2,9 Millionen Euro für Mieter in Wien erstritten

In den meisten Verfahren 2020 ging es um überhöhte Mietzinse (39%) sowie Betriebskostenabrechnungen (37%).
In den meisten Verfahren 2020 ging es um überhöhte Mietzinse (39%) sowie Betriebskostenabrechnungen (37%).(Bild: iStock)
Zu hohe Mieten, falsche Betriebskostenabrechnungen, ausständige Reparaturen: Die Mietervereinigung führte 2020 knapp 19.000 Beratungen durch.

Exakt 2.882.019,01 Euro erkämpften die Mietrechtsexperten der Mietervereinigung (MVÖ) im Vorjahr für ihre Vereinsmitglieder – Mieter und Wohnungseigentümer – in Wien. Die zurückerstrittenen Beträge stehen zur Gänze den Mitgliedern zu, denn die Führung von Verfahren ist vom Mitgliedsbeitrag abgedeckt.

Insgesamt führten die MVÖ-Experten im Jahr 2020 in Wien 18.595 wohnrechtliche Einzelberatungen durch – corona-bedingt gab es erstmals mehr telefonische (13.790) als persönliche (4.012) Beratungen. Ein deutliches Plus verzeichneten schriftliche Online-Beratungen, 793 fanden im Vorjahr statt.

Unmittelbar nach Beginn des ersten Lockdowns im März richtete die MVÖ eine neue telefonische Hotline ein, um trotz der sprunghaft gestiegenen Nachfrage allen Ratsuchenden so rasch als möglich zu helfen.

Hilfe bei Verfahren vor Schlichtungsstelle und Gericht

Wenn es hart auf hart kommt, leitet die MVÖ Verfahren ein, um Mietern zu ihren Rechten zu verhelfen. In den meisten Verfahren 2020 ging es um überhöhte Mietzinse (39%) sowie Betriebskostenabrechnungen (37%).

"Auch im Corona-Jahr hat sich gezeigt, dass weiterhin ein Großteil der von uns überprüften Mieten überhöht war", sagt Elke Hanel-Torsch, Vorsitzende der MVÖ Wien. Es lohne sich daher, Miethöhe - und auch die Betriebskostenabrechnung - genau prüfen zu lassen: "Wir helfen Mietern, zu viel Bezahltes zurückzufordern."

Über die Klassiker Mietzins und Betriebskosten hinaus stehen die Juristen der MVÖ ihren Mitgliedern jederzeit in sämtlichen Mietrechtsfragen zur Seite. In 8% der 2020 geführten Verfahren ging es um die Durchsetzung von Erhaltungs- und Reparaturarbeiten, in 7% der Fälle um Kautionen. Die restlichen Verfahren betrafen Themen wie Entschädigungs- oder Investitionsansprüche, Ablösen, Anerkennungen als Hauptmieter und Ähnliches. In der Statistik nicht inkludiert sind Kündigungs- oder Mietzinsminderungsverfahren, bei denen die Mitglieder der MVÖ von externen Rechtsanwälten vertreten werden.

Sicher-Wohnen-Fonds gefordert

Seit November mehren sich bei der MVÖ die Anfragen von Mietern, die ihre Miete nicht mehr oder nicht mehr zur Gänze zahlen konnten. "Bereits seit März fordern wir von der Regierung die Einrichtung eines bundesweiten Sicher-Wohnen-Fonds, der kurzfristig die Miete übernimmt und Mieter vor dem drohenden Verlust ihrer Wohnung bewahren könnte", erinnert Hanel-Torsch. "Ein solcher Solidarfonds ist längst überfällig. Wenn die Regierung nicht handelt, droht im Frühjahr eine Klagewelle."

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