Darwin's Circle

28. September 2017 15:38; Akt: 28.09.2017 16:40 Print

"Was nützt Digitalisierung, wenn ich kein Geld habe?"

Bei der exzellent besetzten IT-Konferenz "Darwin's Circle" diskutierte Bundeskanzler Kern mit Digital-Tycoon Alexander Karp über die Chancen und Gefahren der Digitalisierung.

Palantir-CEO Alexander Karp, Bundeskanzler Christian Kern und Moderator Nikolaus Pelinka beim

Palantir-CEO Alexander Karp, Bundeskanzler Christian Kern und Moderator Nikolaus Pelinka beim "Darwin's Circle" in Wien. (Bild: Klaus Ranger)

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Im Haus der Industrie am Wiener Schwarzenbergplatz trafen sich am Donnerstag Spitzenmanager aus Politik, Wirtschaft und IT-Szene zur Digitalisierungskonferenz „Darwin’s Circle“. Bundeskanzler Gristien Kern (SPÖ), Konzernchefs internationaler IT-Unternehmen und IT-Experten traten bei der Veranstaltung auf. Facebook, Google, Alibaba, Palantir, Airbnb, BMW oder IBM waren bei dem Top-Event vertreten, der von Nikolaus Pelinka und Rudi Kobza organisiert wurde.

Kern für Kooperation zwischen Staat und Startups

Kanzler Kern sprach sich vor allem für eine enge Zusammenarbeit von Staat und Markt aus. „Staat und Markt sind keine Gegensätze“, so Kern. „Ohne staatliche Grundlagenforschung gäbe es kein iPhone“, so Kern. Der Staat könne vor allem helfen, „die Risiken der Grundlagenforschung zu nehmen“, so Kern.

"40 Prozent der Jobs, die zuletzt neu entstanden sind, kommen aus Neugründungen, viele davon sind Start-ups", sagt der Kanzler. Es sei eine Illusion, dass man die Digitalisierung bremsen könne. In Österreich dürfe es aber zu keinem Wettbewerb der niedrigsten Sozial- und Umweltstandards kommen. „Österreich kann mit seinem Wirtschaftsaufschwung keinen Billiglohnwettkampf gewinnen“, so Kern. Man könne nur dort bestehen, wo man „besser und innovativer als andere“ sei.

"Sozialer Zusammenhalt"

Zentrale Frage für Kern bleibe, wie „wir den Wandel nutzen und dabei auf den sozialen Zusammenhalt schauen“. Nur die Harmonisierung von staatlichen und privaten Initiativen hätte das Entstehen der großen digitalen Ökosysteme ermöglicht, so Kern. Seine Beispiele: das Silicon Valley oder die Start-Up Szene in Israel.

Hausherr Georg Kapsch: Es gibt keine "digitale Revolution"

Hausherr und IV-Präsident Georg Kapsch wehrte sich in seinem Eingangsstatement gegen den Ausdruck „digitale Revolution": Vielmehr sei es eine "Evolution", die vor Jahrzehnten begonnen habe. Der einzige Unterschied zu früher sei, dass sich heute das Tempo rasant erhöhe.

Als jemand, der vor Jahrzehnten „in gewisser Weise“ selber ein Start-up geschaffen habe, betonte er den Unterschied zwischen Realwirtschaft und Start-ups. Ein Markt, in dem Start-ups binnen kürzester Zeit enorm an Wert zulegen, könne nicht im Interesse eine nachhaltigen Wirtschaft sein.

Kern und Kapsch einer Meinung

Hier waren Kapsch und Kern einer Meinung: Den Wettlauf um die Zukunft könne die Gesellschaft nur gewinnen, wenn man trotz Digitalisierung den „sozialen Zusammenhalt“ nicht aus den Augen verliere. Allerdings müsse man mehr auf die Eigenverantwortung Einzelner setzen, meinte der IV-Präsident.

IT-Tycoon als verkappter Sozialdemokrat

Nikolaus Pelinka von Darwin's Circle moderierte dann die Anschlussdiskussion zwischen Kern und „Palantir Technologies“-Chef Alexander Karp, der sich als verkappter Sozialdemokrat outete.

Big-Data-Spezialist „Palantir Technologies“ wurde ursprünglich mit dem Fokus auf Terrorismus-Prävention im öffentlichen Sektor gegründet. Heute analysiert Palantir in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft große Datenmengen. Überwachungsspezialist Palantir, bei dem Ex-SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas arbeitet, ist auch für US-Geheimdienste wie die NSA aktiv.

