"Evil Eye": Das Hausboot eines Peter Pan

Das Hausboot "Evil Eye" gehörte einst dem Kinderbuchautor Shel Silverstein und sorgte für Inspiration. Jetzt wurde es verkauft.
Sheldon Allan "Shel" Silverstein war ein US-amerikanischer Songwriter, Musiker, Filmkomponist, Drehbuchautor, Dichter, Karikaturist und Verfasser von Kinderbüchern. Und er lebte bis zu seinem Tod 1999 auf einem Hausboot.

Boot aus dem Zweiten Weltkrieg

Das ist aber nicht irgendein Hausboot: Es handelt sich dabei um ein Militärboot aus dem Zweiten Weltkrieg. Und trägt den für den Wohnort eines Kinderbuchautors etwas irritierenden Namen "Evil Eye".

Im Krieg war das Boot Teil eines sogenannten Sperrballons: Dafür wurden große Ballone mit Metallseilen an Schiffen befestigt. Sie sollten den Angriff feindlicher Flugzeuge verhindern oder zumindest massiv erschweren. Durch die Tragballone sollten die Piloten abgelenkt werden oder sogar an den Seilen ihre Flugzeuge zerstören.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Vom Militärboot zur Hippiekommune

Silverstein zog 1967 in das Hausboot in Sausalito im US-Bundesstaat Kalifornien. Und dabei war er nicht allein: Im Hafen der Kleinstadt hatten sich über hundert Künstler, Freigeister und Obdachlose zu einem schwimmenden Dorf zusammengeschlossen.

In der Biografie "A Boy Named Shel" von 2007 schreibt die Autorin Lisa Rogak über den Mann, der auch unter dem Namen Onkel Shelby bekannt war: "Am Anfang des schwimmenden Dorfes standen Bootsbesetzer, Obdachlose. Es gab keine Rechte, keine Pflichten. Es war wohl ein bisschen wie in Neverland – und da Shel Silverstein eine Art moderner Peter Pan war, sollte es wohl Schicksal sein."

Immer in Künstlerhand

Nachdem Silverstein 1999 gestorben war, übernahm der Künstler und Fotograf Larry Moyer das schwimmende Haus. Er verstarb 2016 und die "Evil Eye" kam auf den Markt. Zu Zeiten von Moyers und Silverstein reichte es noch, ein Freigeist zu sein – heute muss man für ein Leben auf dem Hausboot 390.000 Dollar (330.000 Euro) bezahlen.

Was "ein Freigeist sein" für Moyer und Silverstein bedeutete, kann in diversen Interviews nachgelesen werden: Moyer beispielsweise genoss es besonders, dass er bei den Einheimischen Drogen, Alkohol und Waffen kaufen konnte – alles am selben Ort.

Ein Liebhaberobjekt

Der Zahn der Zeit hat an der Evil Eye genagt – und das sieht man. Das Boot ist verstaubt und teilweise heruntergekommen. Die Autoren Aberg und Strandberg, die ein Buch über das schwimmende Dorf planten und deswegen die "Evil Eye" besuchten, schrieben über den Einrichtungsstil von Silverstein, er sei "wie ein Garten in der Wüste: trocken".

Wer es gekauft hat, wollte Immobilienhändler Bergeron auf Nachfrage nicht sagen. Der neue Käufer sei aber sehr glücklich mit seiner Wahl und habe bereits mit Renovationen begonnen.

(kiky)

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