USA

31. Juli 2018 11:02; Akt: 31.07.2018 13:13 Print

Polizist tötet Mädl, Vater wegen Totschlag verurteilt

von Jörg Michner - Ein Polizist erschießt unabsichtlich ein Mädchen; jetzt wurde dem Vater vor Gericht dank eines seltenen Gesetzes die Schuld dafür gegeben.

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Der Tod der 12-jährigen passierte unter besonders unglücklichen Umständen – allerdings hervorgerufen durch ihren Vater, urteilten die Geschworenen in Perry County, US-Bundesstaat Pennsylvania.

Ein Polizist hatte Donald Meyer Jr. (60) im Jahr 2016 eine Räumungsklage zugestellt. An der Haustür bedrohte Meyer den Gesetzeshüter mit einem geladenen Gewehr, richtete es auf ihn. Der Polizist zog seine Pistole und schoss dem Mieter in den Arm; die Kugel durchschlug ihn und traf seine Tochter Ciara, die hinter ihm gestanden war.

Die Liegenschaftsverwalterin Ashley Hill war bei dem Vorfall ebenfalls anwesend, filmte alles mit ihrem Handy mit. "Ciara sagte ständig 'Papa, hör auf, Papa hör auf'", erzählte sie weinend vor Gericht.

Eigener Strafbestand
Staatsanwalt Andrew Bender erklärte den Geschworenen: "Eltern sollten ihre Kinder beschützen, nicht sie in Gefahr bringen." Meyer sei daher für den Tod seiner Tochter verantwortlich.

Nach zwei Stunden Beratung stimmten die Geschworenen zu: Sie verurteilten Meyer wegen "Mord dritten Grades", eine Form des Totschlags, die nur in drei US-Bundesstaaten existiert. "Mord ersten Grades" entspricht einer Tötung mit Vorsatz, also dem Strafbestand des Mordes in Österreich. "Mord zweiten Grades" ist hierzulande Totschlag, doch der "dritte Grad" wird nur in Pennsylvania, Florida und Minnesota angewandt.

"Mord dritten Grades" umfasst alle Fälle von Totschlag, die nicht im Zusammenhang mit anderen Straftaten stehen (etwa Raub oder Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit), also etwa durch unachtsames oder nachlässiges Verhalten wie in diesem Fall. Die Höchststrafe dafür beträgt 40 Jahre Haft.

Angehörige zufrieden mit Urteil
Da Meyer noch wegen einer Reihe anderer Vergehen angeklagt ist, wird sein Strafmaß erst später bekannt gegeben. Denn anders als in Österreich werden für die Länge der Haftstrafen die Strafzeiten aller einzelnen Verurteilungen zusammengezählt.

Ciara Verwandte zeigten sich nach dem Urteil erleichtert: Meyer habe jahrelang seine Ehefrau Sherry geschlagen und psychisch fertig gemacht, erzählt Ciaras Onkel Jason Gehman Reportern nach der Verurteilung: "Leider haben wir Ciara verloren aber konnten so wenigstens Sherry retten. Wir reden heute noch über [Ciara], eigentlich jeden Tag, und heute ist ein guter Tag für sie."

"Wir haben Gerechtigkeit bekommen und das erlaubt mir, mit meinem Leben weiter zu machen", sagte eine Ciara immer sichtlich gezeichnete Mutter Sherry.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ChrisW am 31.07.2018 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um das Mädchen

    Ich finde, das Schlimmste an der Geschichte ist, daß es das Mädchen getroffen hat. Gehört leider zu den unverständlichen Ereignissen auf der Welt. Welches Gesetz das auch immer erklären mag mit "Mord dritten Grades" oder ähnlich, der Vater ist natürlich schuld, denn niemand kann auf einen Polizisten eine Waffe richten, ohne damit rechnen zu können, daß dieser dann von seiner Gebrauch macht. Wenn der Vater lt. den Zeugen gewalttätig war, wundert mich das Verhalten zwar nicht. Aber wie schon gesagt, die Ungerechtigkeit zeigt sich hier am Tod des Mädchens.....

  • silver. am 31.07.2018 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Sitten

    Ich denke wir wissen alle, wie so etwas in Österreich ausgegangen wäre.

  • 43fdc am 31.07.2018 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ppolilpo

    Da hätt jeder Polizist anders reagieren müssen. Einfach "ergeben" und weggehen. Dann mit ganzer Mannschaft Haus umzingeln. Dann hätt er wohl schon aufgegeben

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • silver. am 31.07.2018 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Sitten

    Ich denke wir wissen alle, wie so etwas in Österreich ausgegangen wäre.

  • ChrisW am 31.07.2018 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schade um das Mädchen

    Ich finde, das Schlimmste an der Geschichte ist, daß es das Mädchen getroffen hat. Gehört leider zu den unverständlichen Ereignissen auf der Welt. Welches Gesetz das auch immer erklären mag mit "Mord dritten Grades" oder ähnlich, der Vater ist natürlich schuld, denn niemand kann auf einen Polizisten eine Waffe richten, ohne damit rechnen zu können, daß dieser dann von seiner Gebrauch macht. Wenn der Vater lt. den Zeugen gewalttätig war, wundert mich das Verhalten zwar nicht. Aber wie schon gesagt, die Ungerechtigkeit zeigt sich hier am Tod des Mädchens.....

  • 43fdc am 31.07.2018 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ppolilpo

    Da hätt jeder Polizist anders reagieren müssen. Einfach "ergeben" und weggehen. Dann mit ganzer Mannschaft Haus umzingeln. Dann hätt er wohl schon aufgegeben

    • ehklar am 31.07.2018 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @43fdc

      Das wäre bei einem Bewaffneten der aufgebracht ist und sieht, dass er sich in eine ausweglose Situation gebracht hat, das Schlechteste! Dann hätte er vielleicht die ganze Familie umgebracht und der Polizist wäre der Blöde gewesen. Einen Aggressor ausschalten ist das Beste, leider gibt es immer ein paar Unwägbarkeiten. Armes Mädchen!

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