Huawei mit Ansage: "Wir stehen nackt vor der Welt"

Die USA haben ihre Verbündeten dazu ermutigt, Huawei beim Aufbau von 5G-Netzen zu blockieren. Der chinesische Technologie-Riese zeigt sich offen.
Huawei, einer der größten Telekommunikationsausrüster der Welt, wird von den US-Behörden seit langer Zeit verdächtigt, seine unternehmerischen Aktivitäten zur Spionage für China zu nutzen. Als Konsequenz sollen Verbündete der USA beim Aufbau von 5G-Netzen auf Huawei verzichten. Zu den Vorwürfen wurden bislang jedoch keine Beweise vorgelegt.

Am Montag erklärte John Suffolk, der Chef für Cybersicherheit bei Huawei, gegenüber britischen Abgeordneten, dass seine Firma keine Verbindungen zur chinesischen Regierung habe. Sie seien weder von China noch von einer anderen Regierung je angefragt worden, etwas zu tun, was die Sicherheit ihrer Produkte verletze.

Technische Prüfung

Außenstehende seien eingeladen, die Produkte von Huawei zu untersuchen und technische Fehler oder Fehler bei der Programmierung zu finden. Suffolk sagte dazu: "Wir stehen nackt vor der Welt, aber wir ziehen es vor, es so zu tun, weil es uns ermöglicht, unsere Produkte zu verbessern."

Dazu ergänzte er, dass Huawei wolle, dass Fehler gefunden würden. "Ob einen oder tausend, das ist uns egal. Wir schämen uns nicht dafür, was die Leute finden", sagte der Vertreter von Huawei. Suffolk wurde vom britischen Parlament eingeladen, Fragen über die Sicherheit der Ausrüstung und allfällige Verbindungen zur chinesischen Regierung zu beantworten.

CommentCreated with Sketch.11 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Keine Netzwerke

Die Abgeordneten fragten unter anderem auch, ob es für Huawei möglich wäre, aus der Ferne auf das 5G-Netzwerk im Vereinigten Königreich zuzugreifen. Suffolk bemerkte daraufhin, dass Huawei nur die Technik liefere. "Wir betreiben keine Netzwerke ... und deshalb haben wir keinen Zugriff auf Daten, die auf diesem Netzwerk zirkulieren."

Der Gast erklärte auch, dass Huawei nur einer von insgesamt rund 200 Herstellern sei, die Material für ein 5G-Netz liefern. Und bei Hardware von Huawei selbst würden nur etwa 30 Prozent vom Konzern stammen. Der Rest würde von Herstellern weltweit eingekauft und vor dem Einsatz geprüft, um Sicherheitsprobleme zu verhindern.

Huawei fordert von US-Firma 1 Milliarde Dollar

Einem Insider zufolge verlangt der chinesische Netzwerk-Ausrüster Huawei abseits davon mehr als eine Milliarde Dollar vom US-Telecom-Anbieter Verizon. Der Betrag soll für die Nutzung von über 200 Huawei-Patenten gezahlt werden. Ein Huawei-Mitarbeiter habe bereits im Februar einen Brief mit einer Zahlungsaufforderung an Verizon übermittelt, schreibt das "Wall Street Journal".

Die angesprochenen Patente würden solche in den Bereichen Netzwerkausrüstung, drahtgebundene Infrastruktur wie auch Internet-der-Dinge-Technologie umfassen, so der Insider. Vertreter von Huawei und Verizon hätten sich letzte Woche in New York getroffen, um über einige der Patente zu diskutieren.

Größerer Zusammenhang

Ein Verizon-Sprecher wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters nicht dazu äußern. Er sagte aber, es gehe bei dem Thema nicht nur um Verizon. "Angesichts des geopolitischen Zusammenhangs hat jede Sache, die Huawei betrifft, Auswirkungen auf die gesamte Branche und gibt Anlass zu nationaler und internationaler Besorgnis."

US-Präsident Trump hatte im Mai Unternehmen seines Landes per Dekret die Nutzung von Telekommunikationstechnik untersagt, die als Risiko für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten eingestuft wird. Dazu rief er einen nationalen Notstand in der Telekommunikation aus. Huawei gilt als Hauptziel dieser Maßnahme. Das Unternehmen wurde deswegen auf eine schwarze Liste gesetzt.

Eigenes Betriebssystem

Welche längerfristigen Auswirkungen die Sanktionen auf Huawei haben werden, ist unklar. Der Hersteller hat bereits vor rund sieben Jahren entschieden, ein eigenes mobiles Betriebssystem zu entwickeln. Seit die US-Regierung massiven Druck auf das Unternehmen ausübt, hat dieses Projekt an Wichtigkeit gewonnen.

Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung eines eigenen Systems sei die Kompatibilität mit Android, schreibt die "South China Morning Post". Dies würde bedeuten, dass alle bestehenden Android-Apps auch auf dem neuen Huawei-Betriebssystem laufen. Dieses könnte Hongmeng oder Ark OS heißen und soll im Frühling des nächsten Jahres ausgerollt werden. (swe)

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