Hitze

25. Juni 2019 09:37; Akt: 25.06.2019 10:55 Print

Schüler fordern drei Monate Sommerferien

Wegen der hohen Temperaturen verlangen Schweizer Schüler eine längere Sommerpause. Damit stoßen sie auch beim Lehrerverband auf offene Ohren.

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Über 38 Grad heiß wird es die nächsten Tage in der Schweiz – trotzdem müssen bis auf die Tessiner und die Walliser alle Schüler bis im Juli die Schulbank drücken. In Italien, Albanien oder in der Türkei steht der Schulbetrieb dagegen schon längst still. Dort startet die Sommerpause bereits im Juni und endet erst Mitte September. Das Durchhalten bis zu den Sommerferien macht vielen Schülern zu schaffen.

"Bei 28 bis 30 Grad im Schulzimmer mit 20 Leuten kann man nicht mehr arbeiten", klagt Fachmittelschüler Sebastian (18)*. Auch die Lehrer litten unter der Hitze. "Viele beenden den Unterricht dann früher und gehen mit uns eine Glace essen oder sie verlegen den Unterricht in den Park, was aber nur ablenkt."

"Am besten stellt man den Schulbetrieb ein"

Eine Lösung sähe Sebastian in früheren Sommerferien. "Dann müsste man auch nicht die Umwelt mit klimatisierten Räumen belasten." Auch Schülerin Nina (18) sagt: "Wenn es heiß ist, sind meine Mitschüler müde, träge und weniger produktiv und auch nicht mehr so aufnahmefähig." Sie würde es toll finden, wenn der Unterricht im Sommer nur morgens stattfände.

Für Mihailo Kinkela, Medienverantwortlicher der Union der Schülerorganisationen USO mit über 40.000 Mitgliedern, steht deshalb fest: "Die Sommer sind heißer geworden. Wie in Schulen in südlichen Ländern sollten deshalb auch an Schweizer Schulen dreimonatige Sommerferien eingeführt werden." Selber wechselt der Wirtschaftsmittelschüler im folgenden Schuljahr an ein Gymnasium nach Serbien, wo die Sommerferien drei Monate dauern.

Die jetzigen Wochen vor den Sommerferien würden abgesehen von Prüfungen nicht mehr sinnvoll genutzt, sagt Kinkela. "Effektiv nötig sind Alternativprogramme nicht. Am besten stellt man den Schulbetrieb im Sommer ganz ein."

Schulzeit müsste verlängert werden

Beim Lehrerverband trifft die Forderung auf Verständnis. "Wenn 30 Grad im Juni normal werden, ist es in Schulhäusern nicht mehr auszuhalten. Dreimonatige Sommerferien wären zu diskutieren", sagt Beat W. Zemp, Präsident des Lehrerverbands. Dies bedinge aber etwa, dass man die Schulzeit um ein Jahr verlängere. "Ansonsten müsste man auf sämtliche Ferien unter dem Jahr verzichten."

Auch auf politischer Ebene werden verlängerte Sommerferien diskutiert. Es sei ein Fakt, dass die Sommer in der Schweiz durch den Klimawandel denjenigen im Süden ähnelten, sagt Luzian Franzini, Co-Präsident der Jungen Grünen. "Schweizer Schüler können sich in der Hitze genauso wenig konzentrieren wie etwa italienische. Eine Anpassung des Schulsystems für die heißeren Sommer ist deshalb nötig."

Auch SP-Nationalrat und Bildungspolitiker Corrado Pardini findet: "Wenn eine Schülerorganisation einen Systemwechsel bei den Sommerferien verlangt, muss die Politik dies ernst nehmen. Die Schüler sind direkt betroffen." Werde die Diskussion weitergeführt, reiche er beim Bundesrat ein Postulat ein. "Der Bundesrat sollte aufzeigen, welche Vor- und Nachteile eine dreimonatige Ferienzeit in Bezug auf den Lernprozess, den Lehrplan und die Betreuung hat."

