Nach Suizidversuch

13. März 2018 11:38; Akt: 13.03.2018 11:45 Print

Prater-Stecher spricht nur vom Teufel, will Koran

Fünf Tage nach dem Messerangriff vom Praterstern und einen Tag nach seinem Suizidversuch hat der verdächtige Afghane nun eine Anwältin. Er faselt vom Teufel.

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Auf der Praterstraße hat am Mittwoch (7. März) ein vorerst Unbekannter eine dreiköpfige Familie nieder und flüchtete anschließend. Die Bluttat ereignete sich an einem Abgang zur U-Bahnstation Nestroyplatz. Eines der Opfer, ein 17 Jahre altes Mädchen, konnte sich schwer verletzt in ein nahes Asia-Restaurant retten. Sie und ihre Eltern (Vater 67, Mutter 56 Jahre alt) wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei sowie die Spezialeinheit WEGA suchten nach dem flüchtigen Mann. Eine knappe halbe Stunde später wurde ein 20-Jähriger auf dem nahen Praterstern ebenfalls mit einem Messer attackiert. Kurz darauf konnte ein 23-jähriger Afghane als Tatverdächtiger festgenommen werden. Lange Zeit war unklar, ob es sich bei dem Verdächtigen auch um den Täter aus der Praterstraße handelt. Der junge Mann wurde am Donnerstag einvernommen und zeigte sich gegenüber der Polizei geständig beide Taten begangen zu haben. Er selbst gab an, dass er in einer schlechten, aggressiven Stimmung war, auf seine gesamte Lebenssituation wütend war. Deshalb habe die Familie angegriffen. Am Praterstern habe er schließlich einen Bekannten, den 20-Jährigen, angegriffen, weil er diesen für seine vergangene Drogensucht verantwortlich macht. Berichte, wonach die Tat politisch motiviert gewesen sein soll, wurden durch die Aussage des Verdächtigen widerlegt. Die Nachfrage, ob die Tat auch politisch motiviert war, habe der 23-Jährige eindeutig verneint, so die Polizei am Donnerstag. In der Nacht auf Donnerstag konnten drei der vier Opfer von den Ärzten stabilisiert werden: Die beiden Frauen (56 und 17), sowie ... ... der verletzte Mann am Praterstern (20) befinden sich nicht mehr in Lebensgefahr. Der Gesundheitszustand des Mannes (67) ist nach wie vor kritisch.

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Seit 2015 ist Jafar S. (23) schon im Land – jener Afghane, der am Mittwoch auf der Praterstraße eine österreichische Arztfamilie und nur 30 Minuten später am Praterstern einen Landsmann (20) niedergestochen haben soll – weil er den Mann für seine Drogensucht verantwortlich machte.

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Über seine entsetzlichen Taten spricht er in Untersuchungshaft nicht. "Er hat das wohl verdrängt", sagt seine Rechtsanwältin Astrid Wagner gegenüber "Heute". Einen Tag nach seinem Selbstmordversuch am Montag in der Justizanstalt Josefstadt hat er keine äußeren Verletzungen. Er sprach mit seiner Anwältin gut eine Stunde lang, wurde im knielangen Nachthemd von Wachbeamten vorgeführt.

Wünscht sich Koran

Seine Beine waren nackt, er wirkte durcheinander und verwirrt. Er redet viel vom Teufel, von teuflischen Frauen. Sein einziger Wunsch: Seine Anwältin soll ihm baldestmöglich einen Koran ins Gefängnis bringen – am besten in seiner Muttersprache Farsi.

In Österreich ist es ihm wohl nicht gut gegangen – das passt auch zu dem Motiv, das er beim Geständnis für seine Taten (es gilt die Unschuldsvermutung) angab: Zorn über sein verpfuschtes Leben. "Ich war einfach in schlechter Stimmung", sagte er am Donnerstag in stundenlangen Verhören zur Kripo.

Koks, Ecstasy, viel Alkohol

Schon in seiner Heimat Afghanistan begann er Gras zu rauchen. In Wien kamen Koks, Ecstasy und viel Alkohol hinzu. Er ging oft zur Caritas, soll dort immer wieder gejammert haben, dass es ihm in Österreich so schlecht gehe. Er fühle sich nicht wohl und wolle zurück nach Afghanistan, vertraute er den Betreuern laut eigener Aussage immer wieder an.

"Auf mich macht dieser Mann einen psychisch schwerst beeinträchtigten Eindruck", sagt seine Anwältin Astrid Wagner, nachdem sie ihren Klienten am Dienstagvormittag erstmals für rund 60 Minuten gesprochen hatte. "Meiner Meinung nach ist hier eine psychiatrische Untersuchung dringend nötig." Wagner verteidigt den 23-jährigen Verdächtigen gemeinsam mit Wolfgang Blaschitz.

Die Chronik des Messer-Angriffs:

>>> Praterstern-Angreifer verübt Selbstmordversuch

>>> Faschiertes und Püree für den Praterstern-Stecher

>>> Wiener Amokläufer war bereits 2016 im Gefängnis

>>> Amokläufer in Wien erst kürzlich aus Haft entlassen

>>> Praterstern-Angreifer: Protokoll der Flucht

>>> Erstes Foto: Das ist der Praterstern-Angreifer

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(lu/coi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Friede am 13.03.2018 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Trauma

    Ich bin auch traumatisierte muss jeden Tag arbeiten gehen, muss eine teure Wohnung bezahlen, bekomme keine Bussi von den Bärchenwerfer ......

  • Marie am 13.03.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gschichtlbuch

    Interessant wie man immer nach ausreden für seine Tat sucht obwohl wir alle wissen was der Grund dafür war.

  • Hermann am 13.03.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mediengeil

    Die Anwältin ist jetzt nicht wirklich überraschend.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bert am 14.03.2018 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Wenn der junge Mann schon selbst quasi darum gefleht hat, warum wurde er dann nicht schon längst abgeschoben? Man müsste doch eigentlich froh sein um jeden, der freiwillig zurück in seine Heimat will. Und wie dieser Fall zeigt, könnte besagtes Vorgehen auch eine Menge Leid ersparen.

  • otto kahr am 13.03.2018 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    Absolut unzurechnungsfähig

    Wenn wir die Gerichtspsychiater und Gerichtspsychologen nicht hätten, hätten wir immer noch die Rechtsanwältinnen, die ihnen in Psychologie an Genialität nicht nachstehen.

  • ViennaNews am 13.03.2018 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taktisch und praktisch oder wie

    ein Schelm wer böses denkt ...

  • wiener_hier am 13.03.2018 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    im Vergleich dazu...

    denke ich mir wass wir für ein Glück in Hietzing gehabt haben, dass dort ein konsequent handelnder Soldat (DANKE! & Hochachtung!) vor Ort war... wäre ein solcher auch in der Parterstraße vor Ort gewesen... was hätten/würden wir uns alles ersparen !!!

  • Dosi am 13.03.2018 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Doch nicht so gläubig???

    Dachte der Koran verbietet Alkohol!