"Die Lust vom Anfang ist weg!"

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Etwas mehr als ein Jahr ist Rosanna nun mit ihrem Traummann zusammen und schon herrscht Flaute im Bett. Bedeutet dies das Ende der Beziehung?
Frage von Rosanna (21) an Doktor Sex: Ich bin seit über einem Jahr mit meinem Traummann zusammen. Am Anfang hatten wir mehrere Male pro Woche Sex, aber mittlerweile sind es nur noch drei- oder viermal pro Monat. In den letzten Monaten ging die Tendenz sogar in Richtung zweimal. Die Lust und Begierde vom Anfang sind einfach weg.

Ich liebe meinen Freund, und er ist wirklich perfekt für mich. Aber diese Veränderung lässt mich an unserer Beziehung zweifeln. Sonst ist zwischen uns alles in Ordnung. Und die wenigen Male, die wir Sex haben, ist dieser auch sehr schön. Sind meine Gefühle für ihn vielleicht einfach nicht mehr stark genug? Oder warum ist die sexuelle Anziehung derart zurückgegangen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Rosanna

Manche Menschen leiden daran, dass das Leben nicht so ist, wie die Vorstellungen, die sie sich von ihm machen. Mit kleinen und kleinsten Schrittchen versuchen sie immer wieder, sich ein märchenhaftes und bis ins kleinste Detail stimmiges Dasein zu erarbeiten. Aber jedes Mal, wenn sie glauben, sie hätten ihr Ziel erreicht, macht ihnen das alltägliche Chaos oder der natürliche Lauf der Dinge erneut einen fetten Strich durch die Rechnung.

Auch dir scheint es so zu gehen. Der perfekte Freund wäre zwar gefunden, aber statt nun einfach glückselig alt werden zu dürfen, siehst du dich – oh weh – bereits nach etwas mehr als einem Jahr des Zusammenseins mit dem langsamen Schwinden der sexuellen Lust konfrontiert. Und wie es sich für eine richtige Perfektionistin gehört, zweifelst du aufgrund dieses einen Symptoms sofort auch gleich an der Beziehung als Ganzes und an der Intensität deiner Gefühle.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Frage, warum die sexuelle Anziehung zurückgegangen ist, kann ganz einfach beantwortet werden: Weil nichts bleibt und alles stets in Bewegung ist. Oder gibt es in deinem Leben etwas, das vom Moment an, als du dir dessen bewusst geworden bist, bis zum heutigen Tag immer genau gleich geblieben ist?

Ich denke, mit 20 könntest du nun langsam, aber sicher damit beginnen, dich mit der Vergänglichkeit anzufreunden und dich in Demut zu üben. Ein erster Schritt dazu könnte sein, die Welt nicht mehr so zu beurteilen, wie du es wahrscheinlich aus der Pubertät noch gewohnt bist. Also alles in die Kategorien "richtig" oder "falsch" beziehungsweise "gut" oder "schlecht" einzuteilen. Zwischen diesen Extremen gibt es nämlich unzählige Nuancen und Schattierungen des Seins, die du alle verpasst, solange es in deiner Wahrnehmung nur Schwarz oder Weiß gibt.

Sexuelle Lust kommt und geht. Einmal lodert sie leidenschaftlich auf, ein andermal flackert sie nur auf Sparflamme und zuweilen existiert sie schlicht gar nicht. Und jeder dieser Zustände ist für sich gesehen passend und gehört zum Spektrum der Möglichkeiten. Statt dauernd etwas an der Verschiedenheit dieser Zustände ändern zu wollen oder in Zweifel zu verfallen, kannst du auch einfach versuchen, sie anzunehmen. Und ganz in die jeweilige Qualität einzutauchen, also genauso in die Lustlosigkeit wie in die Leidenschaft.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

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