1 Mio. Österreicher kann sich bald kein Essen mehr leisten

Immer mehr Menschen sind von Nahrungsunsicherheit betroffen. Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen bei der Wiener Tafel dafür, dass Lebensmittel gerettet und an Menschen in Not verteilt werden.
Immer mehr Menschen sind von Nahrungsunsicherheit betroffen. Zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen bei der Wiener Tafel dafür, dass Lebensmittel gerettet und an Menschen in Not verteilt werden.picturedesk.com/OTS/Thomas Kopf
Die Wiener Tafel ist alarmiert. Durch die Pandemie fürchtet sie eine Verdoppelung der Anzahl an Menschen, die auf Lebensmittelspenden angewiesen sind.

Auch die Wiener Tafel ist von der Covid-19-Krise stark betroffen. Die soziale Einrichtung machte am heutigen Donnerstag in einer Aussendung auf die sich immer mehr zuspitzende Problematik aufmerksam: Immer mehr Österreicher haben dank Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit in der Folge der Pandemie nicht mehr genug Geld für ausreichend Nahrungsmittel.

Schon vor der Krise waren rund 483.000 Menschen von Ernährungsarmut betroffen – bald könnte diese Zahl explodieren: Experten der WU Wien gehen demnach davon aus, dass noch heuer etwa eine Million Österreicher von mittlerer bis schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen sein werden. Bereits im September 2020 registrierten die europäischen Tafeln, deren Mitglied die Wiener Tafel ist, einen Anstieg um 30 Prozent.

Zunehmend auch Mittelschicht betroffen

"Wir wissen, dass die Anzahl derer, die uns brauchen, im Steigen begriffen ist. Um diese Nachfrage bewältigen zu können, brauchen wir mehr denn je die Unterstützung von Unternehmen und Privatpersonen, denn die derzeitige Krise trifft die Schwächsten in unserer Gesellschaft am stärksten", appelliert die Geschäftsführerin der Wiener Tafel, Alexandra Gruber. 

WU-Ernährungsforscher Karl Michael Brunner zeichnet ein düsteres Bild: "Gegenwärtig steigt in vielen Ländern die Ernährungsunsicherheit, von der zunehmend auch Menschen der Mittelschicht betroffen sind."  Kurzfristig könnten die Tafeln hier helfen, auf lange Sicht sei es laut dem Experten aber die Aufgabe von Sozial- und Gesundheitspolitik, dafür zu sorgen, dass die Menschen genug zum Essen hätten.

"Es ist eine Schande"

Für die Wiener-Tafel-Chefin Gruber ist so eine Situation nicht hinnehmbar, es müsse dringend etwas getan werden: "In einem so reichen Land wie Österreich ist es eine Schande, dass nicht für alle genug da ist und Menschen gezwungen sind, eine Mahlzeit zu überspringen oder sogar ganz auf eine zu verzichten."

Was die Wenigsten wissen: Es gibt eine große Bandbreite zwischen nahrhafter Sättigung und Verhungern. Wenn es finanziell eng wird, wird zunächst bei der Qualität der Ernährung gespart – oft genug auch bei der Häufigkeit der Mahlzeiten. Begleitet würden diese Vorgänge von Ängsten, die den gesamten Alltag überschatten und sich als psychische Belastung manifestieren.

Der allgemeine Gesundheitszustand von Familien, die unter der Armutsgrenze leben, sei dreimal schlechter als bei solchen mit hohem Einkommen. Der Zugang zu ausreichender, gesunder, ausgewogener und kulturell üblicher Ernährung sei der alles entscheidende Faktor. Besonders prekär und kritisch werde es, wenn auch noch Obdachlosigkeit drohe.

Spendenaufruf

Die Wiener Tafel ist deshalb mehr denn je auf Unterstützung angewiesen. Sie erwartet in den nächsten Monaten einen anhaltenden Anstieg des Bedarfs an Lebensmitteln für Menschen in Not. Darum bittet die Wiener Tafel all jene, die einen Euro zu entbehren haben, um Hilfe. Mit nur einem Euro Spende für das Corona-Nothilfsprogramm könne man bis zu zehn Armutsbetroffene mit Lebensmitteln versorgen, so die Organisation abschließend.

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