3-Zonen-Modell soll Wiens Park-Chaos beenden

Die 3-Zonen-Lösung soll das Parken in Wien vereinfachen.
Die 3-Zonen-Lösung soll das Parken in Wien vereinfachen.Bild: Denise Auer
Mit einer "einfachen und übersichtlichen" Lösung will die Wirtschaftskammer Wien für mehr Ordnung sorgen. Anrainerparkplätze sollen fallen.
Die Diskussionen über die Wiener Parkraumbewirtschaftung ist so alt wie die Idee selbst. Die unterschiedlichen Regeln in den Bezirken und Grätzl sowie Sonderzonen und Ausnahmen wie dem Anrainerparken sorgen nicht nur bei Wien-Gästen für Verwirrung und sogar für Strafen.

Das blieb auch der Stadt nicht verborgen. Im August 2019 ließ Stadtchef Michael Ludwig (SPÖ) mit der Forderung nach einem "individualisiertes Parkpickerl" für ganz Wien aufhorchen. Anfang Oktober lud Verkehrsstadträtin und Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) zu einem Runden Tisch, bei dem auch das Parkpickerl diskutiert werden sollte, "Heute" hat berichtet. Entschieden ist bisher freilich nichts.

Aufteilung Wiens in drei große Parkzonen

Mit einem Vorschlag will die Wirtschaftskammer Wien nun "anschieben" und mehr Übersicht ins Chaos bringen. Geht es nach Präsident Walter Ruck wird in Wien ein neues 3-Zonen-Modell verordnet. Damit würde Wien in drei Kurzparkzonen – die Innenstadt (rot), die Innenbezirke 2 bis 9 (blau) sowie 20 und die Außenbezirke 10 bis 19 sowie 21 bis 23 (grün) – unterteilt. Die Gültigkeit der Kurzparkzonen soll wienweit angeglichen werden: Gelten soll diese Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr, an Samstagen von 9 bis 12 Uhr. Die Maximalparkdauer ist in dem Vorschlag auf zwei Stunden festgelegt.

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Wiens Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck präsentierte am Donnerstag sein Model für Wiens Parkraumbewirtschaftung.

Überlappungszone neu: Parkpickerl gilt für mehrere Bezirke

Das 3-Zonen-Modell gilt auch für das Parkpickerl. Je nach Wohnort können die Wiener um ein Pickerl für ihre Zone beantragen. Bewohner der "blauen Zone" könnten damit – auch dauerhaft – in allen Bezirken derselben Zone parken, die an den eigenen Bezirk angrenzen. Damit definiert die Wirtschaftskammer die bereist existierenden Überlappungszonen neu und erweitert sie.

Alsergrunder könnten so künftig also sowohl in der Josefstadt als auch in Brigittenau ihr Auto abstellen. Nicht möglich ist es jedoch, für Lenker mit einem Parkpickerl der grünen Zone, länger als zwei Stunden in Wieden zu parken. Einzige Ausnahme ist die City: Hier gilt das Parkpickerl nur für die Innere Stadt. Ein Dauerparken in angrenzenden Bezirken ist nicht vorgesehen.

Wirtschaftskammer Wien will Wien in drei Parkzonen aufteilen:



(Grafik: WKW)

Geschäftsstraßen bleiben Kurzparkzonen

Eine Ausnahme vom Dauerparken – trotz gültigem Parkpickerl für die jeweilige Zone – soll auch in den Geschäftsstraßen gelten. Damit will die Wirtschaftskammer für eine höhere Kundenfrequenz sorgen und den stationären Handel unterstützen.

"Die Wiener Parkraumbewirtschaftung muss dringend reformiert werden. Es wurde schon viel zu lange und zu oft daran herumgedoktert, herausgekommen ist ein Pfusch. Wenn wir in der Bausprache bleiben, könnte man auch sagen: Wenn eine Konstruktion nicht mehr sanierbar ist, dann muss man sie abreissen und neu errichten", erklärt Ruck.

