Ohne Banken

20. Juni 2019 12:12; Akt: 20.06.2019 13:58 Print

"Jeder wird sich eigenes Geld ausstellen können"

Das neue Geld von Facebook sei erst der Anfang, sagt der Schweizer Banker Richard Olsen. Er arbeitet daran, dass jeder eigenes Geld herausgeben können soll.

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Herr Olsen, Facebook hat Pläne für die eigene Währung Libra vorgestellt. Wird sie die Banken überflüssig machen?

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Das Facebook-Geld Libra ist wie ein Riss im Damm der Finanzindustrie. Bislang hat die Blockchain-Technologie bei ihr noch nichts verändert. Nun aber kommt Facebook und bringt Schwung in die Sache. Denn wir haben längst die Technologie für ein neues Geldsystem ohne Banken.

Werden die Banken mit Libra gerade rechts überholt?

Als das Smartphone kam, konnte sich am Anfang niemand vorstellen, dass man damit mehr kann als nur telefonieren. Es hat eine Weile gedauert, bis klar wurde, welche Revolution das ist. Ähnlich ist es mit der Blockchain.

Was meinen Sie damit genau?

Der Libra zeigt, dass es dank Blockchain ganz neue Zahlungsmittel geben kann. Das hat nichts mit Kryptowährungen wie Bitcoin zu tun. Im Prinzip geht es um digitale Münzen, sogenannte Token. Es ist nicht mehr nötig, dass Notenbanken fälschungssichere Banknoten drucken und wir mühsam mit Münzen und Banknoten bezahlen.

Wie funktionieren diese Token?

Das geht noch über Facebooks Libra hinaus. Der Libra ist mit herkömmlichen Währungen hinterlegt. Aber Token haben private Sachwerte zur Grundlage. Das heißt: Jeder kann einen Kredit aufnehmen, indem er etwa den Verkaufswert seines Autos als Pfand angibt und sich eigenes Geld ausstellt. Auch Unternehmen wie Amazon können ihr eigenes Geld herausgeben. Es wird den Amazon-Dollar geben. Das ist noch revolutionärer als der Libra.

Wieso sollen denn Detailhändler Geld herausgeben?

Detailhändler geben schon jetzt Geld heraus: die Cumulus- oder Superpunkte sind schon heute ein spezielles Zahlungsmittel. Dank Blockchain-Technologie können Firmen ihre Gutscheine als digitaler Token herausgeben und so können wir diese Token zum Bezahlen einsetzen. Mit solchen Amazon-Token können auch Mitarbeiter bezahlt werden.

Dann gäbe es unzählige Parallelwährungen?

Die Token-Economy wird eine Welt mit Tausenden von Parallelwährungen werden. Das täuscht aber, denn es wird eine Reihe von Leitwährungen geben mit einem sehr großen Marktanteil. Aber nicht so groß wie der heutige Dollar und Euro. Ich erwarte, dass Städte eine größere Bedeutung erlangen werden und ihre Tokens eine lokale Leitwährung sein werden. So wird es auch einige Unternehmens-Token als Leitwährungen geben.

Wie aber soll ich etwa mit einem Amazon-Gutschein bei anderen Firmen bezahlen?

Reisen wir im Ausland, können wir mit unseren Kreditkarten auch in anderen Währungen wie Dollar, Pfund oder auch Rubel bezahlen. In gleicher Weise geht das mit den Token im Smartphone: Vom Nutzer unbemerkt wird der Amazon-Gutschein in den Token gewechselt, die der Empfänger erhalten möchte. Die Verkaufs- und Kauftransaktion der verschiedenen Token wird im Hintergrund abgewickelt.

Was soll der Vorteil gegenüber der jetzigen allgemeinen Währung sein?

Es wird ähnlich wie beim traditionellen Tauschwarenhandel: Die Token-Economy wird es auch Privatleuten viel einfacher machen, eigene Token zu lancieren und so ihre Projekte effizient zu finanzieren.

