Im Schwarzen Meer

23. Oktober 2018 09:25; Akt: 23.10.2018 11:51 Print

2.400 Jahre: Ältestes Schiff der Welt entdeckt

von Jörg Michner - Forscher stießen vor der Küste Bulgariens auf eine hervorragend erhaltene griechische Trireme, die aus der Zeit Odysseus stammt.

Das 2.400 Jahre alte Wrack einer griechischen Trireme auf dem Grund des Schwarzen Meers. (Bild: picturedesk.com/AFP/Black Sea MAP/EEF Expeditions)

Das 2.400 Jahre alte Wrack einer griechischen Trireme auf dem Grund des Schwarzen Meers. (Bild: picturedesk.com/AFP/Black Sea MAP/EEF Expeditions)

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Ein britisches Forscherteam machte rund 80 Kilometer vor der bulgarischen Küste mit einem ferngesteuerten Mini-U-Boot einen sensationellen Fund: Ein fast vollständig intaktes Wrack einer griechischen Trireme. Sie ist damit das älteste erhaltene Schiff der Welt.

Die 23 Meter lange Trireme liegt in 2,09 Kilometer Tiefe; da im Schwarzen Meer ab rund 150 Meter der Sauerstoff fehlt, blieb das Holz erhalten ohne von Meeresorganismen zersetzt zu werden.

"Es gibt nur ganz wenige Teile von Schiffen dieses Alters und bisher kein derartiges Schiff aus der griechischen Welt," erklärte John Adams, Professor für Archäologie an der Universität Southampton und Leiter des Black Sea Maritime Archaeological Project, das den Fund machte.

Sogar der Mast, das Steuerruder und Bänke, auf denen die Ruderer saßen sind erhalten. Die Besatzung der Trireme wird auf 15-25 Mann geschätzt.

Antike Kunst bestätigt
Was den Fund noch interessanter macht, ist die Bestätigung der Darstellungen antiker griechischer Maler. Bis jetzt war unklar, ob die Abbildungen von Triremen auf Vasen akkurat waren oder unter künstlerischer Freiheit geschehen sind.

Eine der berühmtesten Darstellungen einer solchen Trireme geht auf den sogenannten Sirenenmaler zurück. Er hielt fest, wie Odysseus in seiner Sage an den Mast seines Schiffes gefesselt war, um den Gesängen der Sirenen zu lauschen, während seine Besatzung sich die Ohren mit Wachs versiegelt hatte. Denn in der griechischen Mythologie trieben die singenden Sirenen Seeleute in den Wahnsinn und lockten sie an, bis sie mit ihren Schiffen in felsigem Gewässer zerschellten und ertranken.

"Wir haben jetzt den archäologischen Beweis, dass so ein Schiff sehr detailliert gemalt wurde. Sogar die Form des Ruders stimmt. Der Künstler musste sehr vertraut mit Schiffen gewesen sein", sagt Adams.

Basierend auf den Malereien baute die griechische Marine vor einigen Jahren sogar eine seetaugliche Trireme nach – ein Video davon gibt es hier.

Reihenweise beeindruckende Funde
Das Black Sea Maritime Archaeological Project hat in den vergangenen drei Jahren 67 Schiffswracks am Grund des Schwarzen Meers gefunden. Darunter waren eine römische Galeere aus dem Jahr 200 vor Christus, in dem noch verschlossene Amphoren lagen. Auch 1.200 Jahre byzantinische Wracks sind darunter, aber auch eine mittelalterliches italienischen Schiff sowie mehrere ottomanische Schiffe aus dem 16.-18. Jahrhundert. Sogar eine kleine Flotte kossakischer Plünderschiffe aus dem 17. Jahrhundert wurde entdeckt.

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