In Indien

07. Oktober 2018 11:12; Akt: 07.10.2018 11:41 Print

Steigt der Goldpreis, sterben mehr Mädchen

Der Goldpreis hat in Indien eine messbare Auswirkung auf die Sterblichkeit von kleinen Mädchen. Warum? Erfahren Sie hier >>>

Symbolbild (Bild: iStock)

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Es klingt fast absurd, aber eine Studie belegt nun, dass in Indien mehr Mädchen abgetrieben oder im Kleinkindalter sterben, wenn der internationale Goldpreis steigt.

Schuld daran ist die illegale Praxis der Mitgift. Heiratet eine Frau, gibt ihre Familie der Familie des Bräutigams traditionell ein Vermögen mit in die Ehe. Dieses besteht oft aus Goldschmuck, dessen Preis vom internationalen Tarif für das Edelmetall abhängig ist.

Sparen ab der Geburt

Um sich die Mitgift, die seit 1961 eigentlich verboten ist, leisten zu können, müssen sich die Eltern einer Tochter oft das Haushaltseinkommen mehrere Jahre zusammensparen. Das heißt oft, dass man schon bei der Geburt zu sparen beginnen muss.

Einen Sohn zu haben ist im Gegenzug eine wichtige Einnahmequelle für die Eltern.

Sonia Bhalotra, die Autorin der entsprechenden Studie, hat das riesige Land in der Hinsicht untersucht. Sie hat sich die Sterblichkeit weiblicher Säuglinge und kleiner Mädchen, sowie die Abtreibungsraten angesehen und mit dem internationalen Goldpreis verglichen.

Klarer Zusammenhang

Die Studie fand heraus: Nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan Ende 1979 stieg der Goldpreis rasant an. Anfang 1980 starben neun Prozent mehr neugeborene Mädchen als vorher. Bei den Buben blieb die Sterberate unverändert.

Noch ein klarer Zusammenhang aus den Jahren 1972 bis 1985: Stieg der Goldpreis um 6,3 Prozent, nahm die Sterblichkeitsrate von weiblichen Babys um 6,4 Prozent zu. Wieder veränderten sich die Sterberaten männlicher Babys nicht.

Mädchen, die während einer Phase hoher Goldpreise geboren wurden und überlebten, scheinen vernachlässigt worden zu sein. Sie waren im Erwachsenenalter kleiner als der Durchschnitt und wurden oft mangehaft ernährt, nicht so gut wie Söhne.

Mehr Abtreibungen

Seit Mitte der 1980er-Jahre verbreiteten sich Ultraschalluntersuchungen in Indien und gaben Eltern somit die Möglichkeit, das Geschlecht des Babys schon vor der Geburt festzustellen.

Seitdem werden Mädchen nicht erst nach der Geburt vernachlässigt, sondern lieber öfter abgetrieben. Manche Kliniken warben regelrecht mit Abtreibungen weiblicher Babys - es sei für die Familie eine Kostenersparnis.

Das scheint auch weiterhin so zu sein: Laut Geburtenstatistik aus den Jahren 2013 bis 2015 kamen auf 1.000 geborene Buben nur 900 Mädchen.

Was kann man dagegen tun?

Faktisch verboten, wird das Verbot der Mitgift in Indien kaum überwacht. Strengere Kontrollen würden aber auch kaum etwas bringen, glaubt die Studienautorin. Die Familien würden in dieser Hinsicht ob zusammenarbeiten, um das Verbot zu umgehen.

Eine bessere Bildung der Frauen und vor allem eine Gleichstellung im Besitzrecht wäre da schon sinnvoller. Zurzeit verfügt oft der Ehemann oder die Schwiegereltern über die Mitgift, Bräute werden nicht selten misshandelt oder ermordet, wenn die Schwiegereltern mit der Mitgift nicht zufrieden sind. Das US-Onlinemagazin "Vox" berichtet, dass täglich fast 21 Frauen von ihrem Bräutigam oder ihren Schwiegereltern deswegen ermordet werden.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • KrawuziKapuzi am 07.10.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    anscheinend leben wir

    bzw. ein großer teil dieser ach so tollen 'mutter erde' noch immer im tiefsten mittelalter, obwohl wir das 21. jahrhundert schreiben. dass die gesetzgeber dieser länder /religionen solche praktiken zulassen und/oder sogar unterstützen, ist für jemanden der in unseren breitengraden beheimatet ist, mehr als unverständlich.

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  • Statistiker am 07.10.2018 13:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Clash of Cultures

    Es stellt sich immer klarer heraus: Solcherart fremde Kulturen passen nicht zusammen! Wir sollten endlich damit beginnen, unsere eigene in Schutz zu nehmen.

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  • Vivien Toth am 07.10.2018 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    krank

    Kranke Welt,und alles wegen Gold, Geld.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • 1 Bezirk Wien am 07.10.2018 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Frag den Juwelier

    Jede Frau liebt Gold.

  • Bob Dobalina am 07.10.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    Einblick in die 3. Welt

    Viele Europäer glauben ja, alle Menschen auf der ganzen Welt sind inzwischen aufgeklärt, zivilisiert und insgesamt nicht viel anders als wir. Wer sich aber einmal anschaut, was alles in der 3. Welt immer noch ganz normal ist, wird sich wundern: Menschenhandel, Sklaverei, extremes Patriarchat, Rache- und Lynchmorde, etc. sind nach wie vor gang und gebe in sehr vielen Ländern der Welt, zumindest in den ländlichen Regionen, und das interessiert weitgehend auch keine Behörden dort, in Privatangelegenheiten mischt man sich da nicht ein.

  • Hubert am 07.10.2018 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    England

    Indien wurde doch 250 Jahre von den Engländern ausgebeutet!

    • Hilfe am 07.10.2018 20:54 Report Diesen Beitrag melden

      Nichts verändert

      Und die haben doch eine Regierung.

    • Southpaw am 08.10.2018 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hubert

      Oh ja! Wieder die Schuld des weißen Mannes! Man bringe Hubert die Neunschwänzige! Ziehen sie sich für mich bitte auch eine drüber.

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  • Bussi Bussi am 07.10.2018 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Arm Läge Abstand

    Bitte klatschen die kommen noch zu uns. da gibt es noch viel Wild.

  • fuhrinat am 07.10.2018 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Indien

    Es muss schrecklich sein als Frau in so einem Land zu leben

    • silver. am 07.10.2018 18:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ansichtssache

      Auf jeden Fall besser als Frau in irgendeinem arabischen Land zu leben.

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