Broschüre für Iran-Reise

08. Juni 2016 14:40; Akt: 15.06.2016 03:41 Print

Deutsches Ministerium verschleiert Frauen auf Fotos

Eine deutsche Delegation rund um das sächsische Wirtschaftsministerium druckte für eine Iran-Reise eine Broschüre in der alle weiblichen Mitarbeiter Kopftücher tragen. Frauenrechtler sind empört und sprechen von vorauseilendem Gehorsam.

 (Bild: Wirtschaftsministerium Sachsen)

(Bild: Wirtschaftsministerium Sachsen)

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Anbiederung oder Höflichkeit? Eine deutsche Delegation rund um das sächsische Wirtschaftsministerium druckte für eine Iran-Reise eine Broschüre, in der alle weiblichen Mitarbeiter Kopftücher tragen. Frauenrechtler sind empört und sprechen von vorauseilendem Gehorsam.


Zunächst erklärte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), man sei "pragmatisch" gewesen und habe einfach die Fotos der Visa-Anträge für die Einreise in den Iran wiederverwendet. Doch die ebenfalls mitgereiste Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern gab dann gegenüber er Bild-Zeitung zu, dass die Bilder bewusst ausgewählt wurden, "um die Gepflogenheiten des Gastlandes zu respektieren". Dulig ruderte daraufhin zurück und sprach dann auf einer Pressekonferenz von einem "Wandel durch Annäherung".

Heftige Kritik

Die Empörung von allen Seiten ist aber riesig. Die Sprecherin der irankritischen Bürgerrechtsbewegung "Stop the Bomb", Ulrike Becker, sprach von "vorauseilendem Gehorsam". Die iranische Regierung bewege sich keinen Millimeter, während sich die sächsische Landesregierung verbiege.

"Ein Bärendienst für die Frauen im Iran. Niemand verlangt dort solche Bilder", kritisierte Thomas Feist (CDU), Vize-Chef der Deutsch-Iranischen Parlamentariergruppe. "Die Grenze der Anbiederung ist überschritten", stimmte die Gleichstellungssprecherin der Linken, Sarah Buddeberg, zu.

Pikant: Offenbar wurden die Kopftuchfotos ohne Zustimmung der Frauen verwendet: "Mich hat niemand um Erlaubnis gefragt", sagte die Dresdner Unternehmerin Gabriele Schwarz, die mitgereist war, zur Bild-Zeitung.

"Gesetz, nicht Kultur"

Auch die iranische Journalistin Masih Alinejad lehnt die Argumentation der Delegation ("Gepflogenheiten des Gastlandes") ab. Sie hatte die Facebook-Seite "My stealthy Freedom" gegründet, auf der sich Iranerinnen mutig ohne Kopftuch zeigen. "Der Kopftuchzwang ist ein diskriminierendes Gesetz und nicht die Kultur der Iraner. Er zwingt Mädchen ab sieben Jahren und alle Frauen, muslimisch und nicht-muslimisch, unter den Schleier", erklärt sie.

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