Daten-Auskunft ausprobiert

22. April 2019 07:18; Akt: 22.04.2019 14:17 Print

Was die Post über meine politische Meinung "weiß"

von Lukas Urban - Die Post steht nach der Speicherung von "Parteiaffinitäten" in der Kritik. Ich habe herausgefunden, was sie über mich zu wissen glaubt – das Ergebnis überrascht.

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Die Aufregung war groß, als bekannt wurde, dass die Österreichische Post von rund 2,2 Millionen Menschen Parteiaffinitäten speicherte – und an politische Parteien für Wahlwerbung weiterverkaufte. Laut Datenschutzbehörde wurden Rechtsverletzungen festgestellt. Das Unternehmen hat die Daten gelöscht, ist aber der Ansicht, legal gehandelt zu haben.

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Doch: Was weiß die Post wirklich über mich und meine politische Einstellung? Mittels eines Auskunftsansuchens habe ich meine Daten angefordert.

20.000 Anfragen

Fast 20.000 solcher Anfragen haben das Unternehmen regelrecht überschwemmt, erzählt Post-Anwalt Stefan Prochaska im Gespräch mit "Heute.at". Aufgrund unvollständiger Angaben sowie Mehrfach-Anfragen erhielten schließlich knapp 9.000 Menschen ihre gespeicherten Daten. "Ein nicht zu unterschätzender Aufwand", so Prochaska.

Schon kurz nach dem Versand eines Musterschreibens trudelte eine kalmierende "Information" zu meiner Anfrage per Mail ein. "Tatsächlich speichert die Post keine Daten, die Rückschlüsse auf Ihre politischen Ansichten zulassen", heißt es da. Das Ziel: die treffsichere Verteilung von Werbesendungen.

Etwas mehr als fünf Wochen später war meine Auskunft nach der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) da. Ein sechsseitiges PDF mit allen Informationen, die die Post über mich gespeichert hat. Name, Geburtsdatum und Adresse stimmen noch, dann wird es allerdings abenteuerlich.

Affin für SPÖ, Neos und FPÖ

Denn laut Post bin ich sehr affin für Wahlwerbung der SPÖ, der Neos und der FPÖ. Sozialdemokraten und Liberale sitzen wenigstens beide in der Opposition und nehmen in manchen Punkten ähnliche Positionen ein – Überschneidungen mit den Freiheitlichen sind aber eher selten.

Die Zuordnung der "möglichen Zielgruppe für Wahlwerbung für Marketingzwecke erfolgte rein nach einem Berechnungsmodell", erklärt Anwalt Stefan Prochaska. Das Verfahren sei ähnlich wie bei Hochrechnungen an einem Wahlabend. Als Ausgangspunkt dienen Daten wie etwa Geschlecht, Alter oder Wohnort. Die Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Informationsquellen, Wahlsprengeln oder Gewinnspielen.

"Digitaler Individualist"

Die wiedersprüchlichen Partei-Affinitäten in meinem Fall sieht Prochaska als Beweis: "Genau daran erkennt man, dass die Daten nur statistisch hochgerechnet wurden und nicht das tatsächliche Wahlverhalten einer konkreten Person abbilden."

Außerdem wird mir ein "dominantes Geo-Millieu" zugeordnet. Demnach bin ich mit einer Wahrscheinlichkeit von 32,9 Prozent ein "digitaler Individualist". Also Teil der "individualistischen und vernetzten Lifestyle-Avantgarde", wie es in der Definition heißt. Es ist eine von mehreren Zielgruppen, mittels derer ebenfalls Werbung verteilt werden kann. Als Eigenbeschreibung käme mir das jedenfalls nicht in den Sinn.

Auch an anderer Stelle werden nicht ganz treffsichere Annahmen über mein Leben angestellt: Weder die Anzahl der Umzüge noch das Mindestjahreseinkommen jeder Person im Haushalt treffen auch nur ansatzweise zu.

Post stellt auch nach Löschung zu

Jeder hat übrigens das Recht, die Löschung seiner Daten zu beantragen. Doch keine Angst, sagt Anwalt Prochaska: "Selbstverständlich wird dann noch Post zugestellt." Hier sei zwischen Daten zu unterscheiden, welche die Post als Postdienstleister benötigt und jenen, die für Marketingzwecke verarbeitet werden.

"Für eine qualitativ hochwertige Zustellung benötigen wir in der Regel Straße, Hausnummer, Stiege, Tür, Postleitzahl, Ort und gegebenenfalls den Namen", so Prochaska. Zumindest diese Daten hat die Post in meinem Fall korrekt gespeichert, auch wenn die anderen Annahmen teilweise meilenweit von der Realität entfernt sind.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Postl am 22.04.2019 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    kann ich bestätigen,

    die liegen bei meinen Daten auch komplett daneben. Habe die Löschung von dem Nonsens beantragt da man von mir und meinem Haushalt ein völlig falsches Bild bekommt.Nachdem ich ein absolut unpolitischer Mensch bin frage ich mich ,wie die zu meiner "Affinität" kommen. Erinnert mich an den "Hexenring" ums Krankenhaus Nord.

