"Where to Invade Next": Wenig Doku, viel Moore

Michael Moores neue Dokumentation "Where to Invade Next" geht der Frage nach, in welcher Hinsicht Europa und Nordafrika ein Vorbild für die USA sein könnten.
In seinem neuen Film "Where to Invade Next" marschiert Doku-Star Michael Moore in Europa ein, um bahnbrechende Ideen (wie bezahlten Urlaub, Mutterschutz und gebührenfreies Studieren) für die Vereinigten Staaten zu stehlen. Nicht wirklich eine Doku, aber ein unterhaltsamer Denkanstoß.



"Bowling for Columbine", die preisgekrönte Doku über Schulmassaker und Waffengesetze in den USA, brachte Michael Moore weltweiten Ruhm und einen Oscar (bester Dokumentarfilm, 2003) ein. Schon damals warf man dem Filmemacher fehlende Objektivität, schludrige Recherchen und das Verbreiten von Fehlinformationen vor. An diesen Kritikpunkten hat sich seither nichts geändert, an Moores Stil ebensowenig.

Als Dokumentation lässt sich "Where to Invade Next" nur bedingt bezeichnen. Vielmehr handelt es sich bei dem Film um einen Mix aus Infotainment, Sozialstudie und Reiseführer. Als Ein-Mann-Armee fällt Moore in Europa ein und "erobert" Gedankengut, das er verwenden will, um seine Heimat in einen besseren Ort zu verwandeln. "Where to Invade Next" soll dem Publikum hauptsächlich vor Augen führen, wie schlecht es um die USA steht.

Tunnelblick und Unterhaltung

In Finnland holt sich Moore Bildungs-Tipps, in Frankreich kostet er exquisites Schulkantinenessen, in Norwegen lässt er sich über die Vorzüge des liberalen Strafvollzugs belehren. Zwischendurch gibt es Filmclips (etwa aus der Will-Ferrell-Komödie "Ricky Bobby") und andere Pausenfüller, um den Unterricht ein wenig aufzulockern.

Gegenstimmen sind in "Where to Invade Next" selten zu hören. Dass auch Europa kein Paradies ist, deutet Moore aber zumindest an. Er sei "hier, um die Blumen zu pflücken", nicht die Fehler zu kopieren, sagt der Regisseur etwa nach seinem ersten Stopp in Italien. Am Tunnelblick, den uns der Film aufzwingt, ändert das freilich wenig.

Wie auch immer man zu den Werken Michael Moores stehen mag, der Regisseur bleibt ein unangenehmer Gesellschaftskritiker, eine leise Stimme des Gewissens, die der US-amerikanischen Gesellschaft im Nacken sitzt. Für einen Schulaufsatz über Europa sollte man nicht aus "Where to Invade Next" zitieren, einen (unterhaltsamen) Denkanstoß liefert der Film aber allemal.

"Where to Invade Next" ist seit 25. Februar in den österreichischen Kinos zu sehen.
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