Corona-Spätfolgen: 22-Jährige kann nicht mehr laufen

Ihre Geschichte möchte Luisa teilen, um der jungen Generation ihre Naivitität zu nehmen und die Ernsthaftigkeit der Erkrankung vor Augen zu führen.
Ihre Geschichte möchte Luisa teilen, um der jungen Generation ihre Naivitität zu nehmen und die Ernsthaftigkeit der Erkrankung vor Augen zu führen.instagram/luisa_abajur
Dass auch jüngere Menschen schwer am Coronavirus erkranken können, zeigt diese Geschichte. Eine 22-Jährige kämpft seit Monaten mit den Spätfolgen.

Luisa Abajur war 22 Jahre alt, als sie an dem Coronavirus erkrankte. Sie musste künstlich beatmet werden und lag fünf Wochen lang im Koma. Ihr Zustand wurde als extrem kritisch eingestuft. Zeitweise schwebte sie in akuter Lebensgefahr. Nun kämpft sie – mehrere Monate nach der Infektion – noch immer mit den Spätfolgen. Das hat ihren Körper geschwächt.

Am Anfang des Jahres wohnte die aus Deutschland stammende Luisa in Sevilla, um ein Praktikum bei einer Designerin zu absolvieren. Damals schien die Pandemie noch in weiter Ferne, Corona war nur ein asiatisches Phänomen: „Corona war zu dem Zeitpunkt in Europa noch gar kein Thema. Jeder hatte ein bisschen von diesem Virus aus China gehört, aber keiner wusste, dass er bereits in Spanien angekommen war", erzählt Luisa gegenüber watson.

Erste Symptome waren "schnell und heftig"

Am 15. März begannen die ersten Symptome „schnell und heftig“ zuzuschlagen, wie sie berichtet. Sie hatte zuerst starke Halsschmerzen, kurz danach hohes Fieber. Am Tag darauf trat die Ausgangssperre in Spanien in Kraft. Luisa kontaktierte den Corona-Notruf, weil sie als Asthmatikerin zur Risikogruppe zählt, doch die drei Sanitäter diagnostizierten bei ihr eine Mandelentzündung und gingen, ohne einen Corona-Test durchzuführen.

Wenige Tage später verschlimmerten sich die Symptome jedoch. Am 22. März wurde Luisa von einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Auf der Intensivstation wurde sie in ein künstliches Koma versetzt. Die Sauerstoffversorgung war lebensbedrohlich schlecht. Die folgenden fünf Wochen würde sie im Koma verbringen.

"Ich hatte Glück, dass mein Freund da war und meiner Mutter über InstagramBescheid geben konnte, dass ich im Krankenhaus bin. Ich selbst war dazu nicht mehr in der Lage. Es konnte niemand zu mir, weil ich lange infektiös war und Auslandsreisen sowieso verboten wurden. Meine Mutter hat sehr darunter gelitten, sie musste alle wichtigen Entscheidungen am Telefon treffen und hatte natürlich große Angst um mich. Vieles war da ja noch völlig unbekannt."

Kritischer Zustand und künstliche Beatmung

Nachdem ihr Zustand immer kritischer wurde, wurde sie schließlich an eine spezielle Lungenmaschine angeschlossen, die in Kliniken nicht selbstverständlich ist. Luisa hatte Glück. Die Überlebenschancen bei künstlicher Beatmung liegen bei gerade einmal 65 Prozent. Nach 1,5 Wochen schlug die Behandlung an. "Bis die Ärzte sahen, dass sie funktionierte, hieß es immer, mein Zustand sei extrem kritisch", sagt Luisa.

Das Koma selbst kommt ihr rückblickend betrachtet wie eine Parallelwelt vor. "Ich hatte schlimme Komaträume, in denen meine Familie und Freunde krank wurden und starben. Für mich waren alle diese Erlebnisse so real und bis heute erinnere ich mich an sie wie an Momente, die wirklich geschahen. Vieles in der Klinik habe ich auch gespürt und in diese Träume eingebaut, zum Beispiel den Schnitt an meiner Luftröhre."

Ihr Freund übermittelte ihr währenddessen eine Botschaft, die ihr Kraft gab. Er schrieb einen Song für sie, den die Schwestern ihr vorspielten. Erst nach drei negativen Tests durfte sie nach Deutschland. Nun geht die Arbeit an ihrem geschädigten Körper weiter. Er ist jetzt noch immer schwach. Das Taubheitsgefühl in Armen und Beinen bleibt. Luisa braucht Hilfe beim Anziehen und braucht zur Fortbewegung einen Rollator. Allerdings kann sie selbst damit nicht lange auf den Beinen bleiben und "muss immer schauen, wo der nächste Stuhl steht". Sie befindet sich gerade zum zweiten Mal auf Reha und fühlt sich wie eine alte Frau. Die Behandlungskosten sind hoch, alles wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Wann sie ihr altes Leben zurückbekommt, ist noch ungewiss.

Hierkann man für die starke, junge Frau spenden.

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