Kosten bleiben bisher offen

Ob das Parkpickerl oder das Kurzparken in Wien durch den Vorschlag teurer wird, wollte Ruck auf "Heute"-Rückfrage nicht beantworten. "Das ist nicht meine Expertise. Das Parkpickerl soll aber preisstabil bleiben", so der Präsident.

Aktuell kostet das Parkpickerl in den Bezirken 1 bis 9, dem 15. Bezirk im Bereich der Stadthalle und im 20. Bezirk pro Jahr 120 Euro. In den Bezirken 10, 11, 12 und 14 sowie im 15. Bezirk außerhalb des Bereichs der Stadthalle und den Bezirken 16 bis 19 sind pro Jahr 90 Euro fällig.

Eine Änderung könnte es aber bei den Tarifen für das Kurzparken geben. Hier stellt sich die Wirtschaftskammer eine nach außen hin abflachende Preisgestaltung vor. Heißt: Die City wäre teurer als die Außenbezirke. Eine Einfahrtbeschränkung, wie die oft diskutierte Citymaut, lehnt Ruck weiter ab.

"Wir müssen aber verhindern, dass der Wiener Stadtrand zur großen Abstellfläche von Einpendlern wird. Zum anderen muss eine gewisse Relation zu den Parkpickerl geben, damit die Wiener einen gewissen Bonus haben", erklärt Ruck.

Modell wäre das Aus für Anrainerparkplätze

Der Vorschlag wird wohl für weitere Diskussionen sorgen, denn derzeit liegt die Entscheidung darüber in der Kompetenz der Bezirke. Für eine wienweite Lösung, wie von Ruck angestrebt, müsste aber auf Landesebene verordnet werden. Spannend wird auch, wie die Bezirke auf den Plan, dass die Anrainerparkplätze wegfallen, reagieren werden. Diese seien laut Ruck mit dem neuen Modell nicht mehr notwendig, da ohnehin genügend Stellplätze zur Verfügung stehen.

Warum nicht gleich ein Parkpickerl für ganz Wien kommen soll, beantwortet Ruck so: "Damit würde der Lenkungseffekt wegfallen. Mit unserem 3-Zonen-Modell helfen wir den Wienern aber dort, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben, einen Parkplatz zu finden".



Die neun Punkte des WKW-Vorschlags zum Wiener Parkzonenmodell:

1.) 3-Zonen-Modell: Ganz Wien wird in drei Kurzparkzonen (rot/blau/grün) unterteilt. Innenstadt (1. Bezirk – rot), Innenbezirke (2. bis 9. und 20. Bezirk - blau), Außenbezirke (10. bis 19. Bezirk und 21. bis 23. Bezirk – grün)

2.) Die Gültigkeit der Wiener Kurzparkzone erstreckt sich ohne Ausnahme an Werktagen von Montag bis Freitag von 9 bis 20 Uhr und Samstag von 9 bis 12 Uhr

3.) Parkdauer in der Kurzparkzone: einheitlich für ganz Wien 2 Stunden Parkdauer

4.) Preise für Kurzparken von innen nach außen abfallend

5.) Parkraum besser nutzen: Bezirksbewohner bekommen ein Parkpickerl für ihre Zone (farblich gekennzeichnet), das zum Parken im eigenen Bezirk und den direkt angrenzenden Bezirken der gleichen Zonen berechtigt. In Geschäftsstraßen gilt Kurzparken auch für Bezirksbewohner.

6.) Preise für Parkpickerl: Die Preise für das Parkpickerl sind innerhalb der drei Zonen einheitlich.

7.) Anrainerparkplätze werden abgeschafft, weil durch die Überlappungszonen wieder mehr Parkraum für Bezirksbewohner zur Verfügung steht

8.) Die Handy-APP soll das Parken künftig erleichtern und anzeigen, ob man dort wo man gerade ist und zur betreffenden Zeit (und für wie lange) einen Parkschein lösen muss, kurz gesagt ob die Parkzonenregelung gerade gilt und automatisch erkennen, was der Parkschein in der jeweiligen Zone kostet

9.) Gewerbliche Unternehmer bekommen analog zu Bezirksbewohnern unbürokratisch ein Parkpickerl; Servicekarten werden künftig für Zonen ausgestellt



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