"Ich bin eher schüchtern"

Von Moderator Nikolaus Pelinka darauf angesprochen, wieso er eher selten Interviews gebe, antwortete der geheimnisvolle Silicon-Valley-Tycoon mit einem Augenzwinkern: "Das ist nicht so mein Ding, ich bin eher schüchtern. Und das Geschäft läuft so auch gut."

Karp räumte ein, dass eine wilde Digitalisierung Gefahren berge. Die erste Etappe der Digitalisierung habe Europa laut Karp eher benachteiligt. Nun gehe es aber darum, eine Verschmelzung von Digital- und Realwirtschaft anzustreben. Dabei habe Europa gute Karten. Karp: "Ich kenne kaum ein Land, in dem die Menschen so gebildet und fleißig sind wie in Österreich."

Digitalisiert, aber pleite

Kerns Befürchtung, die Digitalisierung produziere potenziell Verlierer, teilte Karp. Die Digitalisierung biete zwar enorme Chancen. "Aber was habe ich davon, wenn ich keine Geld habe?", fragt Karp.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Helmut Quali am 28.09.2017 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei

    Ohne staatliche Grundlagenforschung gäbe es kein iPhone, so Kern. Herr Kern: es war nicht Österreich, dass die Grundlagenforschung finanziert hat :) In Österreich wird nichts gemacht außer gejammert. Herr Kapsch ist kein Start-Up Gründer, er hat die Firma übernommen--Familienbetrieb :)

  • Bruno am 28.09.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SPÖ Freundeskreis

    Und wieder einmal eine Gesprächsrunde wo Bundeskanzler und Moderator befreundet sind. Scheinbar tritt die Prinzessin nur noch dort auf, wo Freunde die richtigen Fragen stellen

  • Sagt am 28.09.2017 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    einmal

    liebe Heute? WER ist (GP)? DEN Job kann ich auch :o) Zit.: Bundeskanzler Gristien Kern (SPÖ) - selten so geschmunzelt XD (Screenshot abgespeichert^^)

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Karl Marx am 30.09.2017 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was tun wenn ich keinen Strom habe?

    Digitalisierung ist sinnvoll und innovativ, doch ohne Strom steht der halbe Planet Erde wieder im Mittelalter oder schlimmer. Die menschliche Technologie ist extrem anfällig und zerbrechlich. Die Elektronik muss Wege gehen, die alternative Energien und Kommunikation ohne großen technischen Aufwand ermöglichen. Bsp. Licht durch Schwerkraft oder Telefonieren ohne Strom. Beides bereits publiziert. Diese Richtung ist die Richtige. Unabhängigkeit ist essentiell für das Überleben von digitalen Wissen!

    • montagswahnmache am 03.10.2017 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      bitte turnen sie mir das vor

      wie soll das gehen "telefonieren ohne strom" ? elektronische geräte funktionieren nicht ohne strom.

    einklappen einklappen
  • Pferdetaxi am 29.09.2017 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix nutzt es!

    Nur Statistiker tun sich dann leichter, wieviele 10% die grössten Anteil am Kuchen haben!

  • Hubert am 29.09.2017 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ander richtigen Stelle ansetzen

    Ist ja alles gut und schön, aber das eigentliche Problem liegt woanders. In Ö sind die Hürden eine Firma zu gründen und zu betreiben enorm. Hier gehört als erstes angesetzt. Weiters müssen Start-Ups finanziert werden. In Österreich versauert überdurchschnittlich viel Geld auf Bank- und Sparkonten, die Inflationsbereinigt sogar Verlust mit sich bringen. Dabei gibt es schon sehr einfache Möglichkeiten lukrativ in Start-Ups zu investieren für jedermann. Da sind andere Länder wie Schweden oder GB, sogar Deutschland auch schon viel weiter als wir. Wenn wir so weitermachen verlieren wir den Anschluß

  • Bruno am 28.09.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SPÖ Freundeskreis

    Und wieder einmal eine Gesprächsrunde wo Bundeskanzler und Moderator befreundet sind. Scheinbar tritt die Prinzessin nur noch dort auf, wo Freunde die richtigen Fragen stellen

  • Sagt am 28.09.2017 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    einmal

    liebe Heute? WER ist (GP)? DEN Job kann ich auch :o) Zit.: Bundeskanzler Gristien Kern (SPÖ) - selten so geschmunzelt XD (Screenshot abgespeichert^^)