Barcelona nahm sie auf

06. Oktober 2017 15:42; Akt: 06.10.2017 16:48 Print

Crew von Identitären-Schiff mittellos gestrandet

Die rechtsextremen "Identitären" hatten im Sommer ein Schiff gechartert um die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer zu verhindern.

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Mit großen Worten hatten Rechtsextreme aus Deutschland, Frankreich und Italien im Sommer angekündigt, Seenotretter im Mittelmeer blockieren zu wollen. "Defend Europe" nannten sie ihre Aktion, die sie über Crowdfunding finanzierten.

Das eigens dafür gecharterte Schiff "C-Star" durfte nun aus humanitären Gründen in Barcelona anlegen. Die rechtsextremen Aktivisten sind längst nicht mehr an Bord, dafür eine mittellose Crew aus Sri Lanka in schlechtem gesundheitlichen Zustand.

Crew ohne Geld, Treibstoff, Essen und Wasser

Laut dem Roten Kreuz wurde die Crew nicht bezahlt und hatte kein Geld, um Treibstoff, Essen oder Wasser zu kaufen, berichtet die deutsche Tageszeitung "taz". Deshalb durfte das Schiff aus humanitären Gründen Anfang Oktober in Barcelona anlegen, die Besatzung wird seitdem vom Roten Kreuz versorgt.

Die Crewmitglieder seien erschöpft und hätten den Wunsch geäußert an Land zu gehen, um heimzukehren. Die internationalen Transportarbeiter-Gewerkschaft ITF betreut die insgesamt acht Besatzungsmitglieder.

Gewerkschaft: "Eine Farce"

Ein Sprecher der ITF kritisierte die Rechtsextremen: "Diese sogenannte Mission begann als Farce, lief wie eine Farce ab und nun ist sie als Farce geendet." Die rechten Aktivisten hätten die Crew im Stich gelassen, die nun von den Organisationen versorgt würden, die "Defend Europe" kritisieren wollte.

Identitären-Chef: "Mainstream-Medien sind schuld"

Martin Sellner, Chef der österreichischen "Identitären", widerspricht dem auf Twitter: "Wir haben sie nicht im Stich gelassen. Wir haben nach Ende unserer bezahlten Charter das Schiff verlassen." Die Schuld an dem Fiasko gibt er den "Mainstream-Medien" und fragt etwas beleidigt: "Hätten wir ihnen zuliebe an Bord bleiben sollen um uns weiter boykottieren zu lassen?"

Möglicherweise hat auch der Schiffsbesitzer das bezahlte Geld nicht an die Crew weitergeleitet. Recherchen des antirassistischen Portals "Hope Not Hate" zufolge, wurde der Schiffsbesitzer Sven Tomas Egerstrom 2002 in Schweden wegen Betrugs verurteilt und verbrachte zwei Jahre in Haft.

Fiasko in mehreren Teilen

Die "Mission" der "Identitären" stellte sich von Anfang an als Fiasko heraus. Der Beginn verzögerte sich bereits in Zypern, weil der Kapitän des gecharterten Schiffes "C-Star" wegen Menschenschmuggel festgenommen wurde.

Endlich auf See musste die "C-Star" einen Notruf wegen eines technischen Gebrechens absenden. Ausgerechnet die ehrenamtlichen Seenotretter, die die Rechtsextremen blockieren wollten, kamen ihnen zu Hilfe.

Zuletzt verweigerten die libyschen Behörden der "C-Star" die Erlaubnis anzulegen. Nach knapp einer Woche gingen die "Identitären" auch schon wieder an Land. Die rechtsextremen Aktivisten feiern ihre "Mission" trotzdem als "vollen Erfolg".

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ingrid am 06.10.2017 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zufall

    Und nach der C-Star Aktion ist die Mittelmeerroute plötzlich geschlossen und NGO-Schiffe in Italien konfisziert. Seltsamer Zufall!

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  • Zillerthaler Burkinijäger am 06.10.2017 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Aktion

    Durch diesen Einsatz wurde erst der Stein ins Rollen gebracht und der Scheinwerfer auf die Machenschaften der diversen NGOs gerichtet.

  • silver. am 06.10.2017 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Naivität oder bewusste Manipulation?

    Hier werden, absichtlich oder nicht, Phrasen verwendet wie "Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer" oder "Seenotretter im Mittelmeer blockieren", die man so nicht unkommentiert stehen lassen kann. Liebe Freunde, lasst es sein. Es glauben immer weniger Menschen in Europa an diese G'schichterl. Immer mehr finden heraus, dass hier ein legaler Menschenschmuggel stattgefunden hat und keiner dieser kriminellen NGOs dafür bestraft wurde, obwohl ihre Schiffe die libyschen "Geretten" nicht zu einem libyischen Hafen brachten sondern nach Italien. Eine kleine Gruppe hat dagegen ein Zeichen gesetzt.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Pferdetaxi am 15.10.2017 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer chartert, zahlt üblicher Weise im Voraus!

    Und nein, als "Passagier" eines gecharterten Fahrzeugs, sei es Schiff, Flugzeug, Autobus .... ist man nicht für die Besatzung zuständig! Der Versuch den Rechten das Schicksal der Schiffsbesatzung in die Schuhe zu schieben, ist als von Linken gestreute Hetze zu sehen....

  • Aha so am 06.10.2017 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    läuft der Hase..

    Das heisst dann rechtzeitig "Nach der Wahl" ist die MittelMeer Route wieder "frei" ? ;)

  • silver. am 06.10.2017 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Naivität oder bewusste Manipulation?

    Hier werden, absichtlich oder nicht, Phrasen verwendet wie "Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer" oder "Seenotretter im Mittelmeer blockieren", die man so nicht unkommentiert stehen lassen kann. Liebe Freunde, lasst es sein. Es glauben immer weniger Menschen in Europa an diese G'schichterl. Immer mehr finden heraus, dass hier ein legaler Menschenschmuggel stattgefunden hat und keiner dieser kriminellen NGOs dafür bestraft wurde, obwohl ihre Schiffe die libyschen "Geretten" nicht zu einem libyischen Hafen brachten sondern nach Italien. Eine kleine Gruppe hat dagegen ein Zeichen gesetzt.

  • Zillerthaler Burkinijäger am 06.10.2017 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Aktion

    Durch diesen Einsatz wurde erst der Stein ins Rollen gebracht und der Scheinwerfer auf die Machenschaften der diversen NGOs gerichtet.

  • Ingrid am 06.10.2017 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zufall

    Und nach der C-Star Aktion ist die Mittelmeerroute plötzlich geschlossen und NGO-Schiffe in Italien konfisziert. Seltsamer Zufall!

    • Manolo am 06.10.2017 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfe

      Schande. Wir sollten ein Spendenkonto eröffnen. Wir sollten sie mehr finanzieren. Einer für Alle und Alle für einen Einen

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