bohrlöcher zu und gesichert? die schuldigen büssen und das leben geht weiter.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Karma am 03.02.2019 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Trauriges Schicksal

    An alle, die die Schuld bei den Eltern suchen. Was wirklich passiert ist, weiß keiner. Trotzdem soll man immer von der Unschuld der Menschen ausgehen und nicht immer gleich loslästern. Es kann, so traurig es ist, überall etwas passieren. Das nennt man Schicksal. Und manchen werden davon leider nicht verschont. Darf man ein Kind noch schaukeln lassen? Es könnte runterfallen und sich den Kopf verletzen. Dürfen Kinder noch alleine zur Schule gehen? Sie könnten entführt werden. Sollen wir mit Kindern wandern gehen? Sie könnten stolpern oder abrutschen. Meistens passen Schutzengel auf.

    • Irre Leute am 03.02.2019 17:16 Report Diesen Beitrag melden

      Aufsichtspflicht

      Die Eltern sollen angezeigt werden und vor einem Richter /-in stehen. Die Schuld soll geklärt werden. Andere müssen sich auf verantworten, wenn sie die Aufsichtspflicht verletzten, ob Eltern/Lehrer/-innen.

    • Censorship am 04.02.2019 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Karma

      Schon klar, dass gewisse "Eltern" nun nach Ausreden suchen, denn man kann ja ein zwei jähriges Kind schon mal alleine durch die "Gschettn" ziehen lassen, so wie man sein Kind alleine im Apartment zurücklassen kann, weil man einen saufen will (Madeleine McCann)... Also bastelt man schon mit absurden Vergleichen ein Alibi, eine Entschuldigung...

    einklappen einklappen
  • katja am 03.02.2019 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    ein großes ?

    was mich von anfang an sehr irritiert hat, war den eltern nicht bekannt, dass es dort brunnenbohrungen gegeben hat?

  • xyxy am 03.02.2019 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern

    SIND Nicht die Eltern an dem Unglück schuld? Hier würde die Aufsichtspflicht stark vernachlässigt..Vielleicht war es auch Absicht.. Möglicherweise will man hier auch noch Schmerzensgeld rausholen.. Traurig das das so tragisch endet

  • PeterKarl am 03.02.2019 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich hoffe nur..

    Spanien sichert nach diesem traurigen Unfall die restlichen 999.999 illegale Löcher ausreichend ab.

  • angelina am 03.02.2019 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    sicherheit

    ich hoffe, man hat etwas daraus gelernt... sind alle bohrlöcher zu und gesichert? die schuldigen büssen und das leben geht weiter.