Drohende Katastrophe

24. Mai 2019 16:31; Akt: 24.05.2019 17:13 Print

Amerikanischer Atomsarg zeigt gefährliche Risse

Auf den Marshallinseln existiert ein riesiges Lager radioaktiver Abfälle von oberirdischen Atomtests. Jetzt droht es undicht zu werden.

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Seit rund 40 Jahren bedeckt ein Betondeckel ein riesiges Atommülllager auf der Insel Runit im Eniwetok-Atoll der Marshallinseln im Pazifik. Das Atommülllager entstand, als etwa 85.000 Kubikmeter radioaktiv verseuchtes Erdreich und ... ... 4.500 Kubikmeter verseuchter Schutt in einen Bombenkrater gekippt wurden. Der Krater entstand als am 5. Mai 1958 zu Testzwecken die Cactus-Bombe zur Detonation gebracht wurde. Der Deckel bedeckt radioaktive Spaltprodukte mit Halbwertszeiten von bis zu 24.000 Jahren. Die Insel Runit, ein Teil des Eniwetok Atolls (Bild) ist Sperrzone und dürfte es wohl für immer bleiben. Der Betondeckel hat laut dem UNO-Generalsekretär António Guterres (grünes Hemd) inzwischen Risse bekomme. Damit steigt die Angst, dass er während eines tropischen Wirbelsturms einbrechen könnte. Die USA haben zwischen 1946 und 1958 auf den Marshallinseln, vorrangig auf den Atollen Bikini und Eniwetok, insgesamt 67 Atombomben gezündet, ... ... darunter auch der Castle-Bravo-Test am 1. März 1952 auf dem Bikini-Atoll (im Bild). Die Bombe war rund 1.000-mal stärker als die Hiroshima-Bombe und führte zu massivem radioaktivem Niederschlag. Luftaufnahme einer Martin RB-57D vor der Explosion von Hardtack I Poplar am 12. Juli 1958. Auch Unterwasser-Explosionen wurden getestet, wie die Hardtack-Umbrella-Explosion am 8. Juni 1958 (im Bild). Total wurden hier rund 43 Atomtests durchgeführt, unter anderem wurde hier am 31. Oktober 1952 mit Ivy Mike die erste große Wasserstoffbombe (im Bild) gezündet.

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Der Welt droht eine Umweltkatastrophe, deren Ursprung viele Jahrzehnte zurückliegt. Von 1946 bis 1958 zündeten die Vereinigten Staaten auf den Marshallinseln im Pazifik zu Testzwecken 67 Atombomben. Es war Kalter Krieg und wie die anderen Atommächte nahmen die USA dabei wenig Rücksicht auf die Umwelt. So entledigte man sich der radioaktiven Abfälle, indem man sie einfach in einen Bombenkrater kippte. Problem gelöst.

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Inzwischen zeigt sich, dass das keine so gute Idee war. Zwar wurde der Krater Ende der 1970er-Jahre mit einem 46 Zentimeter dicken Betondeckel abgedeckt, doch der zeigt heute bedenkliche Risse. Außerdem wurde der Krater nach unten und zur Seite nicht abgedichtet, da man damals davon ausging, ihn nur für eine begrenzte Zeit als Deponie zu nutzen. Es wird befürchtet, dass deshalb bereits Meerwasser in den Atomsarg eingedrungen ist.

Deckel vom Weltall sichtbar

Die Gefahr, die von diesem Atommülllager ausgeht, wurde vom UNO-Generalsekretär António Guterres im Rahmen eines Besuchs verschiedener Pazifikstaaten aufs Parkett gebracht. "Ich war gerade bei der Präsidentin der Marshallinseln, die sehr besorgt ist über das Risiko, dass radioaktives Material aus einer Art Sarg in der Region entweichen könnte", sagte Guterres letzten Donnerstag vor Studenten in Fidschi.

Der für das Atommülllager verwendete Krater entstand bei der Detonation der Cactus-Bombe auf der Insel Runit im Rahmen der Testreihe Hardtack I von 1958. Insgesamt wurden auf der Insel Runit, die Teil der Marshallinseln sind, 14 Atombomben gezündet. Die Cactus-Bombe selbst wurde am 5. Mai 1958 zur Detonation gebracht und hatte eine Sprengkraft von 18 Kilotonnen. Die Hiroshima-Bombe hatte zum Vergleich eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen.

