Verwüstungen in Italien

05. November 2018 07:40; Akt: 05.11.2018 09:30 Print

Apokalyptisches Unwetter knickt Millionen Bäume

Bei Überschwemmungen und Erdrutschen sind in weiten Teilen Italiens dutzende Menschen ums Leben gekommen. Heftige Stürme haben Tausende Hektaren Wald verwüstet.

Video: Vigili del Fuoco via Storyful
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Seit fast einer Woche wüten schwere Unwetter mit Starkregen und Sturm in Italien. Mindestens 30 Menschen kamen dabei ums Leben, viele werden noch vermisst. Besonders hart getroffen hat es den Norden des Landes, vor allem die Regionen Venetien und Trentino-Südtirol sowie das Friaul. "Die Situation ist apokalyptisch", sagt Angelo Borelli, Leiter des Katastrophenschutzes der Zeitung "Corriere della Sera". Vor allem in der Provinz Belluno bleibt die Situation kritisch.

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In den Dolomiten wurden Bäume wie Streichhölzer umgeknickt. Laut dem "Corriere della Sera" gehen vorsichtige Schätzungen von über einer Million entwurzelter Bäume aus. Andere Quellen wie der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti vermuten, dass bis zu 14 Millionen Bäume zerstört worden sein könnten. "Es ist wie nach einem Erdbeben", sagt der Gouverneur der Region, Luca Zaia. "Tausende Hektar Wald wurden dem Erdboden gleichgemacht, wie mit einer gigantischen Kettensäge." Der Stausee von Comelico verwandelte sich in eine Fläche schwimmender Bäume.

Paola Favero, Försterin in Cansiglio nahe Belluno, sagte: "Wir werden bis zu fünf Jahre benötigen, um die Schäden in den Wäldern zu beheben". Vier Millionen Bäume müssten ersetzt werden. Wegen der zerstörten Wälder wachse die Gefahr weiterer Erdrutsche und Lawinen.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, versprach eine rasche Aufräumarbeiten in den Wäldern. Die Gegend bange um die bevorstehende Skisaison.

Tausende Familien ohne Strom

Leitungsmasten stürzten bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometern pro Stunde um. 100 Kilometer Straßen sowie Häuser und Autos wurden durch Wasser und Schlammmassen zerstört. Der Sturm riss Schneisen in die Wälder – 100.000 Hektar Wald von Udine bis zum Trentiner Fleimstal wurden vernichtet.

Tausende Familien sind zurzeit isoliert und sitzen im Dunkeln. Helikopter der Armee sind dabei, Generatoren in die betroffenen Gebiete zu bringen. Auch die Situation auf den Straßen ist dramatisch. Hunderte Bäume blockieren die Wege, Erdrutsche haben ganze Aquädukte weggefegt.

Die Lagunenstadt Venedig hatte am Montag unter Wasser gestanden. Der italienische Zivilschutz sprach von einer der komplexesten Wetterlagen der vergangenen 60 Jahre.

Und auch in den nächsten Tagen bleibt das Wetter in der Gegend wechselhaft. "Ganz so schlimm sieht es nicht mehr aus, von einer längerfristigen Entspannung kann man allerdings noch nicht reden", sagt Cédric Sütterlin, Meteorologe bei Meteonews, zu "20 Minuten". In den nächsten Tagen erwartet Sütterlin für den Nordosten Italiens viele Wolken und auch immer wieder Regenfälle.

"Bis am Mittwoch dürften in der Region der Dolomiten bis zu 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, das ist immer noch erheblich." Allerdings würde sich die Strömung gegen Westen bewegen. "Wir erwarten dann vor allem in der Gegend um Turin starke Niederschläge von bis zu 200 Liter pro Quadratmeter", so Sütterlin.


Video: Storyful/20 Minuten/Leser-Reporter

Zehn Tote bei Überschwemmungen auf Sizilien

Aber auch der Süden des Landes ist von den schweren Unwettern betroffen. In der Nacht auf den Sonntag hatten Taucher bei einem "dramatischen Einsatz" neun Leichen aus einem gefluteten Landhaus auf Sizilien geborgen.

Das Unglück geschah unweit von Palermo in Casteldaccia. Dort war der Wasserpegel eines Flusses wegen der heftigen Regenfälle in der Region rapide angestiegen, wie italienische Medien berichteten. Bei den Toten handele es sich um Angehörige zweier Familien. Wie die Rettungsdienste am Sonntag mitteilten, waren unter den Opfern Kinder im Alter von einem, drei und 15 Jahren.

Auch ein 44-jähriger Tankstellenbetreiber kam der Nachrichtenagentur ANSA zufolge am Samstagabend in der Gemeinde Vicari ums Leben, als er einem Mitarbeiter zu Hilfe eilen wollte. Ein 20 Jahre alter Beifahrer wird weiterhin vermisst.

In der sizilianischen Provinz Agrigent starben außerdem zwei Menschen, deren Auto von einem Hochwasser führenden Bach mitgerissen worden war. In der Kleinstadt Corleone wird ein Arzt vermisst, der auf dem Weg zum örtlichen Krankenhaus war und wegen des Unwetters sein Auto unterwegs stehen lassen musste.

Bereits Anfang der Woche hatte heftiger Regen auf Sizilien Überschwemmungen ausgelöst. Viele Straßen waren unpassierbar, Schulen blieben geschlossen.

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(bee)

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