Nicht abbaubar

29. April 2019 10:02; Akt: 29.04.2019 10:29 Print

So sieht ein Bio-Sackerl nach 3 Jahren im Meer aus

Für Müll, Hundekot oder zum Einkaufen: Sackerl aus Bioplastik werden oft als umweltfreundliche Alternative beworben. Das sind sie allerdings nur bedingt.

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Auch Sackerl aus biologisch abbaubarem Kunststoff können länger die Natur belasten als wohl viele Menschen annehmen. Eine Studie zeigt, dass sie nach drei Jahren im Boden oder im Meerwasser noch so stabil sein können, dass sie auch mit mehr als zwei Kilogramm Inhalt nicht reißen.

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Am stärksten zerfiel biologisch abbaubarer Kunststoff - wie auch gewöhnlicher Kunststoff -, wenn er Luft und Sonne ausgesetzt war, berichten Imogen Napper und Richard Thompson von der Universität Plymouth (Großbritannien) im Fachmagazin "Environmental Science & Technology".

Mikroplastik verbieten

"Biologisch abbaubare, oxo-abbaubare und kompostierbare Kunststoffe werden häufig als mögliche Lösung gegen die Ansammlung von Plastikmüll und Abfällen angesehen", schreiben die Forscher. Oxo-abbaubare Kunststoffe enthalten Zusätze, die das Material rascher zerfallen lassen. Weil dabei Mikroplastik entsteht, das kaum mehr weiter abgebaut wird, gibt es Bestrebungen in der EU, solche Kunststoffe zu verbieten.

Napper und Thompson wollten herausfinden, was tatsächlich mit den Materialien in verschiedenen Umgebungen geschieht. Sie besorgten sich im lokalen Einzelhandel Sackerl verschiedener Kunststoffsorten, darunter Polyethylen (PE), aus dem die meisten Plastiksackerl bestehen.

In verschiedenen Umgebungen ausgesetzt

Den Großteil der Sackerl schnitten sie in 15 mal 25 Millimeter große Stücke und legten sie in Netze aus Polyethylen hoher Dichte mit einer Maschengröße von einem Millimeter. Dann hängten die Wissenschaftler die Netze im Freien auf, vergruben sie im Boden oder versenkten sie, mit einem Gewicht beschwert, in Meerwasser.

Nach 9, 18 und 27 Monaten nahmen sie jeweils Proben und untersuchten sie. Außerdem wurden ganze Plastiksackerl den entsprechenden Umgebungen ausgesetzt.

Im Freien zerfallen

Alle Kunststoffstreifen einschließlich des Polyethylens waren nach spätestens 18 Monaten im Freien komplett zerfallen. "Die schnellere Fragmentierungsrate an der Luft dürfte auf höhere Anteile an ultravioletter Strahlung (UV) und Sauerstoff in Kombination mit höheren Temperaturen als in anderen Umgebungen zurückzuführen sein", schreiben die Forscher.

Nach 18 Monaten hatte sich der kompostierbare Kunststoff zudem im Meer aufgelöst, während er im Boden auch nach 27 Monaten noch vorhanden war. Allerdings war seine Belastbarkeit durch Zugspannung zu mehr als 70 Prozent verringert.

Nach drei Jahren noch belastbar

Das Sackerl aus kompostierbarem Kunststoff war das einzige, das nach drei Jahren keinen Inhalt mehr tragen konnte. Sackerl aus oxo-abbaubarem, biologisch abbaubarem und gewöhnlichem Plastik, die drei Jahre lang im Meer und in der Erde gewesen waren, hielten hingegen 2,25 Kilogramm Gewicht.

"Diese Untersuchung wirft eine Reihe von Fragen auf, was die Öffentlichkeit erwarten kann, wenn etwas als biologisch abbaubar bezeichnet wird", erklärt Thompson. Er betont die Notwendigkeit von Normen für abbaubare Materialien.

