5 Gründe, die Thiem so stark machen

Bild: Red Bull Content Pool
Dominic Thiem hat die Sportfans in Österreich mit dem Titel in der Wiener Stadthalle begeistert. Das sind die fünf Gründe, warum Thiem so stark ist.
"Ein Kindheitstraum ist wahr", strahlte Dominic Thiem nach dem Triumph bei den Erste Bank Open in der Stadthalle. Bereits als Siebenjähriger hatte er dort am Wiener Vogelweidplatz vom zweiten Rang aus zugesehen. Er schoss gerne Papierflieger in Richtung Platz, am besten sie landeten bei der gar nicht einfachen Thermik in der Halle direkt am Center Court.



19 Jahre später lag Thiem genau dort am Boden – überglücklich nach dem Finalsieg gegen Diego Schwartzman. 9.600 Fans waren aus dem Häuschen. Vom Titel mit dem höchsten Stellenwert sprach Thiem. Weil er es geschafft habe, "mich und meine Ernergie auf das Wichtige zu fokussieren".



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Thiem hat ein turbulentes und erfolgreiches Jahr mit dem "Österreich-Double" gekrönt. 9:0 lautet die Bilanz auf rot-weiß-rotem Boden in Kitzbühel und Wien im Jahr 2019. Er hat die 20-Millionen-Dollar-Schallmauer beim Preisgeld geknackt. Mit fünf Turniersiegen ist er aktuell der erfolgreichste Spieler auf der Tour – vor Djokovic, Nadal, Federer und Medvedev (je vier Turniersiege).



Thiem ist in diesem Jahr zum Star aufgestiegen – das sind die Gründe dafür.

1. Schwächen minimiert, Waffen zugespitzt

Thiem hat von seinem Mentor Günter Bresnik Waffen für seine Karriere mitgekriegt. Technisch perfekt ausgebildete Schläge, mit denen er enormes Tempo und Spin erzeugt – aus allen Positionen des Platzes. Thiem hat dieses Waffen-Arsenal aber lange nicht richtig eingesetzt.

In der Saison 2019 machte er unter Coach Nicolas Massu große Fortschritte. Die Schlagauswahl ist heute taktisch cleverer, sein Spiel reifer.

Zudem wurden Schwächen minimiert, Waffen im Detail zugespitzt: Mit der Rückhand verteidigt Thiem jetzt viel besser, beim Slice variiert er Schnitt und auch Tempo smarter. Das Returnspiel, lange die Schwäche im Spiel, wurde stark verbessert. In der Stadthalle machte ihm nur der Linkshänder-Aufschlag von Verdasco einen Satz lang Sorgen. Der Aufschlag ist heute nicht nur schnell, sondern für den Gegner schwierig zu lesen – dank einer größeren Auswahl an Varianten.



2. Die Charakterfrage

Thiem hatte in diesem Jahr richtungsweisende und keine einfachen Entscheidungen zu treffen. Die Trennung von Ex-Coach und Ex-Manager Bresnik war ein großer Einschnitt in seiner Karriere, der viel Mut und Konsequenz verlangte.

Neo-Manager Herwig Straka sprach im "Heute"-Interview vor dem Stadthallen-Turnier an, dass Thiems "Persönlickeit wächst" und er "mehr selbst entscheidet".

Das merkt man auch am Tennisplatz, wo Charakter gefragt ist. Thiem schafft es, Spielen eine Wende zu geben. In der Stadthalle gelang ihm das drei Mal – gegen Verdasco, Berrettini und auch gegen Schwartzman im Finale. Dazu bedarf es taktischer Finesse und mentaler Stärke.

Die Entwicklung ist kein Zufall: Thiem gewann 2019 knapp 87 Prozent aller Spiele, die in einen Entscheidungssatz gingen. Vor der Saison 2019 waren es nur 60 Prozent gewesen. Thiem hat es geschafft, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Auf und neben dem Platz.

3. Offensivere Spielanlage

Thiem spielt speziell auf schnellen Belägen offensiver. Er schafft es trotz längerer Ausholbewegung bei seinen Power-Schlägen als bei anderen Topspielern, die Punkte jetzt besser abzukürzen. Dabei sucht er öfter den Weg ans Netz und erspart sich damit viel Arbeit. Seinen Gegnern raubt er dabei Zeit. Das Netzspiel hat er neben dem Return am meisten verbessert. Dass er kein Sandplatz-Spezialist ist, dürfte jetzt jeder Fan begriffen haben. Thiem holte drei der fünf ATP-Titel 2019 auf Hartplatz – darunter seinen größten in Indian Wells.

4. Fitness und Beinarbeit

Nicht nur am Weg nach vorne hilft die perfektionierte Beinarbeit. Dabei geht es um richtige Schrittfolgen, die für eine perfekte Positionierung zum Ball sorgen. Für Thiem fühlt sich das Spiel dann gut und einfach an. Daran hat er mit Neo-Fitness-Coach Duglas Cordero gefeilt. Für Thiem ist es ein wichtiger Puzzlestein, der bisher vernachlässigt wurde.

Bei der Fitness profitiert er im Finish der Saison von der langen Krankheitspause bei der US-Tournee. Er hat schlicht mehr Power als seine Gegner, die durchspielten.





5. Der Superstar

"Dominic ist ein Star geworden", meinte Manager Straka nach den Erste Bank Open. Diese Erkenntnis ist in dieser Form neu, obwohl Dominic schon länger zu den Top 5 der Tennis-Welt zählt.

"Dominic kann die Halle noch nicht ausverkaufen", meinte Straka im "Heute"-Interview zehn Tage davor. Der Besucher-Ansturm und der Hype um seinen Schützling überraschte dann auch den Turnierdirektor Straka. An fünf Tagen war die Halle ausverkauft, es gab einen Rekordbesuch – wegen Thiem!

Alexander Antonitsch verglich die Stimmung mit der beim Länderkampf gegen die USA 1990. Das sind große Worte.

Das Team Thiem sieht weiter Luft nach oben. Speziell bei der Planung. Action- und Ruhephasen sollen perfekt abgestimmt werden. Damit Thiem in Zukunft öfter so glänzen kann wie in Wien. Das ist kein Hirngespinst.



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