Lufterfrischer und Handy-Cover

30. Juni 2017 17:04; Akt: 01.07.2017 10:46 Print

So wird das Leid des kleinen Charlie ausgenutzt

Der Fall Charlie Gard sorgt weltweit für Aufregung. Diese Aufmerksamkeit trägt jedoch auch skurrile Blüten.

Lufterfrischer, Handy-Hüllen und Co.: Charlies Unterstützter können viel

Lufterfrischer, Handy-Hüllen und Co.: Charlies Unterstützter können viel "shoppen". (Bild: Screenshot)

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Der Fall des kleinen Charlie Gard geht derzeit rund um den Globus: Das zehn Monate alte Kind aus Großbritannien leidet, seit es acht Wochen alt ist, unter einer seltenen genetischen Krankheit. Muskelschwund und schwere Hirnschäden sind die Folgen. Das Baby muss im Krankenhaus mithilfe von Maschinen am Leben erhalten werden.

Umfrage
Wird der Tod von Charlie Gard "kommerzialisiert"?
40 %
16 %
44 %
Insgesamt 463 Teilnehmer

Experimentelle Behandlung
Seine Eltern kämpften mehr als ein halbes Jahr lang mit Ärzten und Gerichten darum, dass sie Charlie in die USA bringen dürfen um ihn dort einer experimentellen Behandlung zu unterziehen. Obwohl ihnen die britischen Mediziner sagten, dass ihm das nicht helfen und gar noch mehr Leid zufügen würde, gingen die Eltern bis in die letzte Gerichtsinstanz.

Um die umstrittene Behandlung zu finanzieren, sammelten die Eltern umgerechnet mehr als 1,4 Millionen Euro von Menschen, die dem Baby helfen wollten. Angesichts der massiven Medienpräsenz der Eltern werden jedoch auch kritische Stimmen laut, die dem Paar vorwerfen, das Leid ihres Sohnes auszunutzen.

Natürlich hat Charlie auch eine Facebook-, Twitter- und Instagram-Seite. Doch sieht man sich die Website genauer an, wirkt sie doch etwas befremdlich.

Zitronen-Challenge
Neben der herzzerreißenden Geschichte aus Sicht von Charlies Eltern wird dort nämlich unter anderem zur "Zitronen-Challenge" aufgerufen. Dabei soll man auf Social Media ein Video posten, in dem man eine Zitrone isst und sagt: "Ich kämpfe bis zum bitteren Ende für Eltern-Rechte." Aber nicht vergessen: drei weitere Personen "nominieren", ein Video dazu aufnehmen, die Website anpreisen, Hashtags verwenden und so mithelfen, "viral" zu werden.


Spenden sammeln mit Handy-Hüllen und Lufterfrischern
Neben einem Spenden-Button gibt es noch einen "Shop", der von Charlies Tante Laura eingerichtet wurde. Darin werden Utensilien verkauft, die Charlies Unterstützer (sie nennen sich "Charlies Army") hergestellt haben.

Verschiedene Armbänder, Stofftaschen, Süßigkeiten, Auto-Aufkleber und Bilder mit Charlies Namen sind dort zu kaufen. Unterstützer können sich einen Lufterfrischer mit Charlies Bild ins Auto hängen oder ihr Handy in eine Hülle mit dem kranken Baby stecken.

Wer selbst Kinder hat, möchte sie vielleicht aus einer Trinkflasche mit Charlies Namen drauf trinken lassen. Oder gleich einen riesengroßen Banner vors Haus hängen.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fr. Katt. am 01.07.2017 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Es ist weit menschlicher wenn Charlie sterben kann

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  • Anna d am 01.07.2017 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    tun was alle eltern tun sollten

    UK ärzte haben kein OK für die behandlung bekommen, also finde ich es absolut ok dass die eltern versuchen ihr kind auf eigene kosten/mit hilfe von spenden therapieren zu lassen. vor allem da es ja schon erfolge mit der therapie gibt. hut ab vor so viel durchhaltevermögen!

  • Vorname_nachname am 02.07.2017 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen.

    Ich bin zwar nicht in der Position die Lage der Eltern größtenteils zu verstehen, da ich nicht in deren Lage war bzw. bin. Aber ich bin der Meinung, dass, wenn man wirklich verzweifelt ist, und das scheinen die Eltern - völlig berechtigt (!) - zu sein, dann macht mabn oft Dinge, die vielleicht für einen im Moment am effektivsten scheint. Wenn einem Mensch, den ich liebe, dasselbe passieren würde, dann wäre ich (1) sauer und (2) mega verzweifelt, da keine anderen Möglichkeiten vorliegen, um die Person am Leben zu erhalten. Naja,ich wünsche den Angehörigen und vor allem Charlie jede Menge Kraft

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Censorship.. am 03.07.2017 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wie Fall Madeleine..

    Nicht anderes, als der Fall Madeleine. Die Eltern waren aus, das Kind verschwand und es wird gnadenlos ausgebeutet... Allerdings wird in diesem Fall ein Geist/eine Seele in einem toten Körper gefangen gehalten...

    • claidia miller am 06.07.2017 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      ja

      Nunja ich sage nix dazu

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  • Vorname_nachname am 02.07.2017 21:44 Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen.

    Ich bin zwar nicht in der Position die Lage der Eltern größtenteils zu verstehen, da ich nicht in deren Lage war bzw. bin. Aber ich bin der Meinung, dass, wenn man wirklich verzweifelt ist, und das scheinen die Eltern - völlig berechtigt (!) - zu sein, dann macht mabn oft Dinge, die vielleicht für einen im Moment am effektivsten scheint. Wenn einem Mensch, den ich liebe, dasselbe passieren würde, dann wäre ich (1) sauer und (2) mega verzweifelt, da keine anderen Möglichkeiten vorliegen, um die Person am Leben zu erhalten. Naja,ich wünsche den Angehörigen und vor allem Charlie jede Menge Kraft

  • Anna d am 01.07.2017 23:44 Report Diesen Beitrag melden

    tun was alle eltern tun sollten

    UK ärzte haben kein OK für die behandlung bekommen, also finde ich es absolut ok dass die eltern versuchen ihr kind auf eigene kosten/mit hilfe von spenden therapieren zu lassen. vor allem da es ja schon erfolge mit der therapie gibt. hut ab vor so viel durchhaltevermögen!

  • Sissy am 01.07.2017 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Charlie

    Sehr geschmacklos, so traurig das ist sollte der kleine in Frieden gehen können. Ist sicher schwer aber wenn Gehirn nicht mehr arbeitet, würde mein Kind als Versuchskaninchen nicht herhalten. Hoffe Sie nehmen das erhaltene Spendengeld und Spenden es anderen schwerkranken Kleinkind. Aurichtiges Beileid

  • WerMachtSowas? am 01.07.2017 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Erbärmlich.

    Sperrt Sie ein die wollen eh nur Geld mit ihm produzieren. Machen gesunde Menschen echt krank diese Menschen. Schaut euch nur 1 Interview an so schaut keine Trauer aus.

    • Anna D am 02.07.2017 10:47 Report Diesen Beitrag melden

      neid nicht angebracht

      "sowas" machen liebende eltern die über den tellerrand schauen können, und sich nicht scheuen verantwortung zu übernehmen. sie werden mit ihrem tun/handeln jeden tag leben müssen. medien/kiebitze/ärzte werden den kleinen bald vergessen haben.

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