Alpengletscher drohen bis 2100 zu verschwinden

Rund die Hälfte des heutigen Gletschervolumens wird bis 2050 verschwinden. Forscher bezeichnen diese Entwicklung als einen der deutlichsten Indikatoren des Klimawandels.
Forschende der ETH Zürich und der Forschungsanstalt WSL berichten im Fachblatt "The Cryosphere" sowie an der Jahresversammlung der European Geoscience Union (EGU) in Wien über die Situation der Gletscher:



Die Gletscher haben weltweit seit 1961 über 9.000 Milliarden Tonnen Eis verloren. Und sie schmelzen immer schneller, wie ein internationales Forschungsteam um Michael Zemp von der Uni Zürich berichtet. Jedes Jahr steige der Meeresspiegel dadurch um einen Millimeter, seit 1961 insgesamt um 27 Millimeter. Am meisten dazu beigetragen haben Gletscher in Alaska, gefolgt von den Patagonischen Eisfeldern und den Gletscherregionen der Arktis.

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Der globale Eisverlust liegt derzeit bei 335 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Das entspricht laut Zemp rund dreimal dem verbleibenden Gletschervolumen der Europäischen Alpen.

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Bis 2100 könnten Gletscher in manchen Gebirgszügen komplett verschwunden sein, so die Forschenden. Dazu zählen die Europäischen Alpen, der Kaukasus, Westkanada und die USA sowie Neuseeland. Andere Regionen mit größerem Gletschervolumen werden aber noch über dieses Jahrhundert hinaus zum Meeresspiegelanstieg beitragen.



Bis Ende des Jahrhunderts wird es in den Alpen praktisch keine Gletscher mehr geben, wenn es nicht gelingt, die Treibhausgasemissionen massiv zu senken. Das weitere Schicksal des Gletschervolumens hängt davon ab, wie sich das Klima in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts entwickelt. "Im Falle einer begrenzten Erwärmung ließe sich ein substanziellerer Anteil der Gletscher retten", ließ sich Harry Zekollari von der ETH und WSL im Bericht zitieren.

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Ließe sich die Erderwärmung bei unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzen, wäre am Ende dieses Jahrhunderts noch gut ein Drittel des heutigen Gletschervolumens übrig, nämlich etwa 37 Kubikkilometer.



"Bei ungebremstem Klimawandel blieben höchstens noch kleine Eisflecken in großer Höhe übrig, die fünf Prozent oder weniger des heutigen Gletschervolumens ausmachen", so Studienautor Matthias Huss. Die heutigen weltweiten Treibhausgasemissionen liegen allerdings sogar knapp über den Werten, die dieses Szenario annimmt.

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Dass die Hälfte des Gletschervolumens der Alpen bis 2050 so oder so verschwinden wird, habe mehrere Gründe, so die Mitteilung. Zum einen werde die Temperaturzunahme durch die steigenden Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Fahrt aufnehmen. Ein weiterer Grund sei, dass Gletscher verzögert auf veränderte Klimabedingungen reagieren.



Für die Studie griff das internationale Forschungsteam auf den umfangreichen Datensatz des "World Glacier Monitoring Service" zurück. Diese traditionellen glaziologischen Messungen kombinierten die Forschenden mit Satellitendaten über die Änderung der Eisdecke zu verschiedenen Zeitpunkten.

Die Forscher hielten fest: "Die Zukunft der Gletscher ist tatsächlich in Gefahr, aber noch gibt es die Möglichkeit, ihre zukünftigen Verluste zu begrenzen." (rab)

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