Die Notenbanken haben die Funktion, die Wirtschaft zu steuern und die Werthaltigkeit des Geldes zu garantieren.

Notenbanken wird es weiterhin geben, aber ihre Bedeutung wird abnehmen, da der Marktanteil der traditionellen Währungen sinkt. Es ist heute ein großer Nachteil, dass die Notenbanken und ihre traditionellen Währungen keine Konkurrenz haben. Die Parallelwährungen werden das Wirtschaftssystem stärken.

Haben Blockchain-Firmen wie Ihre das Recht, neues Geld herauszubringen?

Wir haben die Lizenz als Wertschriftenhändler bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) beantragt. Dafür haben wir zwei Jahre lang alle möglichen Nachweise zusammengestellt. Die Lizenz ist ein wichtiger Schritt, um unsere Produkte auf den Markt zu bringen. Die Schweiz ist mit 700 bis 1.000 Firmen einer der weltweiten Hotspots für die Entwicklung der dafür nötigen Blockchain.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredl am 20.06.2019 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Digitale Kontrolle der Staaten

    Nur Bares ist Wahres!

    einklappen einklappen
  • Changer am 20.06.2019 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    Tausche 2 Kickl-Kreuzer

    gegen 5 Kurz-Kronen.

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  • Armin am 21.06.2019 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Easy

    Alles klar. Wenn mein Notebook oder mein Smartphone geklaut wird ist auch mein gesamtes Geld weg. So wird es sein.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Metatron am 23.06.2019 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wie was

    Man sollte sich Mal einen Überblick über diese Währungen und Wallets verschaffen . Google : Cryptolist

  • doris am 23.06.2019 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Währung!!!

    Hätte gerne Schillinge hatten die meiste Kaufkraft!!!

  • Klarsteller am 21.06.2019 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Mission: unwissenheit bekämpfen, dank keiner

    Da sich anscheinend so viele nicht auskennen will ich mal klarstellen, dass man die Wallets wo das Geld gespeichert ist auch auf dem neuen Handy wiederherstellen kann sowie die anderen darin gespeicherten Daten. Dazu bei der App des Wallets der Währung die man hat downloaden und die phrase und dazu gehörigen Pin eingeben, fertig. Der Handy dieb kann zwar die App mit einer Künstlichen Fingerabdruckanfertigung/(auch Face-ID) mit Vorlage vom Display öffnen aber für Transaktionen bräuchte er zusätzlich den Wallet Pin. Zumal der dieb das Handy wohl sofort ausschalten und neu konfigurieren würde.

  • Beimpold am 21.06.2019 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Währung basiert auf Vertrauen

    wer vertraut auf die Kryptowährung des AMS grundbesicherten Proleten - genaugesagt niemand ! Deswegen waren immer edelmetallbasierte Währungen stabil. Für einen Golddukaten konnte man vor 200 Jahren dasselbe kaufen wie heute. Die Papierwährungen von dieser Zeit kann man heute maximal verheizen. Allerdings ist das horten von Gold für den Privatmann mehr als risikoreich. Erstens einmal die Gefahr von Raub und Diebstahl und zweitens das drohende Goldverbot, wie beispielsweise in den USA bis 1971 oder in Deutschland 1936, wo sogar die Todesstrafe drohte.

  • Lauren am 21.06.2019 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wie vor paar Jahren erwähnt!

    War es damals noch "Verschwörungstheorien" und jetzt schaut das ganze schon anders aus! Ich lache dann wenn dann Leuten einfach so mit einem Klick alles gesperrt wird! Hat man dann noch ein Smart Home mit Chip zum reinkommen dann wird auch das gesperrt .... oder Smart Meter wo dann per Klick einem Haushalt kein Strom mehr zusteht. Das ist dann das neue Zeitalter wovon alle geträumt haben .... Problem nur sie haben weder Haus Verstand noch können über ihren Horizont blicken! Dumme Menschen eben .... Technik,Shoppen dumme Soaps schauen! Weiter so ...