"Homosexuelle steinigen zu lassen, ist unfassbar"

Die kanadische Grammy-Gewinnern war am Mittwoch als Anheizer von Shawn Mendes in der Wiener Stadthalle zu Gast.
Mit ihren gerade einmal 22 Jahren hat Alessia Cara schon sehr viel erreicht. Ihr Debütalbum war ein weltweiter Erfolg, 2018 wurde sie dafür als "Best New Artist" mit einem Grammy geehrt. Auf YouTube zählen ihre Songs Klickzahlen im gute zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Mit ihrem zweiten Album "Pains of Growing", das vergangenen November erschienen ist etablierte sie sich endgültig als gestandene Künstlerin. Kein Wunder also, dass Superstar Shawn Mendes sie mit auf seine Welttournee genommen hat.



Vor dem Auftritt durfte sich "Heute" mit Alessia Cara über die momentan laufende Tour, ihre mittelbaren Zukunftspläne und die Verantwortung, die man als in der Öffentlichkeit stehender Künstler gegenüber seinen Fans hat, unterhalten.

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Heute: Seit vier Wochen bist du schon mit Shawn Mendes auf Tour in Europa. Wie läuft es bislang?

Alessia Cara:Alles läuft gut. Es fühlt sich an, als wären wir schon viel länger auf Tour als diese vier Wochen. In einem positiven Weg. Wir haben echt eine gute Zeit. Meine beste Freundin begleitet mich. Es macht viel Spaß.

"Also versuche ich, rauszugehen und ein bisschen was zu entdecken"


Heute: Die Tour hat einen ziemlich straffen Zeitplan. Bleibt da etwas Zeit für Sightseeing in den europäischen Metropolen.

Alessia Cara: Ja und nein. An einigen Tagen schon. Glücklicherweise sind die Shows immer am Abend und ich habe davor nicht wirklich was zu tun. Also versuche ich, rauszugehen und ein bisschen was zu entdecken. An manchen Tagen ist es aber schwer, das zu tun.

Heute: Erkennen dich die Leute auf der Straße?

Alessia Cara: Wenn ich auf Tournee bin, dann schon. Ich denke, viele Leute wissen dann, dass ich gerade in der Stadt bin. Im normalen Leben eher nicht so oft.

"Ich weiß nicht, ob er etwas von mir lernen kann, aber ich lerne definitiv viel von ihm"


Heute: Lässt du dich auf Tour von Sachen für neue Musik inspirieren?

Alessia Cara: Absolut. Wenn man auf der ganzen Welt herumreist und neue Dinge und Ort kennenlernt, ist das immer etwas inspirierendes. Alle diese neuen Eindrücke, ja. Aber gleichzeitig ist es schwierig, auf Tour neue Musik zu schreiben, weil man eben nicht viel Zeit hat.

Heute: Du und Shawn (Mendes, Anm.) seit einerseits beide noch extrem jung, auf der anderen Seite aber schon sehr erfahren in eurem Beruf. Könnt ihr euch gegenseitig etwas beibringen auf Tour?

Alessia Cara: Ich weiß nicht, ob er etwas von mir lernen kann, aber ich lerne definitiv viel von ihm. Es ist eine Sache, eine Person länger zu kennen, und ich kenne ihn schon eine Weile, aber es ist eine total andere Sache, ihn auf der Bühne zu erleben, wenn jede einzelne Person im Publikum nur für ihn da ist. Wie er mit dem Publikum umgeht und eine Verbindung eingeht, das ist wirklich eine großartige Lernerfahrung. Wir sprechen auch viel miteinander. Es ist gut, jemanden zu haben, der weiß, wie es ist, ein Musiker auf Tour zu sein.

Heute: Dein aktuelles Album heißt "Pains of Growing". Gibt's auch ein paar "Pains of Touring"?

Alessia Cara: Natürich. Da ist zu Beispiel die Schwierigkeit, einen guten Schlafrhythmus zu behalten. Die Ernährung ist nicht ganz so einfach. Speziell in Europa will man alles essen und die ganzen Spezialitäten probieren. Es ist sehr schwierig, sich auf Tour gesund zu ernähren.

"Leute steinigen zu lassen, nur weil sie homosexuell sind, ist einfach nur unfassbar"


Heute: Dein letztes Album ist erst im November 2018 erschienen. Arbeitest du schon wieder an neuem Material oder liegt der Fokus jetzt einmal nur auf dem Touren?

Alessia Cara: Momentan liegt der Fokus nur auf der Tour. Neue Musik wird es für eine Weile nicht geben, aber ich denke und brainstorme immer an neuen Ideen. Das ist sicher.

Heute: Krasser Themenwechsel. Auf Instagram hast du ein Bild gepostet, das zum Boykott der Hotels aufruft, die im Besitz des Sultans der Brunei sind. Ist das ein wichtiges Thema für dich?

Alessia Cara: Absolut. Das wenigste, was wir in der Angelegenheit tun können, ist zum Boykott von Hotels aufzurufen, die im Besitz eines Landes sind, das solche Dinge tun will. Man muss sich hier gegenseitig unterstützen. Die Sachen, die dort gerade passieren und die Gesetze, die dort verabschiedet werden, sind verrückt. Leute steinigen zu lassen, ist schon eine verrückte, mittelalterliche Sichtweise. Leute steinigen zu lassen, nur weil sie homosexuell sind, ist einfach nur unfassbar. Man kann das nicht glauben. Ich habe den Boykottaufruf gepostet, um die Leute darauf aufmerksam zu machen.



Heute: Wie fassen das deine Fans auf? Wenn Künstler ihre politische Stimme erheben, provoziert das meistens gemischte Gefühle.

Alessia Cara: Wenn du ein Künstler mit einer Plattform bist, dann wäre es eine Verschwendung, nur Lieder zu singen und sonst zu schweigen. Man steht auf diesen Bühnen und erreicht dort so viele Tausende und Millionen von Fans, da wäre es eine Schanden nicht darüber zu sprechen und für das einzustehen, an das man glaubt und von denen man überzeugt ist, dass sie richtig sind. Ich will Leuten helfen, ich will über Dinge sprechen, die für mich wichtig sind. Ich will nicht in die Politik gehen, sehe daher keinerlei Probleme, offen über Sachen zu sprechen, die mir eine Herzensangelegenheit sind.

Heute: Letzte Frage. Was läuft momentan in deiner Playlist?

Alessia Cara: Oh, da gibt es gerade einige. Ich hör' zum Beispiel gerade das neue Billie Eilish-Album, das künstlerisch der Wahnsinn ist. Das neue Album von Vampire Weekend mag ich auch sehr gern.

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