"Wochen bis Ostern werden schwierigsten der Pandemie"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober
Gesundheitsminister Rudolf Anschoberpicturedesk.com
Gesundheitsminister Rudolf Anschober äußerte sich am Freitag zur Ausbreitung der britischen Corona-Mutation in Österreich.

Die Corona-Mutation B117 breitet sich in Österreich rasend schnell aus! Mittlerweile gibt es (Verdachts-) Fälle in mehreren Bundesländern, darunter Vorarlberg, Tirol, Burgenland und auch in der Bundeshauptstadt Wien.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober zeigt sich über die britische Virus-Variante mehr als besorgt und befürchtet bereits, dass die schwerste Phase der Corona-Pandemie sogar erst bevorsteht. Aufgrund der Ausbreitung des Virus könnte der Lockdown in Österreich daher sogar verlängert werden.

Die Entscheidung über eine mögliche Verlängerung soll am Wochenende fallen, zuvor wird sich Gesundheitsminister Anschober aber noch am Freitag in einer Pressekonferenz zur Suche nach SARS-CoV-2 Mutationen in Österreich und Europa äußern.

Mutations-Situation in Österreich

Vorgestellt werden Methoden und Maßnahmen, um B117 umfassend auf die Spur zu kommen. Zudem gibt es ein aktuelles Update zur Mutationssituation in den Nachbarländern und in Österreich und was die Mutante für unser Leben in Corona-Zeiten bedeutet.

Neben Anschober werden dabei auch Andreas Bergthaler (Research Center for Molecular Medicine) und Christina Nicolodi (Virologin und Impfstoffexpertin) zu Wort kommen.

"Ich fürchte, dass die nächsten Wochen nicht einfach werden", erklärt Gesundheitsminister Rudolf Anschober zu Beginn seines Statements. Der Reproduktionsfaktor liege derzeit bei 0,97. "Ein entscheidender Punkt für die nächsten Wochen, die 7-Tages-Inzidenz liegt bei 149". "Die Lockdown-Maßnahmen wirken, aber wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen."

Am Dienstag will Anschober bei den Impfungen die Grenze von 100.000 überschreiten. "Es gibt eine Stimmungswende pro Impfung", der Gesundheitsminister. "Das ist eine gute Nachricht." Das Tempo werde dabei von den Zulassungsterminen bestimmt. Zwischen Montag und Freitag wurden insgesamt 780.000 Testungen durchgeführt, pro Tag also mehr als 100.000 Tests.

"Wochen bis Ostern werden schwierigste Phase der Pandemie"

"Die Wochen bis Ostern wird die schwierigste Phase der Pandemie werden", ist sich Anschober sicher. In allen EU-Länder gebe es aufgrund der Virus-Variante aus Großbritannien eine "alarmierende Stimmung und Situation". "Diese Variante breitet sich über ganz Europa massiv aus und Österreich ist keine Insel und auch wir sind betroffen".

Der Grund, warum Österreich auf der Corona-Ampel weiterhin auf Rot gestellt ist, hat unter anderem auch mit der Virus-Variante zu tun. Zu Jahresbeginn konnte bei vier Personen die Variante nachgewiesen werden, mittlerweile gebe es rund 100 Verdachtsfälle. "Das ist nicht das Ende der Situation", so Anschober.

"Wir sind alle bis Ostern gefordert"

Man prüfe gerade die Einreisebedingungen. "Wir wollen auch die österreichischen Kontrollen für B117 massiv verstärken", stellt der Gesundheitsminister klar. Man werde auch ein Messgeräte über Kläranlagen ausbreiten. Alle positiven PCR-Tests sollen auch auf die Virus-Mutation überprüft werden.

Welche Maßnahmen sind die Konsequenz? "Man kann alle Maßnahmen, die bisher gegen das Virus geschützt haben, auch gegen das Virus einsetzen. Wir sind alle bis Ostern gefordert, diese Maßnahmen auch umzusetzen", so Anschober. "Wir sind mitten in der Analyse und wir sind in der End-Phase für die Zeit nach dem 24. Jänner. Die Zeit ist eine sehr ernste."

100 Verdachtsfälle in Österreich

"Wir sprechen von circa 100 Verdachtsfälle", stellt Virologe Andreas Bergthaler klar. Die britische Variante hat eine ganze Reihe an Mutationen - und zwar insgesamt 17! Laut dem Virologen sei es ein "komplexes Verfahren", um herausfinden zu können, ob es sich bei den positiven Tests wirklich um die britische Variante handelt.

"Die Pandemie ist noch nicht vorbei und es werden noch mehr Varianten kommen. Das sind nur die Vorboten. Das Virus hat in den letzten Monaten erstaunlich viele Mutationen angesammelt", so der Virologe. "Wir müssen die Situation ernst nehmen."

Impfstoffexpertin Christina Nicolodi erklärt: "Viren unterliegen Mutationen, das sind spontane Veränderungen." Auch das jetzige Coronavirus sei bereits eine Mutante. Das Virus kopiere eine Zelle und dabei komme es zu einem Fehler - so könnten Mutationen entstehen. In Österreich habe man die britische Variante genau im Auge, es gebe ein ständiges Monitoring.

"Verstehe die Bedenken zum Impfstoff"

Die Impfstoffe von Biontech und Pfizer sind laut Nicolodi auch gegen die britische Corona-Variante wirksam. "Ich verstehe die Bedenken der Bevölkerung zum Impfstoff. Von allen Coronaviren-Impfstoffen haben wir weltweit schon 35 Millionen Dosen verimpft. Und man hat sehr wenig über Nebenwirkungen gehört. Mein Apell: Vertrauen Sie der Wissenschaft, vertrauen Sie den Daten."

"Die nächsten Wochen werden aufgrund der Variante sehr schwierig. Wenn wir halbwegs gut über die Wochen kommen, bin ich positiv gestimmt", so Gesundheitsminister Anschober. "Bis ausreichend Menschen in Österreich geimpft sind, wird die Zeit schwierig." Im Best-Case könnten bis Sommer alle Österreicher - die, dies möchten - geimpft sein.

FFP2-Masken "absolut empfehlenswert"

"Je mehr Menschen eine FFP2-Maske tragen, desto besser. Das Tragen einer solchen Maske ist absolut empfehlenswert", so Anschober. Laut dem Gesundheitsminister würde eine FFP2-Maske auch einen höheren Schutz als eine normale Maske bieten. Das sei bei den Plänen der Regierung auch besprochen bzw. berücksichtigt worden.

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