Er liebte seine Asylhelferin, nach Aus würgte er sie

Der Angeklagte
Der AngeklagteTrimmel Sascha
Ein Afghane (29) und eine ehrenamtliche Flüchtlingshelferin (31) waren ein Paar. Nach dem Beziehungs-Aus hätte er sie mit einem Schal fast erdrosselt.

Wegen einer brutalen Beziehungstat musste ein afghanischer Polizist (29) am Dienstag in Korneuburg auf die Anklagebank. Die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin und Schriftstellerin meinte als Opfer im Zeugenstand: "Es war zwar eine harte Zeit, doch ich habe ihm verziehen, denn ich habe ihn als Menschen schätzen gelernt."

Freundin trotz Familie

Was war passiert? Im Zuge der großen Flüchtlingswelle 2015/16 war auch der afghanische Exekutivbeamte nach Österreich gekommen und lernte die Schriftstellerin und ehrenamtliche Asylhelferin kennen und lieben. Die beiden wurden schließlich ein Paar, obwohl der 29-Jährige in seiner Heimat Frau und zwei Kinder hat (Anm.: sind immer noch in Afghanistan).

Mit Hilfsjobs auf Baustellen hielt sich der 29-Jährige über Wasser, soll aber immer wieder die Beziehung zur zierlichen Frau beendet und wieder begonnen haben. Dann die Wende: Nach drei Jahren Beziehung (2017 bis 2020) drehte sie den Spieß um und beendete die Liaison. Es soll immer wieder Probleme gegeben haben, wenn sie andere Männer getroffen hatte. 

Eifersucht wegen Neuem

Dennoch wollte die 31-Jährige eine freundschaftliche Beziehung, sie und ihre Eltern halfen ihm weiterhin bei Arzt- und Behördenwegen. Nachdem sich die 31-Jährige neu verliebt hatte, kam die Eifersucht des 29-Jährigen immer mehr zum Vorschein. 

Mit Schal fast erwürgt

Am 30. Mai 2021 passte er sie auf einem unbeleuchteten Radweg in der Nähe des Bahnhofes ihres Heimatortes in Niederösterreich ab. Die 31-Jährige verließ den Zug, stieg aufs Rad und fuhr trotz Patschens weiter - und traf auf den Afghanen. "Ich habe gemerkt, dass sie Angst hat, daher wollte ich sie mit einem Scherz aufheitern", so der Angeklagte. Nur war der 31-Jährigen die Angst nicht zu nehmen, also würgte er sie "zum Spaß" mit ihrem Schal so heftig, bis sie besinnungslos zu Boden sank.

Notoperation rettete 31-Jährige, doch ihr Arm hing schlaff herunter

Laut Angeklagten musste er sie sogar kurz reanimieren bzw. am Brustkorb bearbeiten, damit die 31-Jährige wieder selbstständig atmen konnte. Er schleppte die knapp 50 Kilogramm schwere Frau nach Hause zur Mutter, diese verständigte sofort Rettung und Polizei. Der Afghane ergriff die Flucht, sein Ziel: Paris. Im Zuge eines europäischen Haftbefehls wurde der Mann allerdings gefasst.

Die 31-Jährige wurde sofort am vierten Halswirbel notoperiert. Lange Zeit hing einer ihrer Arme schlaff runter. Daher musste der Afghane auch wegen absichtlich schwerer Körperverletzung mit Dauerfolge vor Gericht.

"Ich schäme mich"

Richter Manfred Hohenecker in Richtung des Angeklagten: "In Afghanistan wird es als Spaß verstanden, wenn man jemanden fast erwürgt?"

Der trainierte Kampfsportler beteuerte jedoch, dass er an diesem Tag getrunken und unwissentlich gekokst hatte: "Ich war mit Freunden unterwegs, zog eine Line vom Handy, wusste aber nicht dass es Kokain war. Ich schäme mich für diese Tat." Richter Manfred Hohenecker fragte nach: "Als Polizist wissen Sie nicht, was Kokain ist?" und stellte schließlich klar: "Hätten sie die Frau nicht nach Hause geschleppt, würden wir hier jetzt einen Mordversuch verhandeln."

Vier Jahre Haft

Da sich der körperliche Zustand des Opfers mittlerweile gebessert hat (ist aber in Psychotherapie) fiel die Dauerfolge weg. Richter Hohenecker verdonnerte den Afghanen schließlich wegen absichtlich schwerer Körperverletzung zu vier Jahren unbedingter Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Anwalt und Staatsanwaltschaft erbaten Bedenkzeit.

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