Öl, Banken, Schiffe

05. November 2018 10:53; Akt: 05.11.2018 11:58 Print

Neue US-Sanktionen gegen Iran in Kraft

von Jörg Michner - Am Montag haben die USA Wirtschaftssanktionen gegen den Iran erlassen. Das Regime in Teheran und die EU planen, diese zu umgehen.

Dollar für iranische Rial - das soll es jetzt nicht mehr geben. (Bild: Reuters)

Dollar für iranische Rial - das soll es jetzt nicht mehr geben. (Bild: Reuters)

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US-Präsident Donald Trump hat seine Ankündigung vom Wochenende wahr gemacht und Sanktionen gegen den Iran erlassen. Er ist – im Gegensatz zur EU und zahlreichen anderen Staaten – der Meinung, dass das Regime in Teheran gegen das Atomabkommen von 2015 verstoßen habe und weiter waffenfähiges Uran sowie Raketen herstelle.

Außerdem sind den USA – und Israel, das die Sanktionen begrüßte – die Außenpolitik des Iran ein Dorn im Auge, konkret die angebliche Unterstützung radikaler Islamisten und etwa die Militärpräsenz in Syrien.

Die Sanktionen betreffen wichtige Wirtschaftsteile des Landes: Den Ölexport, Seetransporte und das Bankenwesen. Ausgenommen vom Verbot des Rohstoffhandels sind jedoch Länder, die stark auf iranisches Öl angewiesen sind – Italien, Indien, Japan, Südkorea, Türkei und China.

US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärte, man werde "aggressiv" alle Firmen und Organisationen verfolgen, "die unsere Sanktionen umgehen".

EU plant Zweckgesellschaft
Die EU, die sich gegen die Sanktionen ausgesprochen hat, wollen nun europäische Firmen unterstützen, weiterhin ihre Geschäfte mit dem Iran machen zu können. Dazu soll eine sogenannte Zweckgesellschaft gegründet werden, die etwa die Geldtransfers anstelle von Banken durchführt und die nicht direkt sanktioniert werden kann. Auch könnte sie statt der Bezahlung von Geld Tauschgeschäfte in Form von Waren organisieren. Etwa zahlt ein Öl-Kunde Geld an diese Gesellschaft, die wiederum nimmt das Geld und zahlt damit offene Rechnungen des Iran bei einem anderen Unternehmen.

Wie schnell so eine Zweckgesellschaft aber auf die Beine gestellt werden kann, bleibt fraglich. Auch müsste sie ihren Sitz in einem EU-Land haben, und dieses Land könnte dann Probleme mit den USA bekommen. Einige europäische Firmen wie etwa Daimler haben aber bereits vor Wochen ihre Iran-Geschäfte eingestellt, da sie Sanktionen in den USA befürchten.

Iran will weiter exportieren
Der Iran gab sich kämpferisch: "Wir werden unser Öl weiter verkaufen, […] die Sanktionen brechen", sagte Präsident Hassan Rouhani. Man werde die "illegalen und ungerechten Sanktionen mit Stolz umgehen, weil sie gegen internationale Regeln verstoßen."

Ein Trick, den angeblich China und Nordkorea anwenden, um US-Sanktionen zu umgehen, wäre iranisches Öl auf Tankschiffe zu verladen. Die fahren (ohne Flagge) auf hohe See, wo dann ein anderes Tankschiff das Öl abpumpt und das Geld dafür eventuell sogar in bar mitbringt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vorsehung am 05.11.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Washington, Riad & der Petrodollar

    Was haltet ihr vom Krieg der Öldiebe, Terror- & Schurkenstaaten gegen Eurasien? Das sind defakto Sanktionen gegen die EU und der Zwang den USA über die Saudis Öl abzunehmen um den Petrodollar zu stärken, mit der Pflicht unsere eigene Wirtschaft abzuwürgen. Sanktionen gegen friedliche Schiiten sind inakzeptabel. Als Realist: Mit der EU rechne ich nicht.

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  • Kritischer Geist am 05.11.2018 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    wird nicht lange dauern ...

    Wird nicht lange dauern, dann wird man den USA diese Santkionen vorwerfen. Und der Vorwurf wird von jenen kommen, die gleichzeitit kritisieren, dass die USA Geschäfte mit Saudi Arabien machen. Am Ende sind die Amerikaner immer Schuld an den Problem im islamischen Kulturkreis. Denn alles andere wäre ja islamophob oder rassistisch, wenn wir unseren Journalisten glauben dürfen.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Vorsehung am 05.11.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Washington, Riad & der Petrodollar

    Was haltet ihr vom Krieg der Öldiebe, Terror- & Schurkenstaaten gegen Eurasien? Das sind defakto Sanktionen gegen die EU und der Zwang den USA über die Saudis Öl abzunehmen um den Petrodollar zu stärken, mit der Pflicht unsere eigene Wirtschaft abzuwürgen. Sanktionen gegen friedliche Schiiten sind inakzeptabel. Als Realist: Mit der EU rechne ich nicht.

    • Censorship am 06.11.2018 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      @Vorsehung

      Völlig korrekte Analyse. Es geht darum, das fracking Öl loszuwerden... Friedlich? keine Ahnung, aber es gint keine Belege dafür, dass der Iran vertragsbrüchig geworden wäre...

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  • Kritischer Geist am 05.11.2018 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    wird nicht lange dauern ...

    Wird nicht lange dauern, dann wird man den USA diese Santkionen vorwerfen. Und der Vorwurf wird von jenen kommen, die gleichzeitit kritisieren, dass die USA Geschäfte mit Saudi Arabien machen. Am Ende sind die Amerikaner immer Schuld an den Problem im islamischen Kulturkreis. Denn alles andere wäre ja islamophob oder rassistisch, wenn wir unseren Journalisten glauben dürfen.

    • Censorship am 05.11.2018 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Völlig indoktriniert...

      Nennen sie EIN EINZIGES Indiz, dass der Iran vertragsbrüchig ist! Der einzige, der permanent gegen Verträge verstößt, ist ihr Held Präsident Dump... Man kann zum Iran stehen, wie man will, aber wenn dieser sich an Vereinbarungen hält....

    • Kritischer Geist am 05.11.2018 15:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Censorship

      Es geht nicht um die Vertragsbrüchigkeit des Iran. Faschistische Gottesstaaten halte ich mit oder ohne Vertragsbrüche nicht für die besten Bündnispartner. Wie gesagt: Es ist völlig bedeutungslos, ob die USA mit einem Land kooperiert oder nicht. Die USA können sich verhalten wie sie wollen, sie bleiben die Sündenböcke für so ziemlich jedes Problem auf diesem Planeten. Und Appeasement-Politik gegenüber solchen Schurkenstaaten ist jedenfalls der falsche Weg.

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