Kein ökologischer Vorteil

Das Fazit der Forscher lautet: "Für viele Anwendungen, bei denen Kunststoff-Tragetaschen verwendet werden, stellt die Haltbarkeit in Form einer Tasche, die oft verwendet werden kann und wird, eine bessere Alternative zur Abbaubarkeit dar."

Zu diesem Schluss kommt auch der Naturschutzbund (Nabu). Selbst der Stoffbeutel sei aus Umweltgesichtspunkten nur dann besser als eine Plastiksackerl, wenn er oft genutzt werde: "Es wird davon ausgegangen, dass eine Tasche aus konventioneller (d.h. nicht kontrolliert biologisch angebauter) Baumwolle über hundertmal so oft wie ein erdölbasiertes Kunststoffsackerl genutzt werden muss, um die schlechtere Klimabilanz auszugleichen", heißt es beim Nabu.

Die Umweltschützer raten von Bioplastiksackerl jeglicher Zusammensetzung ab, da bisher kein ökologischer Vorteil gegenüber der klassischen Plastiksackerl nachzuweisen sei.

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(red/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steuerzahler am 29.04.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Plastik ist nicht das Problem!

    Das Problem ist nicht das Plastik, welches wenn es richtig dem Dualen System rückgeführt wird sondern die Dummheit der Menschen: neulich im Müllraum des Mietshaus: ein Vater bringt gesammelt Plastik flaschen in einem Sackerl und wirft sie: JA WOHIN? Richtig, in den Restmüll Container!! Wenn man schon den Plastik sammelt, dann soll man das zu den Sammelcontainer (gelb) welche überall aufgestellt bringen und einwerfen. Selber haben sie Familie und Kinder aber handeln nicht in deren Zukunftsinteresse einer heilen Umwelt. Also nicht das Plastik ist das Problem, sondern die Menschen die n. trennen!

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  • Django am 29.04.2019 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plastik..

    Und die tausenden Kerzen bei den Friedhöfen, wo die Plastik Behälter übrig bleiben stört niemand?

  • hari am 29.04.2019 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger als nur halbherzig

    Zum Bsp. alle Plastikflaschen od. Windeln verbieten wäre mengentech. viel entscheidender. Leider weniger als nur halbherziges künstl. Herumdoktern am Plastikthema

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Django am 29.04.2019 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plastik..

    Und die tausenden Kerzen bei den Friedhöfen, wo die Plastik Behälter übrig bleiben stört niemand?

  • hari am 29.04.2019 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger als nur halbherzig

    Zum Bsp. alle Plastikflaschen od. Windeln verbieten wäre mengentech. viel entscheidender. Leider weniger als nur halbherziges künstl. Herumdoktern am Plastikthema

  • Anette Willis am 29.04.2019 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Woher dieser Zeitraum?

    Woher die Information das dieses Sackerl 3 Jahre im Meer war? Bitte Danke.

  • pro Natur am 29.04.2019 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Plastik

    wie wäre es mit Sackerl aus Naturfaser? Oh, das wollen die Verpackungsgiganten nicht, denn diesen Weg haben sie zu lange ignoriert, um ihn nun noch zu erkennen

  • Steuerzahler am 29.04.2019 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Plastik ist nicht das Problem!

    Das Problem ist nicht das Plastik, welches wenn es richtig dem Dualen System rückgeführt wird sondern die Dummheit der Menschen: neulich im Müllraum des Mietshaus: ein Vater bringt gesammelt Plastik flaschen in einem Sackerl und wirft sie: JA WOHIN? Richtig, in den Restmüll Container!! Wenn man schon den Plastik sammelt, dann soll man das zu den Sammelcontainer (gelb) welche überall aufgestellt bringen und einwerfen. Selber haben sie Familie und Kinder aber handeln nicht in deren Zukunftsinteresse einer heilen Umwelt. Also nicht das Plastik ist das Problem, sondern die Menschen die n. trennen!

    • Django am 30.04.2019 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Steuerzahler

      Warum nicht? wird sowieso verbrannt und die Abgase gefiltert. Zusätzlich hat ein Kilo Plastik die Energie von einem Liter Öl.

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