Wirbel um Lehrmittel

29. Oktober 2018 11:11; Akt: 29.10.2018 11:12 Print

Schulbuch propagiert Sex-Verbot für Teenager

"Selbstbefriedigung führt zu Abhängigkeit, bei Pornografie werden Menschen ausgebeutet": Das (unter anderem) steht in einem Sexualkunde-Buch geschrieben.

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"Wir Powergirls" (das schlaue Mädchenbuch) und "Rakete startklar" (Wie aus Jungs echte Kerle werden): So heißen die neuen Lehrmittel zur Sexualkunde für 10- bis 13-Jährige von der Stiftung "Zukunft CH". Mit 4.000 Briefen wurden sie in der Deutschschweiz fleißig beworben. Laut Stiftung haben 300 Schulen die Bücher bereits bestellt.

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Sollten Schulen diese Lehrmittel benutzen?
19 %
78 %
3 %
Insgesamt 90 Teilnehmer

Wie der "Tages-Anzeiger" berichtet, ist das Schulbuch auf den ersten Blick nach methodisch geltenden Standards aufgebaut und enthält niedliche Zeichnungen. Trotzdem zeigt sich der nationale Dachverband Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGCH) äußerst besorgt. Er verschickte letzte Woche einen zweiseitigen Brief an Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP). Darin heißt es, das Schulbuch widerspreche der menschenrechtsbasierten Sexualaufklärung und decke nicht alle Themenbereiche ab, die im Lehrplan verankert seien.

Christkonservative Organisation

Die Stiftung Zukunft CH sei eine christkonservative Organisation, so die Zeitung. Der Gründer, ein ehemaliger Pfarrer, spricht sich klar gegen "die schleichende Einführung der Scharia" aus und engagiert sich etwa auch gegen Schwangerschaftsabbrüche.

Gegen den Vorwurf, christliche Propaganda zu verbreiten, wehrt sich nun aber die Mitautorin des Buches, Regula Lehmann. Sie kritisiert die "Mainstream-Sexualkunde" als zu explizit. Viele Kinder fühlten sich davon abgestoßen und in ihrem Schamgefühl verletzt, wenn im Unterricht über einzelne Sexualpraktiken berichtet werde. Diese Verletzung mache die Kinder anfälliger für Missbrauch und frühen Pornokonsum.

Selbstbefriedigung führt zu Abhängigkeit

In ihrem Lehrmittel will Lehmann die Informationen auf kindgerechte Art vermitteln. Die Autorin räumt zwar ein, ihr Buch sei "wie jedes andere Lehrmittel auch" von Wertvorstellungen geprägt. Sie sehe es als Ergänzung zu herkömmlichen Schulbüchern.

"Lehrmittel ist lustfeindlich"

Bei Fachleuten kommen die umstrittenen Inhalte nicht überraschend schlecht an. Sie raten Schulen davon ab, das Buch zu benutzen. Annelies Steiner von "Sexuelle Gesundheit Schweiz" kritisiert unter anderem, dass bei der Erklärung der Anatomie des weiblichen Körpers die Klitoris fehle: "Sie ist das Lustorgan der Frau. Dies zeigt, wie lustfeindlich das Lehrmittel ist."

Hier ein paar Auszüge:

• Sex:"'Sex haben' ist nicht für Kinder oder Teenager gedacht, sondern gehört ins 'Reich der Erwachsenen'"

• Selbstbe­friedigung: "Führt in Abhängigkeit"

• Abtreibung: "Kinder sind ein Wunder und keine Ware, die man wegmacht"

• Pornografie: "Menschen werden benutzt und ausgebeutet"

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(red/20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Salomon am 29.10.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Das im 21.Jhdt!

    Manche Menschen leben noch im Mittelalter, wollen Menschen durch Verbote unterdrücken und wollen die Realität nicht wahrhaben. Traurig.

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  • Kannitverstan am 29.10.2018 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Vorbereitung?

    Doch worauf? Ich ahne da etwas.

  • Eleonore am 29.10.2018 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, es wurde

    Nun, es wurde in den letzten Jahrzehnten für Sexuelle Freiheit und Offenheit gekämpft, jetzt wo es fast erreicht ist beginnen ein paar "Moralapostel" das Rad wieder zum zurückdrehen ! Eine unglaubliche Blödheit !

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Eleonore am 29.10.2018 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nun, es wurde

    Nun, es wurde in den letzten Jahrzehnten für Sexuelle Freiheit und Offenheit gekämpft, jetzt wo es fast erreicht ist beginnen ein paar "Moralapostel" das Rad wieder zum zurückdrehen ! Eine unglaubliche Blödheit !

    • Fritz Trözter am 30.10.2018 05:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eleonore

      Wenn ich mir ansehe wohin die ach so freie Moral geführt hat bin ich mir da nicht sicher. Beisoiele: MeeToo, Köln, Freiburg und viele weitere Orte. Werbebeschränkungen sind auch so ein Beispiel. Und allein in einem Aufzug mit einer Frau ist in der Zwischenzeit ein mindestens juristisches, gesellschaftliches und karrierevernichtetes Risiko geworden. Soviel zur sexuellen Revolution. Vom Stromverbrauch der ganzen Internetseiten, angeblich 80 Prozent des Bedarfs, ganz zu schweigen.

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  • altmodisch am 29.10.2018 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    autobahn

    Also i bin vater von drei kindern mädchen und buben. Und meine erklärung lautet: sex = learning by doing--> wenn du dass kannst dann kannst eigene wohnung haben, eigenes geld verdienen und hoffentlich auch so verantwortungsvoll sein um sich um eigene kinder kümmern! Deshalb vertrette ich meinung sex erst in der ehe. Ich weiss und freu mich schon über kommentare über mittelalter oder ähnliches aber hey ist mir egal! Ich steh nicht auf geschichten wie manche so sexerfahrung haben als würden sie auf der autobahn wohnen.

  • Kannitverstan am 29.10.2018 12:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Vorbereitung?

    Doch worauf? Ich ahne da etwas.

  • peter am 29.10.2018 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    ja, sollen doch Teenager ganz Jung und anschließend jede Woche Geschlechtsverkehr mit jemanden anderen haben. Das ist Intelligenz-Fördernt.

    • Joseph am 29.10.2018 17:38 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Ihr Eltern sind beneidenswert - hatten jeden Tag 6

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  • Salomon am 29.10.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Das im 21.Jhdt!

    Manche Menschen leben noch im Mittelalter, wollen Menschen durch Verbote unterdrücken und wollen die Realität nicht wahrhaben. Traurig.

    • Solomann am 29.10.2018 14:23 Report Diesen Beitrag melden

      Das im Hier und Jetzt

      und WAS ist die Realität ? Sexualkunde in der 2. klasse!

    • Kritischer Geist am 29.10.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Salomon

      Stimmt! Es gibt sogar ein Volksbegehren, das die Einführung neuer Verbote fordert. Absolut einzigartig in der Geschichte der Menschheit, dass sich das Volk zusammentut und sich an die Machthaber richtet mit dem Wunsch, man möge ihm etwas verbieten was vorher erlaubt war.

    • Laura am 29.10.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      zurück ins Mittelalter

      Am besten gleich erklären--Mädchen sollen heiraten, Kinder kriegen und zuhause bleiben und Jungs sollen arbeiten und geld verdienen. Das hat nichts mit Vorschritt zu tun, eher Rückschritt zurück in die Vergangenheit.

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