Etwa 85.000 Kubikmeter radioaktiv verseuchtes Erdreich und 4.500 Kubikmeter verseuchter Schutt wurden laut Popularmechanics.com in den Krater gekippt. Der Betondeckel hat einen Durchmesser von mehr als 100 Metern und soll sogar aus dem Weltall sichtbar sein. Doch der Zahn der Zeit nagt am Beton und die Angst wächst, dass der Deckel während eines tropischen Wirbelsturms einbrechen könnte.

USA nicht verantwortlich

Wie es weitergeht, ist unklar. Denn die Verantwortung liegt rein rechtlich nicht etwa bei den USA, sondern den Marshallinseln, die seit 1986 von den USA unabhängig sind. Doch der kleine Inselstaat im Pazifik mit gut 53.000 Einwohnern verfügt nicht über die Mittel, um die Deponie zu sanieren.

Guterres sagte laut CBS News: "Es muss noch viel unternommen werden im Zusammenhang mit den Detonationen, die einst auf den Marshallinseln und in Französisch Polynesien stattgefunden haben. Dabei geht es um gesundheitliche Folgen, die Auswirkungen auf das Gemeinwesen und andere Aspekte." Es gebe Fragen über Entschädigungen und Vorkehrungen, um diese Auswirkungen zu vermindern, so Guterres. Konkrete Handlungsvorschläge machte er nicht.

Die USA führten zwischen 1945 und 1962 insgesamt 210 oberirdische Atomtests durch. (Video: Lawrence Livermore National Laboratory)

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(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hueher am 24.05.2019 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    Die USA sind nicht zuständig für Entsorgung?? Das ist wohl ein Witz, oder........?! Zuerst die Umwelt verseuchen und zerstören und später sich zurückziehen als wäre nix gewesen! Statt Mauern bauen und Kriege anzetteln, sollte sich Trumpl besser darum kümmern und nicht der armen Regierung dieser Inseln zuschieben........es wird ja immer besser mit diesen Kriegstreibern

    einklappen einklappen
  • Eva D. am 24.05.2019 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    man kann sagen

    was man will, aber der Mensch zerstört alles. Unfassbar.

  • Roman Polz am 25.05.2019 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    die Vergangenheit holt uns ein. immer wieder. Und es tun sich immer Abgründe auf, an die man nicht mal im Traum denkt. Und recht hin oder her, die USA hat die Tests gemacht. folglich ist sie auch dafür verantwortlich es zu sanieren. währe ja noch schöner. Da könnte die restliche Welt auch Interesse zeigen mit der UNO zb.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Roman Polz am 25.05.2019 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    die Vergangenheit holt uns ein. immer wieder. Und es tun sich immer Abgründe auf, an die man nicht mal im Traum denkt. Und recht hin oder her, die USA hat die Tests gemacht. folglich ist sie auch dafür verantwortlich es zu sanieren. währe ja noch schöner. Da könnte die restliche Welt auch Interesse zeigen mit der UNO zb.

  • josef am 25.05.2019 03:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heizmaterial für die Sonne

    Heizmaterial für die Sonne.Wirds vielleicht etwas wärmer.

  • Balentin am 24.05.2019 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    Sir

    Greta wird das schon wieder in ordnung bringen

  • Fritz Trözter am 24.05.2019 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ich vermisse

    An keiner Stelle des Artikels werden leider Fakten genannt. Zum Beispiel Messwerte ober- oder auch unterirdisch. Und das weder von der UN noch von den Verantwortlichen der Marshallinseln. Gibt es keine oder geht es um Geld das man von den USA will?

    • Censorship am 27.05.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz Trözter

      Kann man alles in einer Doku sehen, welche bereits vor Jahren, öffentlich ausgestrahlt wurde... ;) Da sieht man auch die Wracks der Schiffe, aber auch Interviews mit Vertriebenen.... Man hört davon, wie die USA einfach versuchten die Bevölkerung wieder anzusiedeln, ohne auf die Strahlung Rücksicht zu nehmen... Nicht vermissen, einfach suchen... ;)

    • Fritz Trözter am 27.05.2019 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Censorship

      Die Doku kenne ich. Als objektiv würde ich sie aber nicht bezeichnen. Und Zahlen werden auch nicht genannt sondern Vermutungen als Tatsachen dargestellt. Unabhängig davon sollte was sie schreiben im Artikel auch vorkommen.

    einklappen einklappen
  • ferdls am 24.05.2019 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    der gute und die bösen Fragezeichen

    aber nein der amerikaner der gute