Italiener vergessen Schulstoff

Dass die Schüler in den langen Sommerferien nur auf der faulen Haut liegen, ist jedoch nicht die Idee. Damit das Gelernte nicht vergessen gehe, müssten die Schüler den Stoff in einer Form repetieren, sagt Beat W. Zemp. Damit teilt er die Vorstellungen der Befürworter. Sie schlagen etwa vor, dass die Schüler in der Sommerpause Aufgabendossiers lösen oder in betreuten Lernateliers zu kühleren Tageszeiten lernen.

Keinen Anpassungsbedarf sieht FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler. "Ein gewisser Rhythmus zwischen Schule und Ferien ist wichtig, was dreimonatige Sommerferien unmöglich machen würden", sagt der Bildungspolitiker. Zudem würden verlängerte Sommerferien das ganze Bildungssystem auf den Kopf stellen. "Der Lehrbeginn und die weiterführenden Schulen sind alle auf den Kalender der vorhergehenden Schulen abgestimmt."

Dass lange Sommerferien Fluch und Segen sind, zeigt auch Italien. Seit einigen Jahren formiert sich dort gegen den "Alptraum Sommerferien" Widerstand: Die Betreuung der Schüler während der langen Sommerferien sei kaum mit den Arbeitszeiten der Eltern vereinbar und im September müssten die Schüler jeweils mit dem Stoff von vorne beginnen, klagen die Italiener.

*Name der Redaktion bekannt

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oliver am 25.06.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Urlaub

    und wann kriegen wir Feuerwehrmänner mehr frei ?!!! mit 40 kg Ausrüstung.. unter Schutzkleidung.. darunter 70 grad !! das ganze für nen Lachgehalt..!! und ganzen 5 Wochen Urlaub im JAHR !!! und Schüler wollen ernsthaft.. 3 Monate Ferien ??!!! kein ernster Vorschlag oder ?!!

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  • Auchnemeinung am 25.06.2019 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man dann noch den

    STANGL-FRIDAY dazurechnet, zahlt sich fast schon der Schulbesuch nimmer aus.

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  • Budspencer am 25.06.2019 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    I glaub i spinn.

    Na sicher doch und gleich einen Job mit 20 Std. /Woche mit 4000,- Netto. Geht's noch?

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Censorship am 27.06.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Interessiert es wen?

    Wenn interessieren die Forderungen von Schülern und Personen, die sich einen Job ausgesucht haben, nur weil sie weit mehr Urlaub bekommen???

  • Thirona Sul am 25.06.2019 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkürzung...

    ...der Sommerferien auf 1 Monat, denn mit den aktuellen Ferienregelungen ist jetzt schon zu wenig Zeit zum Lernen. Ein Blick aufden Pisa-Test bis hin zu beruflichen Aufnahmeprüfungen zeigt deutlich, dass das Beherrschen von Allgemeinwissen und leichter Mathematik immer seltener ist...

  • susanne am 25.06.2019 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    so ist die Realität

    bei Hitze lernen ist sicher schwierig, andererseits wird man da gleich auf die Arbeit im Büro ohne Klimaanlage vorbereitet, da gibts auch keine 3 Monate Ferien !! Und aus ehemaliger Schülersicht muß ich sagen es ist sowieso immer zu wenig Zeit zum Lernen für Schularbeiten gewesen ! vor Weihnachten war immer voller Stress und alles auf einmal! noch mehr Ferien gehen nicht wenn man was lernen will!

  • Sonja am 25.06.2019 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Dann soll es keine Herbstferien geben, schulautonome Tage und Osterdienstag und Pfingstdienstage. Dann sollen sie frei haben. Was ist mut uns Elrern? Wohin dann mit den Kindern. Wir kriegen nicht 3 Monate frei.

  • milchmädchen am 25.06.2019 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Daumen hoch

    Bei Kindern mit Vorzug. In den letzten Wochen sind nur Ausflüge am Programm. Exkursionen?