Antworten von Kardinal Christoph Schönborn: Weltuntergang findet (nicht) statt

Ich habe auch morgen Termine geplant. Heute, am Freitag, dem 21. Dezember 2012, ist nicht Weltuntergang. Auch wenn heute der Maya-Kalender endet. Weltuntergang war schon oft angesagt und ist bisher nie eingetreten. Was immer das Ende des Maya-Kalenders bedeuten mag, eines ist sicher: Ihre Welt ist untergegangen, ihre Kultur vernichtet, ihr Reich vor Jahrhunderten zerstört.


Weltuntergänge habe ich selber erlebt. Wenn ich mich an das Dorf meiner Kindheit erinnere, an die Wiesen und Kühe, die autolosen und asphaltfreien staubigen Straßen, den vom bäuerlichen Leben geprägten Alltag – diese Welt ist untergegangen. Aber auch die nächste Welt ist inzwischen untergegangen: die der glorreichen Jahre des wirtschaftlichen Wachsens, des "Immer besser, immer schneller", die Welt der Gewissheit, dass der Fortschritt immer weitergehen wird.

Ja, diese Welt ist inzwischen untergegangen. Es wird in Zukunft nicht mehr so sein. Die Welt meiner Kindheit, die Welt des grenzenlos optimistischen Fortschrittsglaubens ist tatsächlich untergegangen. Aber auch das ist wahr: Täglich wird die Welt neu geboren! Mit jedem Kind, das auf die Welt kommt, tut sich eine neue Welt auf. Welten gehen unter, gewiss, aber wie wunderbar ist doch jeder Lebensanfang, voller Hoffnung und voller Chancen.

In vier Tagen feiern wir die Geburt eines Kindes, das der Welt so viel Grund zur Hoffnung gebracht hat. Mit ihm, Christus, dem Gottessohn und Menschenkind, hat Gott zu dieser Welt für immer Ja gesagt. Deshalb lautet die Weihnachtsbotschaft: Fürchtet euch nicht!
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