Amazon-Logistikzentrum

05. Dezember 2018 12:38; Akt: 05.12.2018 15:57 Print

"Algorithmus feuert jeden, der zu lange nichts macht"

Der Manager eines Amazon-Logistikzentrums beschreibt in einem Interview das brutale Arbeits-Regime beim Versand-Riesen. Wer zu viele Minuten nichts macht, wird vom System entlassen.

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Die Weihnachtszeit bedeutet für Logistikunternehmen und Versandhandel Höchstbetrieb. Das bedeutet nicht selten Knochenarbeit und zum Teil unzumutbare Bedingungen für Angestellte. Besonders der Versand-Platzhirsch Amazon kam zuletzt immer wieder in die Kritik, unmenschliche Arbeitsbedingungen zu haben.

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In einem Interview mit dem US-Portal "Vox.com" hat der Manager eines Logistikzentrums unter dem Deckmantel der Anonymität erklärt, wie sein Beruf aussieht und wie viel Einfluss das automatisierte Überwachungssystem hat.

Tägliches Zeitkonto für "Off-Time"

Seinerzeit wurde Amazons System streng reglementierter WC-Pausen berüchtigt. Es gebe zwar keine fixen Toiletten-Zeiten, allerdings es eine Art Zeitkonto für Nicht-Beschäftigung, das automatisch erfasst wird, erzählt der anonyme Manager.

Das System liest nämlich die Zeitstempel der Pakete ab und hält so Buch über die Aktivitäten der Mitarbeiter. 60 Pakete macht ein Mitarbeiter im Schnitt pro Stunde (!) versandfertig, erzählt der Manager – also eines pro Minute.

Wenn ein Mitarbeiter mehrere Minuten nichts macht, tickt automatisch das 15-Minuten-Kontingent, das Mitarbeiter pro Tag für Inaktivität haben, rückwärts. Zusätzlich dazu haben Mitarbeiter einmal eine 30-Minuten-Essenspause sowie zweimal 15-Minuten-Pausen.

"Ich konnte gar nichts machen, um Mitarbeitern zu helfen"

Wenn ein Angestellter insgesamt 30 Minuten nichts arbeitet, gibt es ein Mitarbeitergespräch. Wer an einem Tag insgesamt mehr als eine Stunde "Off-Time" hat, wird vom System automatisch und sofort gefeuert.

"Es war sehr schwer für mich, weil die Entlassung völlig automatisch geschah. Ich konnte gar nichts machen, um Mitarbeitern zu helfen", erzählt der Manager. Er konnte nicht über die Entlassung entscheiden, musste es aber den Mitarbeitern anschließend mitteilen.


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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WC. zum scheisen am 05.12.2018 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Geld Fressen

    Bin ich froh das die super Manager noch Millionen Abfertigungen bekommen.

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  • j.l. am 05.12.2018 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    ich bin akkordarbeit gewohnt aber das alles geht schon zu weit. rauchverbote in faBRIKEN WO DER STAUB SCHÄDLICHER IST: IMMER MEHR LEISTUNG FÜR GLEICHZEITIG GESTRICHENE AKKORDZEITEN und nun das noch. hiermit bin ich für den arbeitsmarkt nicht mehr geeignet, stresst mich zu viel und macht mich krank, psychisch und körperlich. hiermit verabschiede ich mich offiziell aus der arbeitswelt. frohes schaffen wenn man das überhaupt noch sagen darf ohne das wer an sarkasmus denkt

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  • M. Stern am 05.12.2018 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Absurd und blödsinn

    Ich würde jedem Mitarneiter seine 5min Raucherpause alle Stunden geben egal ob er raucht oder nicht. Man ist produktiver wenn man enspannt arbeitet als wenn man unter druck und stress arbeitet. Klar im ersten Moment sieht man nur die verlorene Zeit doch wenn man das gesamte sieht ist der Mensch mit kleinen Pausen entspannter. Und das ist mitlerweile Bewiesen das hat selbst bei meiner Weiterbildung zum Betriebswirt ein Professor gesagt. Amazon baut nur miest zum Glück habe ich noch nie was bei denen bestellt.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Kritikus44 am 09.12.2018 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    Buchhandlung

    Wer hat bei Büchern so eine Auswahl wie Amazon? Zwangsläufig und problemlos kaufe ich Alle dort. Wem es dort nicht gefällt, kann ja kündigen.

  • Vampizza am 08.12.2018 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Steigerung Roboter

    Es geht in Richtung ja der Roboter kann es ja noch besser! Wenn die Roboter nicht so teuer wären momentan würden sie schon gestern umstellen auf Robobetrieb.

  • Censorship am 06.12.2018 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Kunden ohne Moral....

    Wen interessiert es, solange die dumpfe Masse billig bei Amazon kauft... Zu Weihnachten will man auch Pop up Läden aufmachen. Was bedeutet, die "Angestellten" sind zu Weihnachten wieder arbeitslos....

  • Nora am 06.12.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Dagegen

    Was können wir dagegen tun?? Einen Tag lang (oder mehrere) global nix bestellen! Solange es Kunden gibt, wird sich nie was ändern. Und Lieferzeiten verkürzen, wäre für Kunden nix schlimmes. Dann gibts halt keine 12 Stunden Lieferung.

  • Schiele am 06.12.2018 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    @Durchdenker&Jörg.

    Solltet ihr Arbeitnehmer sein wünsche ich euch ein solches System auf eurem Arbeitsplatz und zusätzlich noch kräftigen Durchfall.