Balkan-Blog

10. April 2019 06:00; Akt: 10.04.2019 11:19 Print

Vizekanzler heißt auf Jugo "Hajnc-Kristijan Strahe"

Den Balkan verbindet natürlich vor allem die Sprache. Und die hat eine Eigenheit, die es sonst nirgends gibt.

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Auch am Balkan bekannt: Kristof Valc, Kristina Stirmer und Hajnc-Kristijan Strahe. Mein Großvater hatte seine ganz eigene Sicht auf die Welt, obwohl er nicht wirklich viel davon gesehen hat. Am Balkan verdient man nicht sonderlich viel, das ist wohl kein Geheimnis. Das verleitete mich zu einer moralisch fragwürdigen Aktion. Der serbische BMW, der kroatische Stolz und das türkische Bosnien. Am Balkan gibt es klare Unterschiede zwischen den Nationen - die man mit einem Zwinkern betrachten sollte. Von außen wirkt es wohl so, als ob alle Jugos gleich heißen würden. Stimmt natürlich nicht. Und die immer gleiche Endung ist auch gar nicht so besonders. Šaban Šaulic ist der Größte. Da gibt es keinen Zweifel. Seine Musik wird ewig weiterleben. Laut Karl Lagerfeld würde man die Kontrolle über sein Leben verlieren, wenn man eine Jogginghose trägt. Demnach herrscht am Balkan Anarchie. Eine Ein-Zimmer-Wohnung in Wien, aber eine Villa am Balkan. Und das nur, um sie dann ein paar Tage im Jahr zu nutzen. Unser Blogger wuchs am Balkan auf. Dort hat er einige Dinge kennengelernt, die wohl jedem Jugo-Kind bekannt sind. Kennen Sie zum Beispiel Vegeta oder Argeta? Auch in anderen Lebensbereichen gibt es Konfliktpotenzial. Stichwort: Alkohol. Unser Autor rührt nämlich bis heute keinen Rakija an. Als Abstinenzler fühlt er sich am Balkan manchmal wie ein Alien. (Ja, das auf dem Bild neben dem Teletubbie ist wirklich unser Blogger.) Wenn wir schon beim Thema Kulinarik sind - ein kurzer Rückblick Balkan-Kinder wachsen von klein auf mit Unmengen an Fleisch auf. Kommen Vegetarier zu Besuch, wird es kritisch. Denn ein Spanferkel gehört bei uns zu jedem guten Fest. Unser Blogger kennt die Konflikte, Für seine Mama ist dieser Umstand nach wie vor schwer zu verdauen. So eine Hochzeit ist am Balkan das Höchste der Gefühle. Unser Blogger verbrachte seine ersten Lebensjahre am Balkan. Eine Beziehung zu Wien bestand aber schon damals: Man beachte das Wiener Kennzeichen. In seinem Blog berichtet er jede Woche von seinem Leben zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln. Mehr unter heute.at/balkanblog

Zum Thema
Fehler gesehen?

"Deutsche Sprache, schwere Sprache", heißt es so schön. Doch im Vergleich zu "Jugo" ist sie ein Kinderspiel. Das habe ich erst in der Universität realisiert. Denn dort wurde mir plötzlich klar, dass wir am Balkan sechs Fälle haben statt der bereits im Kopf verankerten vier.

Das sorgte dafür, dass ich mit einem Mal verstand, wie schlecht ich eigentlich meine Muttersprache beherrsche. Mein ganzes Jugo-Leben war sozusagen ein einziger Fallfehler. Es gab wohl in der Vergangenheit kaum einen Satz, den ich korrekt formuliert hätte. Zu meiner Verteidigung: Ich wusste es nicht besser. Denn meine Mutter hat es wohl einfach so hingenommen. So wie ich ihr holpriges Deutsch mit der Zeit einfach akzeptiert habe.

"Fejsbuk" und "Gugl"

In einer Sache macht man es sich am Balkan aber doch einfach. Und zwar mit der Rechtschreibung. In keiner Region wird die Phrase "man schreibt es so, wie man es sagt" mehr gelebt als im ehemaligen Jugoslawien. Und ein Land sticht hier besonders raus: Serbien.

In Serbien haben internationale Patente und Markenrechte keine Bedeutung. Ein paar Beispiele gefällig? Das größte soziale Netzwerk der Welt heißt in Serbien nicht Facebook, sondern "Fejsbuk". Ob es Zuckerberg passt oder nicht. Auch Google macht in den Köpfen der Serben wenig Sinn. Denn man spricht es doch "Gugl" aus. Und deshalb schreibt man es auch so. Eigentlich logisch.

Weltberühmt am Balkan, der Herr Štrahe

Die Kreativität macht dabei nicht bei den Firmennamen Halt. Denn auch internationale Promis werden ohne Ausnahme umgetauft, sobald sie in irgendeiner Zeitung oder Zeitschrift auftauchen. Eine gewisse "Miley Cyrus" kennt man dort nicht. Aber dafür ist der US-Popstar "Majli Sajrus" Groß und Klein bekannt.

Und auch Österreicher landen regelmäßig in den serbischen Schlagzeilen. Von beinahe allen Titelseiten lächelten einem eine Zeit lang die Chefs der ÖVP und FPÖ zu. Besser bekannt als "Sebastian Kurc" und "Hajnc-Kristijan Štrahe". Auch als "Kristof Valc" seinen Oscar bekam, war er auf einigen Klatsch-Seiten vertreten.

Schade nur, dass unsere "Kristina Štirmer" am Balkan wenig Anklang findet. Wahrscheinlich, weil man ihre Songs "Ih lebe" und "Milijonen Lihter" dort nicht wirklich versteht.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mal ehrlich am 10.04.2019 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Nur dass man Namen nicht übersetzen kann. Wenn ich Franz Schuster heiße, heiße ich in einem anglo-amerikanischen Land auch nicht Franc Shoemaker

    einklappen einklappen
  • Ma Bre am 10.04.2019 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Padei

    Die serbische Sprache hat 7 Fälle: 1. nominativ, 2. genitiv, 3. dativ, 4. akuzativ, 5. vokativ, 6. instrumental, 7. lokativ.

  • Gerry am 10.04.2019 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tralla

    Was haben die drei gemeinsam? Richtig, sie können nicht singen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • zachaeus am 10.04.2019 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig?

    Es sind die kleinen Dinge im Leben, die wichtig sind: Status auf facebook!

  • Gerry am 10.04.2019 15:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tralla

    Was haben die drei gemeinsam? Richtig, sie können nicht singen.

  • Elizabeth am 10.04.2019 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bildung

    Es gehört ja doch eine gewisse Bildung, um Eigennamen nicht zu verhunzen.

  • Mamas am 10.04.2019 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Es wird ja nichts geändert, nur anders geschrieben, so wie man es ausspricht eben

  • Itävaltalainen am 10.04.2019 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Finnisch

    Nominativ, Genitiv,Akkusativ, Partitiv, Inessiv, Allativ, Elativ, Adessiv, Ablativ, Allativ, Essiv, Translativ, Abessiv, Komitativ, Instruktiv sind die 15 Fälle des Finnischen. Ich habe diese Sprache gelernt und finde sie, wie Ungarisch ebenso (hat noch mehr Fälle)leichter und vor allem systematischer als alle germanischen/romanischen Sprachen.