Als "Schlampe" bezeichnet

05. Dezember 2018 11:21; Akt: 05.12.2018 12:41 Print

Politiker lästern über behinderte Aktivistin

In einer Bar in Island haben sich einige Parlamentarier über eine schwerbehinderte Frau lustig gemacht. Diese leidet unter einer seltenen Krankheit. Die Bevölkerung ist empört.

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Am 20. November trafen sich einige Parlamentarier in einer Bar in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Dort zogen sie boshaft über die schwerbehinderte Freyja Haraldsdottir her. Wie lokale Medien berichteten, befand sich auch Ex-Premierminister Sigmundur David Gunnlaugsson in der Runde.

Die ehemalige Parlamentarierin Haraldsdottir setzt sich für die Rechte von Menschen mit Beeinträchtigung ein. Die Aktivistin leidet an der seltenen Glasknochenkrankheit und kann sich nur liegend in einem elektrischen Rollstuhl fortbewegen.

Seehundgeräusche gemacht

Die Gruppe von Parlamentsabgeordneten bezeichneten Haraldsdottir mehrfach als "Schlampe". Einer von ihnen soll sogar Seehundgeräusche gemacht und damit die Frau imitiert haben, wie Iceland Monitor berichtet.

Ein Bargast hat die derbe Unterhaltung mitangehört und sie mit seinem Handy aufgenommen. Die Aufnahmen spielte er lokalen Medien zu. Danach gingen sie viral. Die sexistische und beleidigende Konversation der Parteimitglieder zog sich über drei Stunden hin.

Rücktritt gefordert

Islands Bevölkerung ist geschockt und empört. Am Samstag haben sich rund 1000 Personen vor dem Parlament versammelt und den Rücktritt der Politiker gefordert, wie BBC berichtet.

Vier von sechs Involvierten haben inzwischen eine Entschuldigung verfasst, die dann von der Presse publiziert wurde. "Es war nicht unsere Absicht, jemanden zu verletzen, und es ist klar, dass diese Unterhaltung unentschuldbar ist", heißt es in dem Schreiben. Die Entschuldigung richtet sich auch an Familienmitglieder und Parteikollegen: "Wir werden unsere Lehre daraus ziehen."

Haraldsdottir lehnt Entschuldigung ab

Ex-Premier Sigmundur David Gunnlaugsson hat sich den Berichten zufolge telefonisch bei Haraldsdottir gemeldet und sich entschuldigt. Zu den angeblichen Seehundgeräuschen, die einer der Parlamentariar gemacht haben soll, sagte er, dies sei das Geräusch eines Stuhls gewesen, der gerade verschoben worden sei.

Auf Facebook schreibt die Aktivistin, dass sie diese Entschuldigung nicht akzeptieren werde. "Es gibt tausendundeine Möglichkeit, Meinungsverschiedenheiten auszudrücken – aber nicht, indem man sich über den Körper und das Aussehen einer Frau lustig macht."

Von Partei ausgeschlossen

Auch für Bryndis Snaebjörnsdottir, Vorsitzende der Behindertenorganisation "Throskahjalp" steht fest, dass die involvierten Politiker das Parlament verlassen müssen. Bislang hat jedoch noch keiner den Rücktritt angekündigt.

Zwei der in die Konversation involvierten Mitglieder wurden von der "Peoples Party" ausgeschlossen, wie BBC weiter schreibt. Ihr Plan sei jedoch, als Unabhängige im Parlament zu bleiben.

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(isa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jeeep! am 05.12.2018 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    A'loch sein gehört wohl zur weltweiten Grundvoraussetzung eines Posten in der Politik. Weiteres kamen die Entschuldigungen auch nur weil die Unterhaltung veröffentlicht wurde. Glauben Sie, es hätte sich jemand entschuldigt, wäre das Video nicht Viral gegangen ?

  • Spezi am 05.12.2018 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ja fast SPÖ-Mentalität

    Ich erinnere an den SP-Abgeordneten Siegi Lindenmayr, welcher sich über die Behinderung von Norbert Hofer lustig gemacht hat. War aber nur ein Skandälchen, weil er ja zu den "Guten" gehört.

  • grauslichstes Verhalten am 05.12.2018 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Abart von Unart

    Leute die solche Aussagen tätigen und noch dazu als Vorbild wirken sollten, gehören mit nassen Fetzen durch die Straßen gejagt.. aber sind ja in der Politik, da richten sies sich schon

Die neuesten Leser-Kommentare

  • miri am 05.12.2018 23:09 Report Diesen Beitrag melden

    alle

    sind empört und dann demonstrieren gerade mal 1000. die meisten behinderten wollen nicht auf ihre behinderung reduziert, sondern gleichwertig behandelt werden. respekt! unverständlich, dass man man bei bedarf sie dann doch in den vordergrund stellt. jedes ding hat eben IMMER zwei seiten!

    • purplevienna am 06.12.2018 08:39 Report Diesen Beitrag melden

      @miri:

      Na dann: Wünsche Ihnen nichts Schlechtes, aber vielleicht erleiden Sie einmal jene Lebenslage, um auch die zweite Seite kennen zu lernen ......

    einklappen einklappen
  • Micro am 05.12.2018 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Aufnahmen von Personen,

    welche keine Zustimmung dazu abgegeben haben, sind erstens verboten, dürfen also gar nicht veröffentlicht werden, und sind zweitens rechtlich nicht verwendbar.

    • Mr. A-Team am 05.12.2018 23:39 Report Diesen Beitrag melden

      So,...

      ...wie lautet da das irische Recht? Also bitte nicht mit Österreich verwechseln...

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  • Censorship am 05.12.2018 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Auch nicht besser...

    "..man sich über den Körper und das Aussehen einer Frau lustig macht.." Verstehe, aber über den eines Mannes schon.. Danke, werte Sexistin, sie sind um keinen Deut besser, als die Parlamentarier... Man antwortet auf Sexismus, mit Sexismus.... Meine Meinung, es wird das selbe passieren wie bei Trump, der sich über einen behinderten Journalisten lustig machte, nämlich nichts...

    • Podorius am 05.12.2018 15:53 Report Diesen Beitrag melden

      I-tüpfler

      Sie meinte sich selbst, und sie selbst wird wohl eine Frau sein! A bissl kann man's schon übertreiben! Man muss nicht jedes Wort auf die Waagschale legen! Das, was die hohen Herrn hier von sich gaben, ist übelste Demütigung, die unentschuldbar ist!

    • Censorship am 07.12.2018 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      @Podorius

      Interessant, wie sehr doch in den Köpfen mancher, Sexismus eine Einbahn ist....

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  • grauslichstes Verhalten am 05.12.2018 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Abart von Unart

    Leute die solche Aussagen tätigen und noch dazu als Vorbild wirken sollten, gehören mit nassen Fetzen durch die Straßen gejagt.. aber sind ja in der Politik, da richten sies sich schon

  • Joschi am 05.12.2018 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und was nicht,

    im Text steht, es war kein rechter. 3.Mal dürft ihr raten wär es wahr.