Maschinen abgedreht

20. Mai 2019 16:33; Akt: 21.05.2019 16:10 Print

Ärzte lassen Komapatient Vincent (42) sterben

Seit 11 Jahren liegt der Franzose Vincent Lambert im Wachkoma. Am Montag haben die Ärzte der Uniklinik in Reims die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet.

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Der bekannteste Komapatient Frankreichs soll sterben: Nach einem jahrelangen Rechtsstreit haben die Ärzte der Uniklinik im französischen Reims am Montag die lebenserhaltenden Maßnahmen für den 42-jährigen Vincent Lambert beendet. Dies teilte der Anwalt der Familie mit.

Während seine Ehefrau Rachel und sechs seiner Geschwister schon seit Jahren wünschten, dass die künstliche Ernährung eingestellt wird, kämpften seine Eltern Viviane und Pierre und zwei weitere Geschwister darum, ihn am Leben zu halten. Dafür zogen sie durch alle Instanzen – allerdings erfolglos.

Minimales Bewusstsein

Vincent Lambert liegt seit einem Motorradunfall vor mehr als zehn Jahren in einer Art Wachkoma. Die Ärzte sprechen von minimalem Bewusstsein. Lamberts Augen reagieren reflexartig auf Lärm, bleiben aber meist ausdruckslos. Der 42-Jährige ist darüber hinaus querschnittsgelähmt.

Die Mediziner schlossen aus, dass sich Lamberts Gesundheitszustand noch wesentlich verbessern wird. Auch sie sprachen sich, wie seine Ehefrau, für ein Abschalten der Geräte aus. Nun stellten sie am Montag die künstliche Ernährung ein. Lambert dürfte in einigen Tagen sterben.

Anwalt der Eltern spricht von "Skandal"

"Das ist eine Schande, ein absoluter Skandal", sagte der Anwalt der Eltern, Jean Paillot. Lamberts Mutter und sein Vater hätten sich noch nicht einmal mit einem Kuss von ihrem Sohn verabschieden können.

Die Eltern des früheren Krankenpflegers sind überzeugte Katholiken und hatten am Wochenende noch einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Leben ihres Sohnes zu retten. In einem offenen Brief baten sie Präsident Emmanuel Macron persönlich um Unterstützung. Zuvor waren sie in einem sechsjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Instanzen Frankreichs und des Europarats gescheitert.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und der französische Staatsrat als oberstes Verwaltungsgericht hatten im Frühjahr im Sinne der Mediziner entschieden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wolke am 12.05.2019 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schrecklich

    Er tut mir unendlich leid. Der blick.. waah... wenn man einen tag im bett liegt und nichts machen kann ist es hart. Aber elf jahre so!!! Schrecklich! Wünsch ich niemanden.

  • Thomas am 12.05.2019 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig

    Ja das ist eine schwierige Entscheidung, einerseits will man ihn noch sehen und nicht sterben lassen, andererseits ein Leben lang nur noch ans Bett angewiesen zu sein und nichts mehr machen zu können?

  • Herr Schierl am 12.05.2019 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Vincent

    manchmal ist das Schicksal tatsächlich ein mieser Verräter! Alles Gute dir & hoffentlich BALDIGST gute Besserung.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Tamara am 21.05.2019 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echt traurig

    Ich sehe das ja aus zwei Sichten, wenn du einen Menschen über alles liebst, dann willst du ihm nicht gehen lassen solange sein Herz schlägt. Andererseits ist es so kein Leben was er hat. So eine Entscheidung zwischen Leben und Tod will ich gar nicht entscheiden müssen. Ich kann beide Seiten verstehen. Traurig das man über das leben eines Menschens streiten muss.

    • Susi am 21.05.2019 23:40 Report Diesen Beitrag melden

      Verständnis

      Seh ich auch so, ich verstehe die Eltern, die nicht loslassen können/wollen. Aber ich verstehe auch die andere Seite, die sagt, das ist kein Leben. Schrecklich so eine Situation, das wünscht man niemanden. Was wenn er doch wieder zu sich kommt? Was wenn nicht? Schrecklich

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  • Natalie am 21.05.2019 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Ich arbeitet selbst in einem Spital, für die Angehörigen is es die Hoffnung aber für die Patienten nur ein hinauszögern. 11 Jahre ist sehr hart

  • susen am 21.05.2019 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entscheidung

    Moechte nicht an Stelle der Eltern sein Gefuehlsxhais pur .

  • Metatron am 21.05.2019 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohren und Augen auf

    Es wird nichts abgedreht wird berichtet!

  • Alex am 21.05.2019 06:37 Report Diesen Beitrag melden

    Andererseits

    Wie vielen Koma Patienten wurde so eine Diagnose gestellt und wachten dann doch noch auf. Schwierige Sache.