WKO-Studie

31. August 2018 10:17; Akt: 31.08.2018 10:17 Print

Österreichs Wirtschaft fehlen 162.000 Fachkräfte

Den heimischen Unternehmen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. WKO-Chef Mahrer will, dass die Regierung gegensteuert.

Facharbeiter fehlen, in vielen Branchen gibt es auch zu wenige Lehrlinge. (Bild: iStock)

Facharbeiter fehlen, in vielen Branchen gibt es auch zu wenige Lehrlinge. (Bild: iStock)

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Österreichs Wirtschaft brummt, heuer wird sie um 3,1 Prozent zulegen. Doch ein Umstand hemmt den Aufschwung: Der Wirtschaft fehlen 162.000 Fachkräfte. Laut einer Studie der Wirtschaftskammer spüren bereits 87 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel.

Umfrage
Sollen abgelehnte Asylwerber eine Lehre machen dürfen?
85 %
4 %
5 %
6 %
Insgesamt 605 Teilnehmer

"Wenn wir nicht gegensteuern, wird der Fachkräftemangel zu einem Problem, das in der Endlosschleife läuft", warnte WKÖ-Präsident Harald Mahrer. Knapp die Hälfte der Unternehmen klagten, dass der Fachkräftemangel dazu führe, dass sie Produkt- und Serviceinnovationen einschränken müssen.

Mehr Lehrlinge könnten das Problem mildern. Doch die Bundesregierung will Asylwerbern den Zugang zur Lehre verbieten. Derzeit sind rund 1.000 asylwerbende Personen unter 25 Jahren in einer Lehre tätig – der Großteil im Gastronomiegewerbe.

Der Appell

Die Internetplattform "aufstehn.at" hat deshalb den Appell "Lasst sie eine Lehre machen!" an Bundeskanzler Sebastian Kurz und Sozialministerin Beate Klein-Hartinger gerichtet. Die Bundesregierung solle Asylwerbern den Zugang zur Lehre nicht verbieten.

Bisher hatte ein Erlass aus dem Jahr 2012 Asylwerbern erlaubt, eine Lehre in Mangelberufen zu machen. Damit wurde eine Möglichkeit für Unternehmen geschaffen, dringend benötigte Lehrlinge als Fachkräfte auszubilden. Dieser Erlass soll jetzt aufgehoben werden. Bis Freitag Mittag hatten mehr als 31.000 Menschen den Appell bereits unterzeichnet.

Starker Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel sei bereits für 87 Prozent der Betriebe spürbar, 75 Prozent der Betriebe litten bereits unter starkem Fachkräftemangel. Zum Vergleich: 2017 fühlten sich „erst“ zwei Drittel der Betriebe vom Fachkräftemangel betroffen. 60 Prozent der Betriebe sagten, dass der Fachkräftemangel zu Umsatzeinbußen führe oder bald führen werde. 82 Prozent der Betriebe befürchteten in den nächsten drei Jahren eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels in ihrer Branche.

Arbeitskräfte werden weniger

Hintergrund des Fachkräftemangels sei der Rückgang des Arbeitskräfteangebots, so Mahrer: Die Zahl der 20- bis 60-Jährigen, also der Personen im Erwerbsalter, erreiche heuer ihren Höhepunkt. Ab 2019 nehme die Zahl ab und werde bis zum Jahr 2030 um mehr als 230.000 Personen zurückgehen. Schon 2024 werde es um 40.000 60-Jährige mehr als 20-Jährige geben.

"Gegensteuern"

"Wenn wir nicht gegensteuern, wird der Fachkräftemangel zu einem Problem, das in der Endlosschleife läuft", warnte Mahrer am Rande eines Besuchs in Singapur im Gespräch mit der APA. Dabei setzt die WKÖ auf die Ausbildung von Ausländerinnen und Ausländern in heimischen Lehrbetrieben: Mahrer will einen eigenen Aufenthaltstitel für Lehrlinge aus Drittstaaten, wie es ihn bereits für Schüler und Schülerinnen sowie Studierende gebe.

Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte

Die Rot-Weiß-Rot-Karte müsse reformiert werden, damit die Verfahren schneller und unbürokratischer werden. Die Mangelberufsliste soll regional erstellt werden. Dann könnten etwa Köche und Köchinnen und Programmierer und Programmiererinnen aus Drittstaaten (außerhalb der EU) gezielt für ein Bundesland, wo derartige Fachkräfte gesucht werden, eine Arbeitsgenehmigung bekommen, so Mahrer.

