"PanamaLeaks" enthüllen Schwarzgeldkonten aus aller Welt

Steuertricks, Schmiergeldzahlungen, Schwarzgeld, Schattenwirtschaft und geheime Konten - das weltweit größte Datenleck aller Zeiten enthüllt, wie eine Anwaltsfirma in Panama zahlreichen Konzernen, Politkern, Organisationen und Promis beim Geldwaschen und Geld verschieben hilft.
"PanamaLeaks" wird der wohl größte Enthüllungsskandal der Finanz- und Politikgeschichte genannt. Eine anonyme Quelle übergab einem Netzwerk von investigativen Journalisten ein riesiges Datenpaket mit Informationen über Konten und Finanzgeflechte. Im Zentrum steht die Anwaltsfirma aus Panama, die das geheime Vermögen und Schwarzgeld nicht nur von Verbrechersyndikaten sondern auch von Politikern, Prominenten und Sportlern.

Zahlreiche Politiker tauchen auf

Im illustren Kundenstamm befinden sich nicht nur Scheichs sowie der König von Saudi-Arabien oder der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, sondern auch enge Freunde des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Diese haben laut den Enthüllern seit Putins Machtübernahme Milliarden gescheffelt und sollen auch für den russischen Präsidenten ein üppiges Geheimvermögen verwalten.

Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste sollen insgesamt zwölf Staatsoberhäupter und 128 weitere Politiker gehören. Aber auch der Vater des britischen Premiers David Cameron und ein Viertel der amtierenden isländischen Regierung ließ sich schwindelige Finanzkonstruktionen für Geheimvermögen anlegen und verwalten.

Islands Premierminister Sigmundur Davíð Gunnlaugson wurde in einem Interview nach einer Firma namens "Wintris" gefragt. Er stammelte wirre Worte und brach in weiterer Folge das Gespräch ab, indem er einfach aufstand und ging:



Viele Banken verstrickt

Auch zahlreiche Banken sollen verstrickt sein. Neben deutschen und Schweizer Banken wie der Commerzbank tauchen auch zwei österreichische Banken immer wieder auf: Raiffeisenbank International und die Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank (Hypo Vorarlberg). Auch sie sollen an einigen undurchsichtigen Kontengeflechten und Verbindungen mit Briefkastenfirmen beteiligt sein.

Fußball-Star Mess involviert

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" taucht auch der Name des argentinischen Fußball-Stars Lionel Messi auf. Gegen ihn und seinen Vater Jorge Horacio Messi wird in Spanien seit 2013 wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Ende Mai soll der Prozess starten. Es geht um 4,1 Millionen Euro, die am Fiskus vorbei geschleust worden sein sollen. In den Panama-Dokumenten wird der Name Messi als Begünstigter einer Offshore-Firma genannt, von der die spanische Staatsanwaltschaft bisher nichts wusste. Die Firma soll Mega Star Enterprises heißen und wurde zeitweilig von der Kanzlei Mossack Fonseca betreut.

2,6 Terabyte

Rund 370 Journalisten  aus 78 Ländern haben circa 11,5 Millionen Daten ausgewertet. Die "Panama Papers" haben eine Dateigröße von 2,6 Terabyte. Insgesamt werden 214 000 Briefkastenfirmen genannt.

Im Mittelpunkt der geleakten Papiere steht die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, ein Offshore-Dienstleister mit Sitz in Panama, der in Dutzenden Büros weltweit von Zürich über London bis Hongkong Briefkastenfirmen verkauft. Für schon 1.000 Dollar bekommt man eine anonyme Firma, die Mossack Fonseca gegen einen Aufpreis mit Scheindirektoren ausstattet und den oder die wahren Inhaber der Aktien dieser Firma verschleiert. 

Die Kanzlei hat die Vorwürfe inzwischen zurückgewiesen. "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen", so Kanzlei-Anwalt Ramon Fonseca Mora.

Faymann: "Hintergründe rigoros aufarbeiten"

Bundeskanzler Werner Faymann zeigte sich entsetzt: "Die gestern bekannt gewordenen Unterlagen aus Panama machen wieder einmal deutlich, dass es nach wie vor einen großen Geschäftszweig gibt, der sich mit dem verschleiern und verstecken von Geld und Vermögen beschäftigt. Die Hintergründe müssen rigoros aufgearbeitet werden. Wenn Staaten um gerechte Einnahmen aus dem Vermögen jener, die es sich richten können, durch solche Konstruktionen gebracht werden, muss es klare Antworten geben: Gesetze und Strafen, die das Ziel haben, das zu verhindern. Nachdem es sich um eine internationale Frage handelt, müssen wir hier die europäischen Antworten forcieren", so Faymann am Montag zu den Berichten über die Geschäfte in Panama.

US-Whistleblower Edward Snowden meldete sich bereits via Twitter zu Wort. Er sieht die Enthüllung als größten Leak überhaupt an:

Biggest leak in the history of data journalism just went live, and it's about corruption.
— Edward Snowden (@Snowden)
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