"The Suicide of Rachel Foster": Schaurig-stimmig

Ein fremdgehender Vater stürzt eine Familie in eine Tragödie. Nun liegt es am Spieler herauszufinden, was es mit dem Familienerbe und Rachel Foster auf sich hat.
Es ist Jahre her, da zerbrach das Familienglück der McGraths. Vater Leonard beginnt eine Affäre mit der 16-jährigen Rachel Foster. Die Jugendliche wird schwanger, verschwindet jedoch unter mysteriösen Umständen, hat sich angeblich umgebracht. Leonards Tochter Nicole wird von ihrer Mutter aufgrund der Geschehnisse aus dem Familiensitz, einem Hotel, gebracht und die Familie bricht auseinander.

Zehn Jahre danach sind Nicoles Eltern tot. Die junge Frau soll nun den letzten Wunsch ihrer Mutter erfüllen und das prächtige Hotel, in dem die Familie einst lebte, verkaufen. Deshalb macht sie sich zum Anwesen auf, um alles für den Verkauf vorzubereiten – und will den Erlös der Familie von Rachel Foster überlassen. Doch das Wetter schlägt um, Nicole sitzt im Hotel fest und die Idylle wandelt sich immer mehr in eine Atmosphäre à la "The Shining".

"The Suicide of Rachel Foster" sorgt seit kurzem für Aufregung auf Steam. Nicht, weil das Game von Entwickler One-O-One Games und Publisher Daedalic Entertainment spielerisch sonderlich herausragt, sondern weil es eine dichte Atmosphäre und eine aufregende Geschichte bietet. Spielerisch nämlich handelt es sich um einen etwas aufgemotzteren Walking-Simulator, der allerdings weit spannender ist, als der Begriff vermuten lassen würde.

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Suchen, erforschen, gruseln

Beim Hotel angekommen versetzt das Spiel den Spieler in die Ego-Perspektive und glänzt schon hier mit netten Details. Die Lichteffekte sind toll ausgefallen, der düstere Stil und die Stille im Hotel wirken von der ersten Sekunde an beängstigend und auch auf Kleinigkeiten wie klappernde Fensterverschläge oder läutende Telefone wurde geachtet. Apropos Telefon: Am Anrufbeantworter finden wir auch gleich die Nachricht, dass jener Anwalt, der das Hotel schätzen sollte, es nicht rechtzeitig zu uns schafft.

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Anfangs passiert zwar nicht viel in "The Suicide of Rachel Foster" – und dennoch hat man in dem riesigen Hotel jederzeit das Gefühl, hinter der nächsten Ecke auf die Grady-Zwillinge aus dem Horror-Hotel in "The Shining" zu treffen. Auch abseits des Grusels bietet das Hotel eine herzeigbare Kulisse: Es gibt ein kleines Museum zu sehen, aufgehängte Fotos zeigen das einstige Familienleben und beim draußen brausenden Schneesturm würde man sich gerne an den Kamin im Wohnzimmer setzen.

Spukt es hier oder ist alles Einbildung?

Das gruselige Gefühl kommt nicht von irgendwo: Nach und nach ereignen sich mehr oder minder paranormale Vorfälle im Hotel und unser einziger Kontakt, ein Katastrophenhilfe-Mitarbeiter am Telefon kann uns mit seinen gut gemeinten Ratschlägen auch nicht wirklich beruhigen. Der Kontakt zwischen dem Mitarbeiter und Nicole wird allerdings intensiver und ist ein kleiner Lichtblick im immer düsterer wirkendem Hotel.

Klasse ist die Dynamik zwischen den beiden Charakteren, die Emotionen sind nachvollziehbar und die Dialoge auf den Punkt gebracht. Schade: Zwar kann man aus Antwortmöglichkeiten auswählen, wirklich viel Einfluss auf das Spielgeschehen scheinen sie aber nicht zu haben. Auch ist das Spiel, obwohl man das unglaublich große Haus Zimmer für Zimmer erkunden darf, mit nur fünf Stunden Spielzeit relativ knapp bemessen. Atmosphärisch sind es aber überwältigend gute Spielstunden.

Simple Steuerung und keine Rätsel

Bei der Steuerung bietet "The Suicide of Rachel Foster" eingeschränkte Möglichkeiten. Zimmer und Gegenstände können per Mausklick-Zoom inspiziert werden, interagieren kann man aber nur mit einigen davon. Mit Kamera, Mikrofon und Taschenlampe ausgerüstet sucht man das Hotel ab, eingestreute Rätsel findet man allerdings nicht. Einziges Ziel ist es, zu bestimmten Räumen zu gelangen oder bestimmte Gegenstände zu finden und zu untersuchen.



Wer die verschiedenen Enden von "The Suicide of Rachel Foster" sehen will, muss das Spiel übrigens neu starten, denn speichern lässt sich nur ein einziger Spielstand. Doch es lohnt sich: Zwar geht es beim Gameplay gemächlich zu, Handlung, Atmosphäre und vor allem die großartige Grafik funktionieren aber fantastisch. Wer Games wie "Dear Esther", "The Vanishing of Ethan Carter", "Everybody's Gone to the Rapture" oder "What Remains Of Edith Finch" mochte, wird "The Suicide of Rachel Foster" lieben.



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