Humanitäres Bleiberecht

Asylwerber und Asylwerberinnen, die eine Lehre in einem Mangelberuf machen und deren Asylantrag abgelehnt wird, könnten über das humanitäre Bleiberecht ein Aufenthaltsrecht bekommen. Dabei würden die Integration, die Deutschkenntnisse des Lehrlings und der Bedarf der Wirtschaft geprüft - der bei einer Lehre im Mangelberuf wohl vorhanden sei, so Mahrer.

Das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) hatte im Auftrag der WKÖ Betriebe befragt und rund 4.500 Antworten ausgewertet. Die Hochrechnung der Ergebnisse besagt, dass österreichweit rund 162.000 Fachkräfte gesucht werden. Durch die Betriebsbefragung ergeben sich laut WKÖ genauere Zahlen, da viele Unternehmen ihren Bedarf gar nicht mehr dem Arbeitsmarktservice (AMS) melden.


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(red)

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  • Isso am 31.08.2018 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstgemachtes Problem...

    Fachkräfte werden dringend benötigt - kosten sollen Sie halt nichts. Folge: Wird schlecht gezahlt so geht man halt ins Ausland und natürlich fehlen dann entsprechend Fachkräfte. Würde man das Gehalt erhöhen und die Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern wären auch die Fachkräfte da wo man Sie sich wünscht...

  • Heimatland am 31.08.2018 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht ändert sich ja noch was

    Dieses Problem ist nicht durch Migration sondern durch eine geänderte Bildungspolitik zu lösen. Jahrelang hat man uns von Seiten der OECD und anderer Organisationen eingebläut der Akademikeranteil sei zu niedrig, der Anteil an Maturanten müsse in Österreich gesteigert werden.. . und jetzt erleben wir die Auswirkung dieser gesellschaftspolitischen Fehlplanung. Das offen auszusprechen galt als Tabuverletzung, gleichzeitig wurde gejammert über den Rückgang des Bildungsniveaus, was einelogischeFolge davon ist, dass 30 Prozent der Schüler überfordert sind in höheren Schulen!

    einklappen einklappen
  • Ehklar am 31.08.2018 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Die Asylwerber ohne positiven Bescheid machen das Kraut auch nicht fett! Die Wirtschaft soll ihren Nachwuchs ausbilden.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Silvia K. am 01.09.2018 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    So, so Fachkräfte fehlen!

    Na wie wäre es denn damit Ausbildungen zu finanzieren, oder zumindest zu unterstützen. Und arbeitslose Menschen, die eine Umschulung erhalten die Sinn macht, werden auch Arbeit finden. Also hört auf die Menschen in sinnlose Computerführscheinkurse zu stecken und macht was Sinnvolles!

  • Nocheinposter am 01.09.2018 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ned raunzen liebe Wirtschaft

    Ich kann es schon nicht mehr lesen!!! Direkt nach der HTL habe ich über 1 Jahr einen Job gesucht...wenn einmal eine Antwort kam dann stand drinnen das ich zuwenig Erfahrung hätte...würden unsere Unternehmen mehr Geld und Zeit nehmen könnte man auch Fachkräfte ausbilden. Wenn man dann auch noch darauf schaut das die Guten Fachkräfte dann noch im Unternehmen bleiben dann hat man schon gewonnen ... aber es wird von der Wirtschaft her immer nur geraunzt. Und bzgl. Fachkräftemangel in der Gastronomie...wundert mich nicht wie es da zugeht und das bei mieser Bezahlung!

  • Burger am 01.09.2018 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angenehmer

    Österreich hat 60.000 Mindestsicherung Bezieher unter 25 Jahre!!! Ist halt angenehmer mit Leistungsfreien Einkommen als zu arbeiten.

  • flexi60 am 31.08.2018 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    so aber nicht

    Dumme Wirtschaft und da kommt ihr jetzt drauf das es einen Mangel an Facharbeitern gibt ihr von der Wirtschaft euch als Managern und Chefs auf was habt ihr die letzten Jahrzehnte gewartet das sich die Leute in genau den fehlenden Branchen selbst ausbilden. Nein ihr müsst diese Gruppen anständig bezahlen dann werdet ihr genügend Fach Personal haben, aber einen Hungerlohn bezahlen wollen und nörgeln es will keiner nein so geht das nicht oder wollt ihr die Eu Politiker mit noch größerer Blödheit schlagen

  • Auchnemeinung am 31.08.2018 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich dachte

    Seit 2015, seien so viele "Fachkräfte", bei uns "gelandet?!