  • stealth71 am 22.04.2019 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nachlegen

    Auch bei mir war die Parteiaffinität falsch, ebenso wie mein Jahreseinkommen (leider). Allerdings wäre es jetzt für alle wichtig nachzulegen, den in den Antwortschreiben der Post wurden 2 Firmen genannt, an die diese Daten weitergegeben, oder verkauft wurden. Nun sollte man konsequenter weise die Datenauskunft bei diesen Firmen einfordern, denn ich glaube erst da wird man wirklich sehen, was mit den teils falschen Annahmen über einen selbst passiert ist.

  • Mama Renate am 22.04.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Der Post Behördenbriefe wegnehmen!

    Je mehr Zugehörigkeiten zu irgendwas die Post den Datenschacheropfern unterstellt oder mit Absicht dazukonstruiert, desto mehr Datensätze können sie verkaufen. Ich würde sagen, man konstruiert einen möglichst attraktiven Scheinkonsumenten auf den die Marketingquatscher, die diesen Datenmüll ankaufen, hereinfallen. In der Folge kann die Post dann auch höhere Umsätze durch die Zustellung von Werbemüll an solche fingierte, falsche Profile generieren. Bitte als erste Maßnahme die Zustellung vom Behördenbriefen durch die Post verbieten, weil die Diskretion nicht mehr gegeben ist.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Free am 23.04.2019 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    @Betroffener

    Ist nach dem B-VG des DSGVO gesetzwidrig bzw. Daten von Peronen zu speichern. Das heißt die Post darf nur die Adresse speichern nach dem Meldegesetz. Sie hat keine Befugnisse nach der Judikatur. Gegen die Post ermittelt die Staatsanwaltschaft der Justiz. Tipp: Sie sollten sich auf die Robinsonliste (WKÖ) setzen lassen - dann kann die Post nicht mehr auf ihre bezogenen Daten zurückgreifen!

  • Betroffener am 22.04.2019 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Datenweitergabe laut Post zulässig!

    Neben der Parteizugehörigkeit werden auch Daten von Kindern und des Partners gespeichert, welche Lebensmittel bevorzugt eingekauft werden, die Höhe des Einkommens und sogar bereits veraltete Daten von Ortsabwesenheit. Die Post AG meint, dass die Datenweitergabe gem. § 151 Gewerbeordnung zulässig ist!!! Sie vergisst dabei, dass sie weder Adressverlag noch Marketingunternehmen ist und es keine Einwilligung dazu gibt. Hier müsste mE die Datenschutzbehörde gegen die Fachgruppe der Wirtschaftskammer f. Werbung und Marktkommunikation einschreiten, die dieses Gesetz mitträgt.

  • Gerhard am 22.04.2019 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    etwas ratlos

    Ich habe Anfang Jänner angesucht und bis heute diese Daten nicht erhalten. Monatlich erhalte ich stattdessen ein Mail dass wg der hohen Anzahl an Anfragen es zu Verzögerung kommt aber auf jeden Fall innerhalb der verlängerten ges. Frist (Anm. 3 Monate) diese Informationen zugesendet werden. Das letzte Mail erhielt ich nach dieser Frist. Kann mir ein Kundiger sagen wie ich zu meinen Daten komme?

    • Mama Renate am 22.04.2019 15:22 Report Diesen Beitrag melden

      Die Post klagen.

      Es wird schon einen Grund haben, warum sie die Daten nicht rausrücken wollen. Ich würde mir auch das unterfertigte Dokument vorlegen lassen, das beweist, dass Die Post ihre Daten verschachern durfte.

    • Marlene am 22.04.2019 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gerhard

      bei mir hat es auch lange gedauert, aber es kommt. Bei mir stimmte alles nicht. Aber man muss glaube ich extra um Löschung ansuchen

    • Desert Eagle am 23.04.2019 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Warum um Löschung

      ansuchen, wenn eh alles falsch ist?

    einklappen einklappen
  • Andreas am 22.04.2019 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Sammelklage

    Und? schliesst er sich der Sammelklage von Cobinclaims an?

  • Mama Renate am 22.04.2019 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Der Post Behördenbriefe wegnehmen!

    Je mehr Zugehörigkeiten zu irgendwas die Post den Datenschacheropfern unterstellt oder mit Absicht dazukonstruiert, desto mehr Datensätze können sie verkaufen. Ich würde sagen, man konstruiert einen möglichst attraktiven Scheinkonsumenten auf den die Marketingquatscher, die diesen Datenmüll ankaufen, hereinfallen. In der Folge kann die Post dann auch höhere Umsätze durch die Zustellung von Werbemüll an solche fingierte, falsche Profile generieren. Bitte als erste Maßnahme die Zustellung vom Behördenbriefen durch die Post verbieten, weil die Diskretion nicht mehr gegeben ist.