"Muss ich wirklich zum Frauenarzt?"

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Emma ist schon über 30, hat es bisher aber nicht für notwendig erachtet, sich zum Gesundheitscheck bei einer Gynäkologin anzumelden.
Frage von Emma (32) an Doktor Sex: Ich war noch nie beim Frauenarzt. Verhütet habe ich bis jetzt immer nur mit Gummi und nie hormonell. Beschwerden im Unterleib hatte ich auch noch keine. Und ich habe auch nicht vor, mich in absehbarer Zeit fortzupflanzen.

Daher ergab sich für mich bisher auch noch keinen Grund, mich von einer spezialisierten medizinischen Fachperson untersuchen zu lassen. In meinem Umfeld gehen aber ausnahmslos alle Frauen regelmäßig zum Gynäkologen. Ich finde das merkwürdig.

Andere Teilbereiche oder Funktionen des Körpers lässt man ja auch nicht rhythmisch untersuchen, sondern erst, wenn Beschwerden auftreten. Würdest du mir trotzdem einen regelmäßigen Arztbesuch empfehlen oder kann ich da getrost darauf verzichten?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Emma

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die gynäkologische Untersuchung ist in erster Linie eine Vorsorgeuntersuchung. Die Idee dahinter ist, dass schwerwiegende Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane und/oder des Urogenitaltrakts frühzeitig erkannt werden, wenn Frauen diesen Check regelmäßig durchführen lassen – und die Heilungschancen so zu erhöhen.

Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) rät, bis zum 30. Lebensjahr jedes zweite Jahr einen Krebsabstrich durchführen zu lassen, danach bis 70 nur noch alle drei Jahre – vorausgesetzt natürlich, es liegt kein erhöhtes Risiko vor. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, empfiehlt, den Krebsabstrich alle drei bis fünf Jahre vornehmen zu lassen.

Beim Krebsabstrich – er wird auch Pap-Abstrich genannt – werden an Muttermund und Gebärmutterhals mittels eines Wattestäbchens oder kleinen Bürstchens Schleimhautproben entnommen. Diese werden danach in ein Labor gesendet und dort nach Auffälligkeiten und sogenannten Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs untersucht.

Da solch frühe Veränderungen keine spürbaren Beschwerden verursachen, können sie von einer Frau nicht selbst erkannt werden. Studien haben gezeigt, dass die Zahl der Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs sterben, um fast zwei Drittel gesunken ist, seit diese Art der Krebsvorsorge in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts in der Schweiz eingeführt wurde.

Häufig werden gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen ergänzt durch eine Untersuchung der Brüste. Dabei sucht die Frauenärztin durch Tasten nach Knoten und anderen auffälligen Veränderungen in der Brust. Frauen ab 50 Jahren wird empfohlen, im Rahmen von Mammografie-Screening-Programmen die Brüste alle zwei Jahre röntgen zu lassen. Der Nutzen dieser Untersuchungen ist jedoch umstritten.

Du siehst: Es gibt gute Gründe, sich hin und wieder in einer gynäkologischen Praxis zu einem Check anzumelden. Da du dies überhaupt noch nie getan hast, empfehle ich dir, bald einmal zum Telefon zu greifen und einen Termin zu vereinbaren. Bei dieser Gelegenheit kannst du dann auch gleich mit dem Arzt oder der Ärztin deiner Wahl über ein für dich passendes Intervall unterhalten. Alles Gute!

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